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Bad Schwartau Saxofonistin Katja Rieckermann plaudert über Rod Stewart, Donald Trump und die Liebe
Lokales Bad Schwartau Saxofonistin Katja Rieckermann plaudert über Rod Stewart, Donald Trump und die Liebe
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16:59 25.10.2019
Angereist aus Los Angeles: Saxofonistin Katja Rieckermann im Oktober 2019 auf Heimaturlaub in Bad Schwartau – hier im Garten ihres Vaters. Quelle: Doreen Dankert
Bad Schwartau

Katja Rieckermann stammt aus Bad Schwartau, ist hier aufgewachsen und hat das Leibniz Gymnasium besucht.

Seit über 20 Jahren leben Sie schon in Los Angeles. Wie viel von Ihnen ist noch deutsch, wie viel schon amerikanisch?

Oh, gute Frage! Ich glaube, halbe-halbe. Ich denke eigentlich fast nur in Englisch, es fällt mir auch fast leichter, Dinge auf Englisch zu sagen. Auf Deutsch muss ich tatsächlich manchmal überlegen, wie denn das Wort jetzt heißt. Und dadurch, dass ich in Amerika lebe und viele von meinen Freunden Deutsche sind, die da leben, sprechen wir manchmal so ein ’Quassel-Englisch-Deutsch’. Aber das verstehen alle, weil alle genauso denken und genauso drauf sind. Ansonsten habe ich mir ein paar Sachen angewöhnt, die sehr viel amerikanischer sind.

Was zum Beispiel?

Oder sagen wir mal besser, mir fallen Sachen auf, die sehr deutsch sind.

Was ist denn sehr deutsch?

Zum Beispiel heute Mittag. Da war ich mit meinem Vater in einer Gaststätte in Ratekau essen, es gab ganz traditionell Roulade. Da war ich seit 30 Jahren nicht mehr. Früher bin ich da immer mit dem Fahrrad vorbeigefahren. Auf jeden Fall hatten wir mal Bock auf so’ne Roulade. Und da ist mir aufgefallen, wie unfreundlich die Bedienung war. Das ist mir in Deutschland oft aufgefallen, wenn man hier irgendwo essen geht, weil die Bedienungen hier nicht auf Tip angewiesen sind. Also in Amerika sind alle immer superfreundlich, auch wenn sie es nicht so meinen, aber die sind eben überfreundlich da.

Sind die Amerikaner besser gelaunt als die Deutschen?

Ich würde auf jeden Fall sagen: Ja.

Hollywood ist in LA, im Show-Business gibt es manchmal ein Hauen und Stechen. Und trotzdem sind die Leute da entspannter? Sieht das nur so aus oder sind sie das tatsächlich?

Ich weiß nicht, ob entspannt das richtige Wort ist. Auf jeden Fall sind die da besser gelaunt und freundlicher. Selbst wenn dich da einer anrempelt, dann entschuldigt der sich freundlich. Wenn du in Deutschland angerempelt wirst, dann geht derjenige meistens einfach weiter. Hier in Deutschland habe ich oft den Eindruck, dass dieses Ellbogen-Verhalten sehr weit verbreitet ist.

Hat sich eigentlich im Verhalten der Amerikaner was geändert, seit dort einer wie Donald Trump Präsident ist? Denn bei dem kann man nun wirklich nicht sagen, dass er seine Ellbogen nicht benutzt.

Oh Gott! Lass uns bloß nicht anfangen, über Trump zu reden. Ich muss ganz ehrlich sagen, seit Trump an der Macht ist, habe ich aufgehört, mich für Politik zu interessieren. Weil ich diesen Mann einfach nicht ertragen kann. Und mich regt das einfach zu sehr auf.

Wie oft sind Sie eigentlich in Deutschland?

So alle ein bis eineinhalb Jahre.

Wenn Sie in den USA sind, was vermissen Sie dann?

Gerade in LA vermisse ich die Jahreszeiten, besonders der Herbst fehlt mir. Ich liebe den Herbst, wenn sich die Blätter verfärben. Ich mag auch den Regen sehr gerne. Und ich vermisse meine Familie, meine Cousins und Cousinen, die Kinder von denen und meine Onkel und Tanten. Die leben alle in Bad Schwartau und Umgebung. Und ich habe auch noch ein paar sehr gute Freunde hier, die ich seit meinem vierten Lebensjahr kenne. Wenn man sich dann mit denen heute trifft, ist das so, als hätte man sich immer gesehen. Die bleiben einfach, das sind Freundschaften, die vergehen einfach nicht. Sowas ist sehr schwer zu finden, wenn man so weit weg lebt.

Haben Sie in Amerika auch Freunde, mit denen Sie so eng sind? An den Amerikanern klebt ja das Klischee, dass sie sehr oberflächlich sein sollen.

Ja, habe ich. Aber die meisten Freunde, die ich in den USA habe, sind tatsächlich Deutsche. Und zwei von denen kommen lustigerweise auch aus Norddeutschland.

Sie haben sich Ihren Traum von den Musikkarriere erfüllt, waren 14 Jahre in der Band von Rod Stewart. Warum wollten Sie plötzlich als Solistin weitermachen?

Das fing sogar schon an, während ich bei Rod Stewart war. 2001 habe ich in seiner Band angefangen und meine erste Solo-CD habe ich bereits 2007 veröffentlicht. Davor habe ich schon immer Musik geschrieben, das habe ich sogar schon gemacht, bevor ich nach Amerika gegangen bin. 2010 kam meine zweite Solo-CD raus, völlig andere Musik, das war House-Musik. Und meine dritte Solo-CD erschien 2015.

Und am 1. November gibt es die CD Nummer vier?

Keine ganze CD, sondern nur einen Track. Es ist ein Remix zum Downloaden und Streamen.

Das ist ein gecoverter Song von Rod Stewart aus dem Jahre 1978 – „Da Ya Think I’m Sexy?“.

Ja, das ist eine Idee, die ich schon vor einiger Zeit hatte. Ursprünglich sollte das einfach nur ein Instrumental-Remix werden. Der Song war fertig, dann haben ich ihn Rod geschickt, einfach nur so. Super, hat er dann geschrieben – und gefragt, wie es wäre, wenn er mir was darauf singt. Naja, da hab’ ich natürlich nicht nein gesagt.

Sie haben also noch engen Kontakt zu Rod?

Ja, klar. Einen Tag bevor ich nach Deutschland geflogen bin, habe ich ihn backstage bei einer Party nach seinem Konzert getroffen in der Hollywood Bowl. Wir haben da ein bisschen gequatscht.

In dem Cover-Song geht es um einen Mann und eine Frau, beide schüchtern. Nur Stunden nach dem Kennenlernen landen beide in seinem Bett, am nächsten Morgen ist sie plötzlich verschwunden. Hat es einen Grund, dass Ihre Wahl auf diesen Song gefallen ist?

Überhaupt gar nicht. (Sie lacht.) Ganz ehrlich – über den Inhalt der Lyrics habe ich nie nachgedacht. Ich bin auch der Typ, der eigentlich gar nicht auf Songlyrics achtet – das muss ich zu meiner Schande gestehen. Ich höre immer nur auf die Bläser-Sätze.

Welche Rolle spielt die Liebe in Ihrem Leben?

Wenn es Liebe gäbe in meinem Leben, dann würde sie eine große Rolle spielen. Leider habe ich da nicht so eine glückliche Hand in meinem Leben gehabt bis jetzt.

Wenn man so viel unterwegs ist – wie hält man sich dann fit?

Also ich gehe viel. Ich mache ein bisschen Krafttraining und schwimme viel.

Sie gehen viel? In den USA geht doch keiner zu Fuß...

Ja, stimmt, aber ich wohne in den Hollywood Hills, da gehe ich dann eben öfter mal die Hügel hoch und runter, zu Fuß zu Starbucks, nicht mit dem Auto. Von da, wo ich mein Auto parke, bis zu meinem Schlafzimmer, sind es 58 Stufen – das trainiert auch.

Und wie lange üben Sie Saxofon pro Tag?

Zwei bis drei Stunden, phasenweise aber auch bis zu acht Stunden, wenn ich mich auf etwas vorbereiten muss.

Wann sind Sie das nächste Mal in Bad Schwartau?

Ich würde gerne bald wiederkommen und hier auf Tour gehen, das ist mein Ziel. Denn ich habe in Deutschland noch nie mit meiner eigenen Band getourt. Noch bin ich aber auf der Suche nach geeigneten Clubs.

Sie selbst suchen? Haben Sie keinen Manager?

Ich hatte einen Manager in den USA, aber der hat mich leider über den Tisch gezogen. War leider dumm gelaufen. Deswegen mache ich das jetzt selbst, denn ich kann mich im Moment nicht auf jemand anderen verlassen.

Und dieser Manager war einer von den sehr netten Amerikanern?

Ja, das war er.

Aha. Also nett zu sein, bedeutet also nicht gleich, auch korrekt zu sein.

Ja, absolut, genau das bedeutet das.

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