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Bad Schwartau Diskussion um Gymnasium geht weiter
Lokales Bad Schwartau Diskussion um Gymnasium geht weiter
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19:17 24.09.2018
Birgit Kalläne vom Schulelternbeirat der Gerhart-Hauptmann-Grundschule Stockelsdorf überreicht rund 450 Unterschriften von Eltern an Bürgermeisterin Julia Samtleben mit der Bitte, sich für ein Gymnasium in Stockelsdorf einzusetzen.  Quelle: Doreen Dankert
Stockelsdorf

Seit klar ist, dass das Bad Schwartauer Gymnasium am Mühlenberg (GaM) für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden muss oder gleich komplett neu gebaut wird, gibt es in Stockelsdorf die Stimmen – allen voran aus den Reihen der FDP –, die ein eigenes Gymnasium für die Gemeinde fordern. Schließlich fordert Bad Schwartau die Nachbargemeinden, deren Jugendliche das hiesige Gymnasium besuchen, auf, sich finanziell an Sanierung oder Neubau zu beteiligen (die LN berichteten). Und dieses Geld, so die Argumentation unter anderem der FDP, könne doch lieber für den Bau eines Stockelsdorfer Gymnasiums verwendet werden.

FDP-Antrag abgelehnt

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend, Sport, Soziales, Schule und Kultur hatte die FDP den Antrag gestellt, die Verwaltung solle die Einrichtung eines Gymnasiums in Stockelsdorf prüfen. Dieser Antrag fand jedoch keine Zustimmung bei den anderen Parteien, so dass er letztlich in eine Anfrage nach konkreten Zahlen umgewandelt wurde.

FDP: CDU blockiert Zukunftsprojekt

Vom Tisch ist das Thema damit jedoch nicht. In den Tagen nach der Ausschusssitzung meldeten sich Vertreter verschiedener Parteien zu Wort. In einer Pressemitteilung wirft Jörg Hansen, Vorsitzender der Stockelsdorfer FDP, der CDU vor, „schlechte Verliererin der Bürgermeisterinwahl“ zu sein und „gegen jedes vernünftiges Argument und vor allem gegen den überwältigenden Bürgerwillen“ ein wichtiges inhaltliches Zukunftsprojekt zu blockieren. Im Rahmen des Ausschusssitzung hatte eine Elternvertreterin eine Liste mit 430 Unterschriften von Eltern, die die Verwaltung bitten, sich für ein Gymnasium in Stockelsdorf stark zu machen, überreicht. „Sollte das GaM zumachen, muss Stockelsdorf bereit sein“, so Hansen in seinem Schreiben weiter. Und ohnehin sei der Pendelverkehr nach Bad Schwartau für die Kinder nicht nur belastend, sondern auch eine „richtig teure Tasse Tee für die Gemeinde“. Die Liberalen hielten ein Gymnasium weiter für ein zentrales Zukunftsprojekt, für das sie sich weiter einsetzen wollten.

UWG: Gymnasium stünde gut zu Gesicht

Auch Helmut Neu, Vorsitzender der UWG, greift das Thema in einem Brief noch mal auf. Jedes willige und geeignete Stockelsdorfer Kind könne bei zumutbaren Bedingungen ein Gymnasium in Bad Schwartau oder Lübeck besuchen. Allerdings fügt er hinzu, dass im Hinblick auf anstehende Sanierung/Neubau des GaM, darüber nachgedacht werden müsse, ein Gymnasium in Stockelsdorf zu bauen. „Die erforderlichen Steuermillionen können gerne auch in der Großgemeinde investiert werden“, schreibt Neu weiter. Ein „Dörfer-Gymnasium“ könne auch für Teile der Kreise Stormarn und Segeberg attraktiv sein. „Der durch Wohngebiete stetig wachsenden Gemeinde stünde ein Gymnasium gut zu Gesicht“, so sein Fazit.

Bürgervorsteher: Keine Propaganda

In die Diskussion mischt sich auch der Bürgervorsteher Manfred Beckmann (CDU) ein. Er stellt klar: „14 von 15 Mitglieder des Ausschusses haben sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen die Prüfung der Machbarkeit eines Gymnasiums in Stockelsdorf ausgesprochen.“ Die Verwaltung trage diese politische Entscheidung ausdrücklich mit. Wichtig und sinnvoll sei die vorherige Abstimmung mit allen betroffenen umliegenden Gemeinden: „Gerade bei einem so großen finanziellen Aufwand sollten eine gemeinsame Lösung, zum Beispiel ein Schulverband, angestrebt werden.“ Des Weiteren listet der Bürgervorsteher Gründe auf, die gegen ein Gymnasium sprechen: Was nütze es, wenn die Gemeinde sich hoch verschulde, dann aber kein Geld mehr für eine vernünftige Grundversorgung der Kitas und Grundschulen hat? Was nütze es, wenn die Gemeinde ein Gymnasium anstrebe, „aber wegen der Nähe umliegender Gymnasien die Chance auf eine Genehmigung gegen null tendiere? Außerdem sei nicht gesagt, dass die 500 Stockelsdorfer Oberschüler auch in Stockelsdorf Abitur machen würden. Beckmanns Appell: „Keine Propaganda und Instrumentalisierung auf Kosten der Eltern, sondern Politik mit Augenmaß und gute Gespräche mit Augenmaß und Verhandlungen mit unseren Nachbarn.“

Ilka Mertz