Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Stockelsdorfer Konfirmanden auf Spurensuche
Lokales Bad Schwartau Stockelsdorfer Konfirmanden auf Spurensuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:10 26.03.2018
Almuth Jürgensen (l.), Harald Werner (r.) und die Konfirmanden wollen herausfinden, welche Schicksale sich hinter den Namen verstecken, auf die sie in der Gedenkstätte Ahrensbök gestoßen sind.
Almuth Jürgensen (l.), Harald Werner (r.) und die Konfirmanden wollen herausfinden, welche Schicksale sich hinter den Namen verstecken, auf die sie in der Gedenkstätte Ahrensbök gestoßen sind. Quelle: Foto: Mertz
Stockelsdorf

Seit mehr als 70 Jahren gehören Drittes Reich, Zweiter Weltkrieg und Konzentrationslager der Vergangenheit an. Viele schreckliche Aspekte dieser Zeit sind aufgearbeitet, doch noch lange nicht alle.

Damit sich das ändert, haben Stockelsdorfer Konfirmanden zusammen mit Pastorin Almuth Jürgensen ein neues Projekt gestartet. „20 Rosen“ heißt es, und es ist den 18 Stockelsdorfern und zwei Arfradern gewidmet, die in den Jahren 1933 und 1934 in den Konzentrationslagern Holstendorf und Ahrensbök inhaftiert waren.

Die Gruppe hat zusammen mit Bürgervorsteher Harald Werner und Ingaburgh Klatt vom Trägerverein der Gedenkstätte Ahrensbök eben diese besucht. Die Jugendlichen haben Lagerakten gesichtet und sind dabei auf eben diese 20 Männer gestoßen, die dort inhaftiert waren. Heinrich Bauert, eingeliefert am 28. Dezember 1933, weil er SPD-Mitglied war, ebenso wie Wilhelm Koch und Willi Stühmer. Fritz Tretau, Friedrich Graf, Fritz Prüter, Paul Balchur, Wilhelm Lau, August Schuster, Kurt Dews, Wilhelm Kaufmann, Walter Meßfeldt, Paul Liermann, Richard Beth, August Prieß und Paul Krull standen der KPD nahe. Bei Max Oldekop und Emil Meyer ist kein Inhaftierungsgrund bekannt. August Illner wurde „Politische Tätigkeit“ vorgeworfen, Ludwig Grabbert Hochverrat.

All diese Männer wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und waren im Zeitraum von Herbst 1933 bis Mai 1934 für mehrere Wochen Gefangene in den Konzentrationslagern. „Freigelassen wurden sie unter der Prämisse, nicht über das Erlebte zu sprechen“, erklärt Monika Metzner-Zinsmeister vom Trägerverein. Dieses Schweigen halte in vielen Familien bis heute an, „die Nachkommen leider bis heute darunter“, sagt die Expertin.

Dennoch hoffen Pastorin Almuth Jürgensen und ihre Konfirmanden, dass sich Menschen finden, die mehr über die Häftlinge und ihre Leben erzählen können. Sie wollen auch diese Opfer des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten lassen. Kurz bevor sie Ende April konfirmiert werden, möchten die Jugendlichen an verschiedenen Orten in der Gemeinde 20 weiße Rosen pflanzen, eine Sorte, die den Namen „Friedenslicht“ trägt.

„Es ist ganz großartig, was ihr tut“, bedankt sich Monika Metzner-Zinsmeister schon jetzt bei den Stockelsdorfer Konfirmanden, „daran wird man sich noch lange erinnern.“ Pastorin Jürgensen plant zudem, eine Projektgruppe einzurichten, um mit interessierten Jugendlichen auch nach der Konfirmation weiter daran zu arbeiten, die Erinnerung lebendig zu halten.

Wer etwas über einen oder mehrere der 20 Männer weiß, kann sich bei Pastorin Almuth Jürgensen (Telefon 0451/20954590) oder Bürgervorsteher Harald Werner melden.

Gedenkstätte KZ Ahrensbök

Die Gedenkstätte Ahrensbök, wurde 2001 im Gebäude des ehemaligen KZ Ahrensbök, Flachsröste 16, eröffnet und möchte vor allem Jugendliche mit lokalen Beispielen über die NZ-Zeit informieren.

Von Oktober 1933 bis Mai 1934 wurden vorrangig politische NS-Gegner in der alten Fabrik untergebracht.

Die insgesamt etwa 300 Häftlinge wurden als Zwangsarbeiter, beispielsweise im Straßenbau eingesetzt.

Im Anschluss beherbergte das Gebäude eine Realschule, an anderer Stelle im Ort wurde eine Lehrerinnenbildungsanstalt betrieben.

Die Gedenkstätte thematisiert neben der Zwangsarbeit im Konzentrationslager und dem nationalsozialistischen Bildungssystem auch den Todesmarsch von Auschwitz-Fürstengrube, der 1945 in Ahrensbök Station machte.

Ilka Mertz

26.03.2018
26.03.2018