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Bad Schwartau Lärmschutz: Bad Schwartau setzt alles auf den Trog
Lokales Bad Schwartau Lärmschutz: Bad Schwartau setzt alles auf den Trog
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18:48 19.02.2019
Es gibt weiterhin Streit um die Bahnanbindung der geplanten festen Fehmarnbelt-Querung. Bad Schwartau verlangt von der Deutschen Bahn, die Gleise im Bereich der Stadt in einem sieben Meter tiefen Trog zu verlegen. Quelle: Scholz/dpa
Bad Schwartau

Die Stadt will den maximal möglichen Lärm- und Erschütterungsschutz entlang der geplanten Belt-Trasse: Die Verwaltung fordert einen sieben Meter tiefen Trog auf 2,3 Kilometer Länge. 90 Millionen Euro soll der laut Bürgermeister Uwe Brinkmann kosten – bei einer Vollsperrung der Strecke zwischen Lübeck und Kiel von 17 Monaten. Die Bahn hält dagegen: 178 Millionen Euro koste der Trog bei einer Vollsperrung – die weit länger als 17 Monate dauern würde und vom Land nicht unterstützt wird. Ohne Betriebsunterbrechung beliefen sich die Kosten hingegen auf immense 270 Millionen Euro.

„Wir wundern uns sehr, dass Bad Schwartau noch immer von den 90 Millionen spricht“, sagt Bahn-Sprecher Peter Mantik. Es sei längst kommuniziert worden, dass diese Summe diverse Kosten ausklammere – unter anderem für Bahnsteige, Zugänge, Überführungen, Lärmschutzwände, Gleise und Signaltechnik. „Wir können die Kosten nicht einfach runterrechnen“, sagt Mantik. Einen Sieben-Meter-Trog für 90 Millionen könne es nicht geben.

Bahn: Trog erfordert Abriss von Bahnhof und Privathäusern

Die Bahn bevorzugt für Bad Schwartau eine Lösung mit zwei bis sechs Meter hohen Lärmschutzwänden sowie in der Kaltenhöfer Straße eine Straßenüberführung in Form eines Brückenbauwerkes für 22,4 Millionen Euro. Eine Troglosung – egal ob zweieinhalb oder sieben Meter tief – werde voraussichtlich den Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofes sowie mehrerer Privathäuser entlang der Trasse erfordern.

Bauamts-Ingenieur Bernhard Schmidt sagt dazu: „Das ist eine Annahme der Bahn und gilt nur für den Bau unter laufendem Betrieb.“ Dem widerspricht die Bahn. Die Abrissarbeiten seien voraussichtlich in beiden Fällen notwendig. Hinzu kämen Waldrodungsarbeiten und massiver Lkw-Verkehr im Stadtgebiet während der Bauphase. Im Bereich der Erdarbeiten würden zum Beispiel allein 200 000 Kubikmeter abzufahrender Aushub anfallen. Mantik: „Das entspricht ungefähr 17 000 Lkw-Abfahrten, das bedeutet elf Fahrten pro Stunde an fünf Tagen pro Woche über sechs Monate.“

Andere Baustelle, gleiches Vorgehen: Laut Bahn muss Bad Schwartau bei der Troglösung mit erheblichen Eingriffen in Stadt und Umwelt rechnen. Quelle: DB Netz

Sieben-Meter-Trog reicht ans Grundwasser

Ebenfalls problematisch: Ein sieben Meter tiefer Trog reiche bis ins Grundwasser. „Das ist genehmigungsbedürftig“, sagt der Bahn-Sprecher. Zu erwarten sei eine Grundwasser-Hebung, andererseits eine Absenkung mit Auswirkungen auf Bäume und Sträucher und gegebenenfalls „rückwärts fließendes Travewasser“. Auch das habe Bad Schwartau nicht bedacht.

Dennoch kämpft die Verwaltung für ihre Maximalforderung. Das Geld dafür soll aus dem Maßnahmenpaket für übergesetzliche Schutzmaßnahmen kommen, über das der Deutsche Bundestag voraussichtlich im Sommer entscheiden will. Bereits bis Ostern will das Bundesverkehrsministerium die Beschlussvorlage dazu fertig haben. Die Zeit drängt also. Die Stadt hat bereits eine Klage gegen das Planfeststellungsverfahren des Belt-Tunnels vorbereitet, will die Erhebung der Klage laut Bürgermeister Uwe Brinkmann aber vermeiden. „Wir wollen eine Lösung“, sagt der Bürgermeister. Man hoffe, dass die Bahn sich bewege.

Diese Haltung wiederum möchte die Bahn nicht akzeptieren. „Der Ball liegt im Feld von Bad Schwartau“, sagt Mantik. „Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit, um die Sachlage zu erklären. Auch in der Stadtvertretung.“

Luisa Jacobsen

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