Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Tödliche Messer-Attacke eine Affekttat?
Lokales Bad Schwartau Tödliche Messer-Attacke eine Affekttat?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:10 20.08.2018
Lübeck/Bad Schwartau

Eine ganz klare Antwort konnte auch der psychiatrische Gutachter Dr. Wolfram Schreiber nicht geben. „Eine tiefgreifende Bewusstseinsstörung kann ich allerdings bei dem Angeklagten ausschließen“, erklärte Schreiber gestern im Landgericht-Verhandlungssaal in der Außenstelle Blankensee. In seinen Ausführungen stellte der Gutachter zudem klar. „Z. ist in seinem Lebensentwurf und seinen Ansprüchen gescheitert. Er hat nicht die Anerkennung bekommen, die er sich gewünscht hat – weder im Beruf noch in der Familie“, berichtete Schreiber. Schreiber referierte mehr als eineinhalb Stunden über Z., der über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfüge, besonders gut rational denken könne, aber auch auf der emotionalen Ebene Defizite habe.

Plädoyers

Der Prozess wird am Mittwoch, 29. August, um 9 Uhr vor der I. Großen Strafkammer mit dem Vorsitzenden Richter Christian Singelmann fortgesetzt. An diesem 7. Verhandlungstag sind die Plädoyers vorgesehen. Verhandelt wird wieder in der Landgericht-Außenstelle im Ausbildungspark Blankensee. Urteilsverkündung ist voraussichtlich am 7. September.

Zehn Messerstiche in den Rücken

Ursache für den tödlichen Streit zwischen Rüdiger und Marita Z. war vermutlich ein Streit um das Sorgerecht für den mittlerweile siebenjährigen Sohn. Die Trennung der Eheleute stand kurz bevor. Der Versuch, als Eltern-WG mit ihrem Sohn unter einem Dach zu wohnen, war offensichtlich gescheitert. Nicht nur das. Das Verhältnis war vollkommen zerrüttet. Finanziell sollen beide Seiten versucht haben, ihre Pfründe zu retten. Am Tattag im Dezember 2017 soll die Ärztin Marita ihrem Mann gedroht haben, das Jugendamt einzuschalten, um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Daraufhin hat der 50-Jährige seine Ehefrau zunächst mit einem Kaffeebecher niedergeschlagen. Anschließend hat Z. seiner am Boden liegenden Frau zehnmal mit einem Messer in den Rücken gestochen – vor den Augen des gemeinsamen Sohnes. Als ein Messer abbrach, nahm er ein zweites. Rechtsmedizinerin Prof. Johanna Preuß-Wössner: „Schon die erste Messerattacke hätte ausgereicht, um den Tod herbeizuführen.“ Die Gutachterin erklärte gestern zudem, dass Marita binnen weniger Minuten verblutet sei.

Keine psychische

Erkrankung

Aus Sicht Schreibers komme zwar keine psychische Erkrankung Z.s als Strafminderung in Betracht, aber bei dem tödlichen Messerangriff auf seine Ehefrau Marita (44) im Dezember vorigen Jahres könne es sich durchaus um eine Affekttat gehandelt haben. Das könne wiederum als vermindert schuldfähig gewertet werden. „Das ist aber eine juristische Bewertung, die mir als Gutachter nicht zusteht“, erklärte Schreiber, der die Kriterien, die für und gegen eine Affekttat sprechen, ausführlich erläuterte.

Wichtigster Punkt, der aus Sicht Schreibers für eine solche Affekttat spricht: Z. habe auf seine Frau eingestochen, obwohl sein damals noch sechsjähriger Sohn im Haus gewesen sei. „Das ist bemerkenswert“, erklärte Schreiber, denn zu seinem Sohn habe er eine besonders emotionale Bindung gehabt. Für eine Affekttat spreche auch, dass einem in diesem Zustand emotional nur ein eingeschränkter Handlungskanon zur Verfügung stehe. Somit sei auch die Aussage Z.s nachvollziehbar, keine Erklärung dafür zu haben, warum er so voll blinder Wut und Zorn zu dieser Tat fähig gewesen war. „Ich habe mein ganzes Leben und das von meiner Frau und meinem Sohn zerstört“, erklärte Z. abermals. Gutachter Schreiber stellte allerdings auch klar, dass der 50-Jährige in keinem der geführten Gespräche, das Ende der Beziehung zu seiner Frau bedauert habe. „Sie war ihm als Lebenspartnerin weniger wichtig.“

Mithäftling im

Zeugenstand

Schwer belastet wurde Z. zuvor durch einen Mithäftling, der als Zeuge geladen war. Der 41-Jährige berichtete, dass Z. ihm von seiner Tat erzählt habe. Seine Frau habe mit ihm Psycho-Terror betrieben.

Demnach habe der studierte Anlagen- und Betriebstechniker berichtet, dass er bereits ein paar Tage vor der Tat schon ein Messer auf der Kommode in dem gemeinsamen Reihenhaus am Cleverhofer Weg bereitgelegt und nur auf eine Gelegenheit gewartet habe. Zudem habe Z. die U-Haft im Vergleich zu seinem vorherigen Leben als Urlaub bezeichnet. Z. habe in der JVA mit der Tat sogar geprahlt.

Der Aussage des früheren Mithäftlings wurde allerdings nicht zu viel beigemessen. Möglicher Grund: Der 41-Jährige hat auch schon in drei weiteren Verfahren über Mithäftlinge ausgesagt und auch die Staatsanwaltschaft angeschrieben. Z. erklärte: „Die Aussagen sind alle vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen.“

Sebastian Prey

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Für Kinder wird im November in Stockelsdorf ein dreitägiges Sicherheitstraining von der Firma Conva angeboten. Durchgeführt wird das Training von einem Kommunikationstrainer, einer Diplom-Psychologin und einem ehemaligen Kriminalhauptkommissar.

20.08.2018

Die evangelische Kirchengemeinde Curau lädt in diesem Jahr wieder ein zum Glaubenskurs „Spur 8“.

20.08.2018

So richtig glauben mag Olaf Graf nicht, was an diesem Flohmarkt-Sonntag in der Bad Schwartauer Wilhelmstraße passiert. „Es ist wirklich verrückt. Die Leute kaufen antizyklisch. Weihnachtsdeko läuft heute am besten“, berichtet Graf.

21.08.2018