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Bad Schwartau Trauer um Gert Kayser
Lokales Bad Schwartau Trauer um Gert Kayser
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18:28 26.01.2019
Stadtjäger Gert Kayser ist im Alter von 80 Jahren verstorben.
Stadtjäger Gert Kayser ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Quelle: LN
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Bad Schwartau

Die Betroffenheit in Bad Schwartau und Umgebung sowie in der Redaktion der Lübecker Nachrichten ist groß. Als freier Mitarbeiter hat Gert Kayser mehr als 30 Jahre lang die Zeitung mit Texten und Fotos beliefert. Bis zuletzt reichte er seine auf seiner Schreibmaschine erfassten Texte stets pünktlich ein. Auf Gert Kayser konnte man sich verlassen. Wenn Not am Mann war – Gert Kayser war zur Stelle. Das galt nicht nur bei den LN.

Engagiert für alle Generationen

Von seinem Pflichtbewusstsein und der Lust am Machen profitierten praktisch alle Generationen in der Stadt. Er unterstützte über Jahrzehnte die Stadtjugendpflege bei Ferienpassaktionen, bot Natursprechstunden an, organisierte gemeinsam mit Schülern Tiernachmittage in Altenheimen, übte das Amt des Stadtjägers fast 40 Jahre aus, führte bis zu 70 Gruppen im Jahr durch den Naturerlebnisraum Schwartautal mit dem Grünen Klassenzimmer und den Bohlenweg, der seit Oktober vergangenen Jahres „Gert-Kayser-Weg“ heißt. Er gründete den Seniorenbeirat und später den Umweltbeirat in der Stadt Bad Schwartau. In beiden Gremien übernahm er für viele Jahre die Führung. Die Kinder- und Jugendgruppe „Umweltfüchse“ wurde ebenfalls auf seine Initiative aus der Taufe gehoben. Viele Jahre trug er auch als Hegeringleiter und Vorsitzender der Rehabilitations- und Behinderten-Sportgemeinschaft (RBSG) Verantwortung. „Wenn Bad Schwartauer Schüler eine Arbeit über „Ehrenamt und Umweltarbeit“ schreiben sollten, dann sollten sie nicht googeln, sondern das langjährige engagierte Handeln von Gert Kayser beschreiben. Sein Handeln ist das breite fachliche Feld von Umweltberatung, Umweltbildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Projektarbeit, Umweltmaßnahmen sowie als Impulsgeber für unsere Stadt. Der Umweltbeirat steht mit Dank und großer Anerkennung vor den Leistungen von Gert Kayser“, sagt dessen Vorsitzender Rudolf Meisterjahn.

Würdigung beim Neujahrsempfang

Gert Kayser ging es aber nicht darum, selbst in einem guten Licht zu stehen. Bestes Beispiel: den Umweltpreis der Stadt Bad Schwartau hat Gert Kayser jahrelang abgelehnt, damit andere mit dieser Auszeichnung bedacht werden können. Im Rahmen des Neujahrsempfangs vor zwei Wochen wurde Gert Kayser nun mit dem Umweltpreis der Stadt Bad Schwartau bedacht. Bürgervorsteherin Wiebke Zweig bezeichnete Kayser als das „grüne Gewissen“ der Stadt. Besonders bitter: Gert Kayser, der sich auf diesen Tag so gefreut, eine Rede vorbereitet hatte und sich für den Auftritt frisch frisieren hat lassen, stürzte am Abend zuvor und musste ins Krankenhaus. Tochter Mirjana Kayser nahm für ihren Vater den Preis entgegen. Schwiegersohn Patrick Krick zeichnete die Übergabe und die Laudatio von Bürgervorsteherin Wiebke Zweig für Gert Kayser mit der Kamera auf. „Das Video von der Übergabe hat ihm gut gefallen und gut getan“, sagt Mirjana Kayser.

Sohn eines Försters

Gert Kayser wurde 1938 als Sohn eines Försters im Hunsrück geboren. Die Liebe zur Natur lag ihm also schon in den Genen. Nach der Schule begann Kayser eine Ausbildung beim Bundesgrenzschutz. Später versah er seinen Dienst am Skandinavienkai in Travemünde und in Schlutup an der innerdeutschen Grenze. 1977 heiratete Gert Kayser seine große Liebe Margrit, die ihm 1991 auch das Leben nach einem Herzinfarkt rettete. Es war zugleich ein Wendepunkt im Leben von Gert Kayser. Er bekam einen Herzschrittmacher und wurde frühpensioniert. Statt sich gemütlich zurückzulegen, startete Gert Kayser neu durch – als Ehrenamtler zum Wohle der Allgemeinheit.

Viele Auszeichnungen

Ob seines großen Engagements erhielt Gert Kayser, der sich auch von dem Tod seiner Frau 2011 nicht unterkriegen ließ, zahlreiche Auszeichnung – unter anderem den Ehrenteller der Stadt Bad Schwartau und den Umweltpreis des Kreises Ostholstein. 2009 wurde ihm sogar das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens in Kiel vom damaligen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen verliehen.

Die Nachricht von seinem Tod kam nicht ganz überraschend. Die letzten Monate hatten Gert Kayser gesundheitlich schon sehr zugesetzt. Doch er hat nicht aufgegeben. Immer wieder hat er sich voller Optimismus zurückgemeldet. Aufenthalte im Krankenhaus oder ärztliche verordnete Ruhe in seiner Wohnung in Cleverbrück blendete er schnell aus. Sein Blick richtete er stets nach vorne: „Meinen 80. Geburtstag feiere ich nach, wenn ich gesundheitlich wieder fit bin.“ Kürzlich erst ließ er sogar noch seine Wohnung in Cleverbrück renovieren. Gert Kayser war bis zuletzt voller Lebensmut. Am Montagabend ist er für immer eingeschlafen.

Die Trauerfeier für Gert Kayser findet am Sonnabend, 2. Februar, um 11 Uhr in der St. Martinskirche in Cleverbrück (Schmiedekoppel 114) statt.

Von Sebastian Prey