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Bad Schwartau Unterricht für die, die nicht genug bekommen
Lokales Bad Schwartau Unterricht für die, die nicht genug bekommen
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18:10 18.03.2015
Süßigkeiten selbst gemacht: Laurenz (9) und Ben (9) erforschen im Enrichment-Kursus das Geheimnis von Brausepulver. Quelle: Fotos: D. Dankert
Bad Schwartau

Wenn man Sand, Salz und Wasser mischt — wie kann man alles wieder fein säuberlich voneinander trennen? „Ist eigentlich gar nicht so schwer“, sagt Lennard und fängt dann an zu erklären, wie es geht, als ob es das Normalste der Welt sei, dass er sich mit solchen Fragen beschäftigt. Dabei ist Lennard erst neun Jahre alt — so wie die meisten anderen auch, mit denen er sich jetzt an zwei Wochenenden hintereinander im Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau getroffen hat. Zum Chemieunterricht bei Wolfgang Czieslik.

Insgesamt elf Grundschüler aus Bad Schwartau, Stockelsdorf und Lübeck sind bei diesem Spezialunterricht im Rahmen eines Enrichment-Kurses dabei.

In der zweiten Lektion gehen die Kinder der Frage auf den Grund, warum Brausepulver mit Wasser braust. Oder wie man selber Brausepulver und Süßigkeiten wie Bonbons herstellen kann. Die chemischen Zutaten findet man dazu in fast jeder Küche: Zucker, Natron, Zitronensäure, Wasser.

„Eigentlich ist das ungefährlich, was wir hier machen“, sagt der promovierte Lehrer vor dem Hintergrund, dass die Kinder das Erlernte auch mal zu Hause ausprobieren. Das einzig Gefährliche sei der Bunsenbrenner, „aber so einen Bunsenbrenner hat man in der Regel zu Hause nicht“, erklärt Czieslik. Bei ihm haben die Schüler, für die Chemie allesamt Neuland ist, zuerst den korrekten Umgang mit dieser heißen Flamme erlernt und einen „Bunsenbrennerführerschein“ erworben, „aber nur zur Benutzung hier im Chemielabor.“

Diesen Spezialführerschein hat auch Tyler erworben. Bemerkenswert in das insofern, dass der Neunjährige aus der Klasse 3c der Grundschule Bad Schwartau blind ist. „Das war für mich überhaupt kein Problem“, erklärt Tyler selbstbewusst, der seinem Chemielehrer ganz genau zuhört und weiß, dass so ein Bunsenbrenner „im Feuerkegel bis 3500 Grad heiß werden kann.“ Tyler kann zwar nicht sehen, aber dafür umso besser hören, fühlen und riechen. „Wie heiß zum Beispiel das Wasser ist“, so Tyler, „das kann ich hören, denn das Geräusch verändert sich.“

Für Wolfgang Czieslik gibt es zwei Voraussetzungen, die die Schüler für den Enrichment-Kurs Chemie mitbringen müssen: „Neugier und Disziplin beim Arbeiten, denn hier wird kein Vortrag gehalten, sondern es werden Experimente gemacht, und dafür braucht man in der Chemie nun mal Disziplin.“

Diese haben die Gastschüler am GaM auch bewiesen. Und auch eine überdurchschnittliche Wissbegier. Jonathan, acht Jahre alt, der auf die Kästner-Grundschule in Stockelsdorf geht, hat verraten, dass er sich ab und an mal den Chemiebaukasten seines Vaters schnappt. „Der ist zwar erst für Leute ab 18, aber es ist bei mir damit noch nichts schiefgegangen.“

„Es macht einfach unheimlich viel Spaß hier und man lernt was Neues“, erklärt der neunjährige Frido aus Stockelsdorf, warum er in seiner Freizeit freiwillig die Schulbank drückt.

Spaß macht diese Art von Unterricht auch Wolfgang Czieslik, der nun schon zum dritten Mal Grundschüler in die Geheimnisse der Chemie eingeweiht hat. Und Belehrungen für Zuhause im Hinblick auf eventuell ausufernde Experimentierfreude, sagt Czieslik trocken, müsse er den Schülern eigentlich nicht mit auf den Weg geben. „Nur das Experiment mit der Brausepulver-Rakete, die bis fünf Meter hochfliegen kann, das sollten die Kinder möglichst im Freien machen, denn sonst kann es passieren, dass sie zu Hause zur Strafe die Küche saubermachen müssen.“

Zusätzliches Angebot
Enrichment ist ein englischer Begriff und bedeutet soviel wie Anreicherung oder Bereicherung. Als „Enrichment“ wird ein pädagogisches Modell zur Förderung von begabten, interessierten und engagierten Schülern bezeichnet. Sehr häufig wird das Modell angewandt bei der Förderung hochbegabter Schüler. Dabei geht es nicht darum, die Verweildauer hochbegabter Schüler in der Schule zu verkürzen. Vielmehr geht es bei dieser Methode darum, den Kindern und Jugendlichen zusätzliche Angebote zum normalen Unterricht zu machen.

Doreen Dankert

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