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Bad Schwartau Pensionierte Pauker machen „Männer-Wellness“ in Wacken
Lokales Bad Schwartau Pensionierte Pauker machen „Männer-Wellness“ in Wacken
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00:00 03.08.2019
Michael Hitzfeld  (v.re.) und Hinrich Becker sind zum 6. Mal beim Festival in Wacken dabei.  Quelle: hfr
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Wacken/Bad Schwartau/Stockelsdorf

Wacken ist viel mehr als ein Ort. Wacken ist der Inbegriff für die volle Dröhnung harter Musik. Hinrich Becker aus Bad Schwartau bezeichnet das weltgrößte Heavy Metal-Festival als „Männer-Wellness“. Mit seinem Freund Michael Hitzfeld aus Stockelsdorf ist Becker bereits zum sechsten Mal dabei. Die Zwischenmeldung von den beiden 70 und 69 Jahre alten pensionierten Lehrern direkt aus dem Wacken-Camp lautet: „Wir genießen das.“

Bis Sonntag früh dauert das Festival. Noch am selben Tag beginnt der Ticketverkauf für Wacken 2020, sagt Becker, der inzwischen ganz genau weiß, wie der Hase in dem 1800-Seelen-Dorf mitten in Schleswig-Holstein läuft. „Wir werden ganz sicher wieder zu den ersten 10 000 gehören, die ein Ticket ergattern“, so Becker. Denn bei 75 000 Tickets ist Schluss. Auch in diesem Jahr ist Wacken ausverkauft.

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Neun Männer gehören zur Wacken-Combo

Neun Karten hatte Hinrich Becker vor genau einem Jahr ergattert. „Wir sind hier immer eine Gruppe“, erklärt Becker. Dazu gehören in diesem Jahr neben Michael Hitzfeld zwei Becker-Söhne, ein Hitzfeld-Sohn, ein Hitzfeld-Schwiegersohn, ein Freund sowie ein Kollege vom Becker-Sohn mit seinem Sohn. Dieser ist mit 16 Jahren der Jüngste in der Becker-Hitzfeld-Wacken-Combo. „Das ist was ganz Besonderes für ihn“, sagt Becker, „denn der ist zum ersten Mal in Wacken und darf jetzt hier ’offiziell’ zum ersten Mal Bier trinken.“

Basis-Lager mit eigenem Strom für die Bier-Zapf-Anlage

Zwar hat das Festival mit Musik rund um die Uhr erst so richtig am Donnerstagnachmittag begonnen, doch wie jedes Jahr, haben Becker und Hitzfeld als Vorhut der Combo bereits zwei Tage vorher am Dienstag ihr Quartier in Wacken aufgeschlagen. Während sich die anderen auf das Minimalistische im Zelt beschränken mit Taschenlampe, haben die pensionierten Pauker einen Wohnwagen mit Zeltvordach inklusive Stromversorgung. „Das ist wichtig, denn wir haben eine eigene Zapfanlage dabei, deswegen brauchen wir Strom.“ Das Quartier der beiden Wacken-Stammgäste gilt als Basis-Lager. „Die anderen kommen dann immer her zum Frühstück und bringen morgens frische Brötchen mit“, sagt Becker, „wir machen uns das schon schön hier.“

Musik rund um die Uhr

Vor und nach Wacken ist die achtköpfige Combo im wahren Leben unterwegs als Pensionär, Tischlermeister, Gastronom, Lehrer, Geschäftsführer, Schüler und auch zwei Richter sind dabei. Dass die Frauenquote bei null Prozent liegt, „das liegt einfach daran, dass unsere Frauen zur Zeit gerade anders Wellness machen“, erklärt Becker, „die sind jetzt am Strand oder so.“ Wacken müsse man eben mögen. Dazu gehört auch die Rund-um-die-Uhr-Beschallung auf dem Campingplatz. „Denn wer hier einen Stromanschluss hat, der hat auch immer hochkalibrige Musik dabei“, berichtet Becker, „und die wird dann richtig aufgedreht.“ Das gehört einfach zu Wacken dazu. Deswegen wird zum Frühstück im Basis-Lager nicht nur Kaffee und Bier serviert, sondern gleich noch ein bisschen harte Musik dazu.

Wie gut schläft man eigentlich so während des Festivals in Wacken? Michael Hitzfeld lacht: „Besser als zu Hause“, sagt er, „Musik beruhigt.“ Offenbar gilt das auch für Heavy Metal – jedenfalls bei Michael Hitzfeld.

Zwangspause bei Unwetter

Alles sei top organisiert in Wacken, sagt Becker. Wichtige Infos – zum Beispiel zu drohenden Unwetterlagen – würde der Veranstalter unverzüglich per Lautsprecher an die Gäste weitergeben. Gleich am Mittwoch musste das Festivalgelände für eine Stunde geräumt werden. „Aber das war vorsorglich und ging alles geordnet, das war alles kein Drama“, schildert Becker. Die Zwangspause – nach einstündiger Verzögerung ist das Festival wie geplant weitergegangen – haben Becker und Hitzfeld locker genommen. „Wir haben einfach den Grill angeschmissen“, sagt Becker. Das war auch am Freitagnachmittag so, als das nächste Gewitter heranrollte.

Letztes Konzert am Sonntag

Das letzte Konzert geht am Sonntagmorgen um 3 Uhr zu Ende. „Auf jeden Fall halten wir solange durch“, sagt Becker. Die einzige Sorge der Hitzfeld-Becker-Combo ist, ob das Bier bis dahin reicht. „Wir haben uns in diesem Jahr leider ein bisschen verkalkuliert.“ Von den acht Sechs-Liter-Fässern waren bereits Donnerstag zum Frühstück vier leer.

Doreen Dankert