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Bad Schwartau Wandergruppe auf Mut-Tour zeigt Wege aus der Depression
Lokales Bad Schwartau Wandergruppe auf Mut-Tour zeigt Wege aus der Depression
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18:18 12.07.2019
Die Mut-Tour 2019 machte in Curau Station. Dieser Gruppe gehören Mona Winter aus Frankfurt a.M. , Andrea Roosch aus Bremen, Luisa Schieferstein aus Berlin und Gunta Zvidrina aus Gadebusch bei Schwerin an.  Quelle: Doreen Dankert
Curau

„Depression ist in der Gesellschaft immer noch mit einem Stigma behaftet“, sagt Mona Winter, „und das ist das Problem.“ Wer mit Depression in Verbindung gebracht wird, der werde sehr schnell abgestempelt als vermindert leistungsfähig, wenig belastbar, dauerhaft schlecht gelaunt und als Jammerlappen, weiß die 57-jährige Biologin aus Frankfurt am Main. Mit drei anderen Frauen aus Bremen, Berlin und Gadebusch, zwei Pferden und einem Hund ist Mona Winter eine Woche lang von Gadebusch nach Eutin im Rahmen der bundesweiten Mut-Tour unterwegs.

Am Freitag machten sie Station in Curau. Die Wandergruppe ist eine von vielen Gruppen, die noch bis zum 1. September auf verschiedenen Etappen durch ganz Deutschland touren – mit dem Tandem, dem Kajak oder Pferden – , um das Thema Depression aus der Tabu-Ecke herauszuholen – und Wege aufzuzeigen, wie man damit umgehen kann. Wie? „Durch die Art, wie wir uns fortbewegen, fallen wir auf und kommen so mit den Leuten ins Gespräch“, sagt Andrea Roosch aus Bremen.

Unterwegs außerhalb der Komfortzone

Drei der vier Damen dieser Gruppe haben oder hatten selbst Erfahrung mit Depressionen. „Ich selbst habe keine Erfahrung damit“, sagt Gunta Zvidrina aus Gadebusch, „aber Freunde von mir und deshalb unterstütze ich diese Aktion.“ Ihr gehören auch die beide Pferde, mit denen die Gruppe unterwegs ist. Dabei tragen die Pferde einen Teil des Gepäcks – unter anderem die Zelte. Ansonsten ist zu Fuß gehen angesagt – für alle.

Und genau beim Punkt Fortbewegung bricht das Vorurteil mit dem Jammerlappen ein. „Mit dieser Tour bewegen wir uns ganz weit aus unserer Komfortzone“, erklärt Mona Winter unaufgeregt, „denn den ganzen Tag zu wandern bis einem die Füße weh tun und im Zelt zu schlafen ohne Dusche, das bedeutet Verzicht auf viel Komfort. Ein Jammerlappen würde sowas niemals freiwillig machen.“

Welche Auswege gibt aus es der Depression? Betroffene berichteten über ihre Erfahrung bei der Mut-Tour-Station am 10. Juli 2019 in Curau.

Dass die Gastgeber auf dem Spatzenhof in Curau,Heike Govers und Gerold Sagemüller, spontan eine Ferienwohnung bei Ankunft am Donnerstagabend auf dem Anwesen organisiert hatten und gleich eine Einladung zum Frühstück für den nächsten Morgen aussprachen, war eine glückliche Fügung für die Wandergruppe. Eine glückliche Fügung aber auch für jene, die aus der Nachbarschaft eingeladen wurden, um so ins Gespräch zu kommen.

Ursachen: Sozialisation und Miteinander

„Es gibt kein Gen für Depression“, sagt Mona Winter, bei der diese Krankheit bereits mit 13 Jahren diagnostiziert wurde. Sie weiß, wie es sich anfühlt, nur noch zu atmen, aber nicht wirklich zu leben. Sich nicht mehr zu erfreuen an schönen Blumen, der Sonne, an Erfolgen im Job. Stattdessen in einen Gedankenstrudel voller Selbstzweifel zu geraten und sich für alles schuldig zu fühlen. Mit Hilfe von Experten hat Mona Winter ihr Innenleben beleuchtet – und verstanden, dass in ihrem Fall die Sozialisation innerhalb „sehr schwieriger Familienverhältnisse“ den Nährboden für ihre Depression geschaffen hat. „Es gab Zeiten in meinem Leben“, sagt sie mit Blick auf das Thema Verantwortungsübernahme, „da habe ich mir wirklich jeden Schuh angezogen, den man mir hingestellt hat, auch wenn es überhaupt nicht meiner war.“

„Wenn es in Unternehmen zum Beispiel kein wertschätzendes Miteinander gibt, dann kann das auf Dauer auch krank machen“, sagt Andrea Roosch, „denn Burnout ist eine Form von Depression.“ Das Tempo im 21. Jahrhundert, „der steigende Druck in Gesellschaft und Arbeitswelt beschleunigen das Gefühl des Ausgebranntseins“, betont Andrea Roosch, die im öffentlichen Dienst arbeitet.

Änderung beginnt bei jedem selbst

Was kann jemand tun, der sich leer fühlt? „Zunächst einmal selbst für sich akzeptieren, dass etwas anders ist“, erklärt Mona Winter. Inzwischen könne man relativ kurzfristig innerhalb von zwei Wochen ein Erstgespräch beim Psychiater bekommen, um die Diagnose abklären zu lassen. „Grundsätzlich muss man bei sich selbst was ändern“, schildert Mona Winter, „eigene Grenzen wahrnehmen, diese setzen, achtsamer sein und auch lernen, Dinge weniger persönlich zu nehmen.“ Sie selbst habe im Laufe der Jahre viel verstanden und dazugelernt, „und inzwischen geht es mir sehr gut“. Von diesen und ähnlichen Erfahrungen erzählen die Teilnehmer der Mut-Tour, die am Sonnabend gegen Abend in Eutin auf dem Reiterhof in der Braaker Straße 18 endet.

Infos und Kontakte

Weitere Infos zur bundesweiten Aktion mit weiteren Terminen und Ansprechpartnern gibt es unter www.mut-tour.de Der nächste Aktionstag der Mut-Tour in der Region findet am 6. August in Wismar statt.

Anlaufstellen gibt es in Lübeck beim Sozialpsychiatrischen Dienst, Sophienstraße 2-8, Tel. 0451/1227315, bei KISS, Kahlhorststraße 35 a, Tel. 0451/69339584 und Die Brücke, Engelsgrube 47

Teresa Enke erklärt in einem Statement auf der Homepage der Mut-Tour: „Sie kann die gesellschaftliche Enttabuisierung des Themas wieder ein Stück voranbringen.“

Doreen Dankert

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