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Bad Schwartau Weihnachten ohne Gotteshaus: Freikirche will alte Kirche abreißen und neue Kirche bauen
Lokales Bad Schwartau Weihnachten ohne Gotteshaus: Freikirche will alte Kirche abreißen und neue Kirche bauen
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16:51 29.05.2019
Pastor Thorsten May (v.l.), Monika Fohlwerk und Armin Will vom Gemeinderat der evangelischen Freikirche Bad Schwartau vor den Plänen des Kirchenneubaus.  Quelle: Doreen Dankert
Bad Schwartau

Jetzt ist es beschlossene Sache: Die Gemeinde der evangelischen Freikirche Bad Schwartau bekommt eine neue Kirche. Alles ist geregelt. Baupläne, Baugenehmigung, Finanzierung – alles ist in trockenen Tüchern. Vor allem aber haben die 75 (von 99) anwesenden Gemeindeglieder bei einer Abstimmung vor wenigen Tagen ihren Segen zum Kirchenneubau gegeben – und zwar mit der maximal möglichen Zustimmungsquote von 100 Prozent der gültigen Stimmen. Zwei Stimmen waren ungültig. Besucht werde diese Kirche aber auch regelmäßig von vielen Nicht-Gemeindegliedern.

Nur die Nebengebäude bleiben stehen

Der Stein kommt also ins Rollen bei den Baptisten – und das darf man sogar wörtlich nehmen. Der Abriss der alten Kirche beginnt nämlich bereits nach den Sommerferien, sagt Gemeindeleiter Armin Will. Nur die Nebengebäude bleiben stehen. Das neue, größere und topmoderne Gotteshaus wird genau dort entstehen, wo noch das alte steht. Und das bedeutet, dass die Baptisten von Bad Schwartau für die Bauzeit von rund einem Jahr eine Kirchengemeinde sein wird ohne Dach über dem Kopf. So viel steht schon mal fest: Weihnachten 2019 wird für die Freikirche in Bad Schwartau so oder so unvergesslich sein, denn dann wird die Gemeinde keine Kirche haben. „Weihnachten werden wir aber auf jeden Fall feiern“, versichert Pastor Thorsten May, „wie genau, das wissen wir jetzt auch noch nicht, aber wir lassen uns was einfallen.“

Erfahrungen im Improvisieren

Immerhin – so sieht es der Zeitplan vor – soll bis dahin schon die Grundplatte für den Neubau liegen. Die Voraussetzungen für ein Zelt mit Heizpilz oder eine Feuerschale wären somit gegeben. Dass die Baptisten Erfahrungen im Improvisieren haben, das haben sie oft genug bewiesen bei den aktuell beengten Platzverhältnissen. „Weihnachten 2020 feiern wir dann in der neuen Kirche, das ist unser Ziel“, versichert Pastor May.

Hochmoderner Flachbau geplant

Um 70 Quadratmeter auf insgesamt rund 500 Quadratmeter Nutzfläche wird die neue Kirche wachsen. Das neue topmoderne Flachdach des Gebäudes in Holz-Bauweise wird optisch überhaupt nicht an den aktuellen Steinbau mit Spitzdach erinnern. Das Eingangsportal wird von der Straßenseite an die West-Seite verlegt. Geben wird es eine Rollstuhlrampe, ein Sehbehindertenleitsystem von der Ortsmitte bis in die Freikirche, einen Wickelraum für Babys, ein Energieeffizienzsystem mit Wärmespeicher, Digitaltechnik und starkem WLan, damit jeder problemlos den Bibeltext auf Wunsch vom Handy ablesen kann.

Neubau kostet rund 1,2 Millionen Euro

Altar, Orgel und Gestühl wandern von der alten Kirche, die im Frühjahr 1952 eingeweiht wurde, in die neue. „Das ist auch eine Geldfrage“, sagt Thorsten May, „denn schließlich muss auch alles bezahlt werden.“ Priorität hat da das neue Gotteshaus. Das kostet 1,2 Millionen Euro und wird komplett von der freikirchlichen Gemeinde gezahlt. Das Grundstück gehört dem Bund. Als Teil der Körperschaft der Freikirchen in Deutschland ist die Baptistengemeinde Bad Schwartau aber Besitzer des Grundstücks. „Und als Ortsgemeinde haben wir viel Freiraum“, erklärt Thorsten May, „denn wir haben keinen Bischof, der da reinregiert.“

Dass der Tag X für die Entscheidung eines Neubaus einmal kommen würde, war absehbar, deswegen hat die Gemeinde seit 2003 für diesen Zweck Stück für Stück was auf die hohe Kante gelegt. 350 000 Euro sind so zusammengekommen. Den Rest finanziert eine auf Kirchenbauten spezialisierte Bank aus Bad Homburg. Die zu zahlenden Raten ergeben sich aus Spenden, „Mitgliedsbeiträge gibt es nämlich bei uns nicht“, sagt der Pastor.

Kein einziger Baum wird gefällt

Gab es vielleicht auch Überlegungen, einfach die größere Kirche der Katholiken, die sich vor ein paar Jahren nach dem Weggang von Pfarrer Michael Imlau (die LN berichteten) anders strukturiert haben, ein paar Meter weiter zu kaufen? „Ja, diese Idee hatten wir“, erklärt Armin Will, wir hatten mit den Katholiken ein Gespräch und wollten kaufen. Aber die Idee ist gestorben, weil sich herausgestellt hat, dass es das nicht ist. Hier, wo wir jetzt sind, ist unser Platz.“

Dieser Platz befindet sich im Übrigen auf einem Grundstück, das als Waldgrundstück verzeichnet ist. Dieser Waldcharakter mit den vielen Bäumen soll erhalten bleiben. „Kein einziger Baum wird gefällt“, verspricht Armin Will, „wir passen auch in der Bauphase auf, dass den Bäumen nichts passiert.“

Bevor der Abrissbagger kommt, gibt es – vermutlich zu Erntedank – aber noch einen letzten Gottesdienst in der alten Kirche – einen Abschiedsgottesdienst. Direkt danach soll für die Baptisten von Bad Schwartau der Aufbruch in eine neue Zeit beginnen.

Doreen Dankert

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