Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Bad Schwartau Würdiges Andenken an Stockelsdorfer Nazi-Opfer
Lokales Bad Schwartau Würdiges Andenken an Stockelsdorfer Nazi-Opfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:18 14.08.2018
Der gebürtige Stockelsdorfer und Lübecker Ex-Senator Ulrich Meyenborg (l.) hat eine Broschüre mit der Biografie über Karl Fick geschrieben. Erhältlich ist diese Broschüre auf Anfrage beim SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Labeit (r.). Übergeben wurde ein Exemplar mit der Biografie auch an Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben. Quelle: Foto: Doreen Dankert
Stockelsdorf

Er ist der einzige Stockelsdorfer, der seine sozialdemokratischen Überzeugungen als Politiker unter dem Nazi-Regime mit dem Leben bezahlen musste: Karl Fick. „Und er muss endlich mal ein würdiges Andenken haben“, fordert Ulrich Meyenborg, der sich intensiv mit der Person Karl Fick beschäftigt hat. Herausgekommen ist eine kleine Broschüre, die das Leben und Wirken Karl Ficks nachzeichnet.

Sozialdemokrat Karl Fick kämpfte für die Demokratie. Er starb bei der Bombardierung der „Cap Arcona“ im Mai 1945.

Meyenborg hat sich als Chronist der SPD in Lübeck und Stockelsdorf bereits einen Namen gemacht. Nicht nur das. Er ist ehemaliges Landtagsmitglied, ehemaliges Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und ehemaliger Senator in Lübeck. Zudem ist Meyenborg ein gebürtiger Stockelsdorfer.

Gemeinsam mit dem Stockelsdorfer SPD-Fraktionschef Ralf Labeit war Meyenborg vor Kurzem zu Gast bei Stockelsdorfs Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD), um die Verwaltungsspitze auf die Person Karl Fick aufmerksam zu machen. Das Ziel: Zuspruch für die Gestaltung eines Andenkens für diesen besonderen Stockelsdorfer Bürger zu erhalten.

„Ich denke“, sagte Bürgermeisterin Julia Samtleben, „ einen Stolperstein für diesen Bürger kann man ganz sicher in Erwägung ziehen.“ Die SPD Stockelsdorf, die das Thema Andenken an Karl Fick intern schon im Vorfeld diskutierte hatte, denkt dabei zudem an eine bronzene Gedenktafel. „Einen Platz sollte diese Tafel dort bekommen, wo das ehemalige Wohnhaus von Karl Fick war“, empfiehlt Ralf Labeit.

Und das wäre nach den Recherchen von Ulrich Meyenborg auf Höhe der Ahrensböker Straße 36. „Eine Straße oder einen Platz nach ihm zu benennen“, erklärt Labeit weiter, „davon sind wir abgekommen, denn das ist aufgrund des Namens vielleicht doch etwas schwierig.“ Doch eine angemessene Ehrung dieses außergewöhnlichen Stockelsdorfers müsse sein aus Sicht der SPD, „und ich bin mir sicher, dass dem auch alle anderen Fraktionen zustimmen werden“, fügt Labeit hinzu.

Geboren wurde Karl Fick am 8. Dezember 1881 in Fackenburg, damals ein Ortsteil von Stockelsdorf. Gestorben ist er am 3. Mai 1945 beim Untergang der „Cap Arcona“ in der Lübecker Bucht. Durch ein britisches Flugzeug wurde das Schiff mit rund 4600 KZ-Häftlingen versenkt, die meisten von ihnen verloren dabei ihr Leben. Bereits als Jugendlicher ist Karl Fick für die sozialdemokratische Idee eingetreten. Im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet, doch der gelernte Zimmermann machte sich dennoch stark als Kreisleiter im Deutschen Landarbeiterverband. Sofort nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Karl Fick wieder aktiv für die SPD – zunächst im Arbeiter- und Soldatenrat, etwas später dann als Mitglied im Stockelsdorfer Gemeinderat sowie im Landesausschuss Eutin, der heute der Kreistag ist. Im Jahre 1922 rückte Karl Fick in den Landtag des damaligen Freistaates Oldenburg (Ostfriesland) ein. Zwölf Jahre war er dort Landtagsmitglied. Er setzte sich für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Arbeitnehmer und benachteiligter Menschen ein. Bereits wenige Wochen nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, wurde Fick am 11. März 1933 von den Nazis verhaftet und in einem provisorischen Konzentrationslager in Eutin untergebracht. Nach einiger Zeit wurde er entlassen.

Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler wurde Karl Fick am 22. August 1944 erneut von den Nazis verhaftet und ins Hamburger KZ Neuengamme gebracht. Nach dem Todesmarsch der Insassen an die Ostsee im März 1945 starb er beim Untergang der „Cap Arcona“.

Karl Fick war ein sehr bedeutender Politiker aus Stockelsdorf mit überregionaler Ausstrahlung. Sein Wirken war vorbildhaft. Es brachte ihn in der Nazidiktatur um Glück und Leben“, sagt Meyenborg.

Entsprechend kündigt Ralf Labeit an, dass die SPD-Fraktion im nächsten Hauptausschuss einen Antrag in Bezug auf ein „würdiges Andenken“ an den Stockelsdorfer Karl Fick stellen werde.

Stolpersteine

Sind ein Kunstprojekt des Künstlers Gunter Demnig gegen das Vergessen. Es sind mit im Boden verlegte Steine in Würfelform (Kantenlänge rund zehn Zentimeter), auf der Oberseite versehen mit einer Gedenktafel aus Messing. Diese Steine sollen an das Schicksal von Opfern des Nazi-Regimes erinnern.

Seit 1992 gibt es in Deutschland diese Stolpersteine, über die man nicht wirklich, sondern nur mit der Wahrnehmung „stolpert“.

Rund 70 000 Steine gibt es aktuell in Deutschland und 23 weiteren Ländern in Europa; sie sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Ein solcher Stein soll auch an Karl Fick (Foto) erinnern.

Doreen Dankert