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Bad Schwartau Zoff mit der Stadt: Bei den Wehren brennt es unterm Dach
Lokales Bad Schwartau Zoff mit der Stadt: Bei den Wehren brennt es unterm Dach
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11:53 19.06.2013
Von Jennifer Binder
Stehen bei Bränden in Bad Schwartau — wie hier am Markt — künftig nur noch zwei der bisher drei Wehren zur Verfügung?
Stehen bei Bränden in Bad Schwartau — wie hier am Markt — künftig nur noch zwei der bisher drei Wehren zur Verfügung? Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
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Bad Schwartau

Austritte, Rücktritte, Übertritte — hinter den Kulissen brodelt es bei der Feuerwehr Bad Schwartau. Diverse Kameraden haben der Wehr bereits den Rücken gekehrt; bisher ist nicht klar, wie — oder sogar ob — es weitergeht. Die Einsatzfähigkeit sei „massiv gefährdet“, heißt es aus den Reihen der Feuerwehrleute.

Der Grund für die allgemeine Unzufriedenheit der Einsatzkräfte ist die Weigerung der Stadt, zusätzliche Führungsposten zu genehmigen. Die Bad Schwartauer Wehr hatte Zugführer gewählt, um Wehr- und Gruppenführer bei Einsätzen und bei der Ausbildung zu entlasten. Bürgermeister Gerd Schuberth erklärte die Wahl im Nachhinein für nichtig, da eine Zugführerebene für Bad Schwartau nicht vorgesehen sei.

Bei der Feuerwehr herrscht Unverständnis über das Verhalten der Verwaltung. Man empfinde das Ganze „weder als politisch korrekt noch als kameradschaftlich“, heißt es in einem internen Schreiben, das den LN vorliegt. Zugführer seien erforderlich, weil „der heutige Arbeitsaufwand (. . .) nicht mit den üblichen ehrenamtlich vorgesehenen Funktionen zu bewältigen“ sei. Nach LN-Informationen ist von einem Einsatz am Markt beispielsweise nicht dokumentiert, wer wie lange als Atemschutzträger im Einsatz war, weil darüber niemand die Übersicht hatte.

Bürgermeister Gerd Schuberth ist anderer Meinung. „Ich verlasse mich auf das Urteil der Gemeindewehrführung“, betont er. Dort sieht man die Notwendigkeit von Zugführern nicht gegeben: Wenn es statt Bad Schwartau und Rensefeld nur eine Wehr gäbe, „könnte man darüber nachdenken“, so der stellvertretende Gemeindewehrführer Lars Wellmann. Bad Schwartau habe jedoch „eine völlig andere Wehrstruktur“

als vergleichbar große Städte, in denen Zugführer in der Satzung festgeschrieben sind: Wenn beide Wehren ausrückten, könnten die Funktionen der Zugführer von den Wehrführungen mit abgedeckt werden, da „wir davon ja zwei haben“.

Der stellvertretende Ortswehrführer Marco Germer hat als Reaktion auf die aktuellen Vorgänge bereits seinen Rücktritt zum Ende des Monats erklärt, diverse weitere Einsatzkräfte sind aus der Wehr ausgetreten oder zu den Rensefelder Kollegen gewechselt. Die FF Bad Schwartau „wird bald zu nichts mehr zu gebrauchen sein“, prognostiziert ein Mitglied, das ungenannt bleiben möchte, da es „uns nicht erlaubt ist, mit der Presse zu sprechen“. Aus demselben Grund wollte sich auch Ortswehrführer Wolfgang Dunker gegenüber den LN nicht zur Situation äußern. Gerd Schuberth bestätigte auf Anfrage, dass „Pressearbeit Aufgabe des Bürgermeisters“ sei und Äußerungen von Seiten der Feuerwehr „im Vorfeld mit mir abgesprochen werden müssen“.

Schuberth sieht sich „nicht in der Pflicht, weiter auf die Feuerwehr zuzugehen“: Er habe Gespräche angeboten, welche jedoch abgelehnt worden seien. Er bedauere, dass mehrere Aktive ihr Ehrenamt aufgegeben hätten, betont der Bürgermeister, „das Entscheidende für mich ist aber, dass der Brandschutz weiterhin gewährleistet ist — und das ist der Fall“.

Lars Wellmann pflichtet bei: „Wir können mit ruhigem Gewissen sagen, dass wir weiterhin voll einsatzfähig sind.“ Sollte die Bad Schwartauer Wehr nicht zur Verfügung stehen, „müssen wir uns kurzfristig neu sortieren“, so der stellvertretende Gemeindewehrführer, bei der Rensefelder Wehr gebe es aber mittlerweile so viele Aktive, dass diese auch ohne Unterstützung ausrücken könnten. Die Gemeindewehrführung „beobachtet die Vorgänge — wir machen uns aber keine Sorgen“. Zu gegebener Zeit werde man eine Erklärung der Wehr einfordern, ob und in welcher Weise diese weiter bestehen wolle.

Jennifer Binder