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Bad Schwartau Zu Besuch beim Fünf-Sterne-Friseur
Lokales Bad Schwartau Zu Besuch beim Fünf-Sterne-Friseur
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20:13 27.01.2017
LN-Redakteurin Kim Meyer testet den Salon von Jacqueline Mehlfeld. Der fünf-Sterne-Friseur bietet eine ganz neue Schnitttechnik an: Den Calligraphy Cut. Quelle: Fotos: Prey (2), Meyer
Bad Schwartau

Mit einem freundlichen Lächeln werde ich begrüßt, als ich den Salon betrete. Ein Unterschied zum herkömmlichen Friseur ist das nicht, aber genau den will ich bei meinem Besuch herausfinden. Denn der Salon Mehlfeld aus Bad Schwartau ist kürzlich in die Liga der Elite-Friseure, die 1925 als „Internationale des Coiffeurs des Dames“ gegründete, weltweite Vereinigung von Coiffeuren, aufgenommen worden (die LN berichteten).

Der Salon Mehlfeld wurde bei Intercoiffure aufgenommen – Wir haben den Friseur ausprobiert.

„Am besten füllst du als erstes unsere Kundenkarte aus“, sagt Jacqueline Mehlfeld, nachdem sie mir die Jacke abgenommen hat. Meine Wünsche, Interessen und Probleme was meine Haare anbelangt, werden abgefragt. Noch bevor ich den Stift in die Hand nehmen kann, bekomme ich erst einmal einen Tee gereicht. „Das gehört zu unserem Beauty-Ritual“, erklärt mir die 29-Jährige, als wir das weitere Vorgehen besprechen. „Wir machen jetzt eine Kopfhautanalyse, damit wir die richtigen Pflegeprodukte für dich nehmen“, sagt sie. Die Kopfhaut macht mir keine Probleme, aber, und das erkennt die Expertin sofort: Die Spitzen. Die sind spröde und brauchen Feuchtigkeit.

„Ich empfehle dir den Calligraphy Cut“, sagt Mehlfeld, als wir anschließend über den Schnitt sprechen. In dem Werkzeug befinde sich eine um drei Grad gekippte Klinge, die für jeden Kunden neu eingelegt werde. „Damit werden die Haare schräg angeschnitten, vergleichbar mit dem Schnitt eines Blumenstängels.“ Bei der Arbeit sei höchste Präzision gefragt. Denn: Es müsse ein Schneidewinkel zwischen 21 und 23 Grad eingehalten werden. „Der Schnitt mit dem Gerät hat gleich mehrere Vorteile: Das Haar lässt sich besser frisieren, bekommt mehr Volumen und ist weniger splissanfällig.“ Die Aussicht klingt natürlich traumhaft, das will ich testen.

Vor dem Schneiden werden meine Haare gewaschen. Ich lege mich in den Ledersessel, die Füße hoch und genieße. Zurück am Platz bekomme ich mein Wunschgetränk, ich nehme wieder Tee, und dann: „Zu unserem Beauty-Ritual gehört eine Kopfmassage mit ätherischen Ölen“, sagt die Friseur-Meisterin und zeigt mir drei Fläschchen mit verschiedenen Duftrichtungen. Ich entscheide mich für „Harmony“, was eine leichte Orangen- und Vanillenote hat. Silber glänzend mit einem breiten Kopf, in dem die Klinge sitzt – das ist der Calligraph. Die Friseurin beginnt zu schneiden. „Ich wollte schon als kleines Mädchen Friseurin werden“, sagt sie. „Gerade lebe ich meinen Traum.“ Im August 2015 hat Mehlfeld den Salon von ihrer ehemaligen Chefin übernommen. „Ich liebe meinen Job, natürlich ist es aber auch harte Arbeit, wenn man etwas erreichen will.“ Rund 50 Stunden arbeitet sie in der Woche. Aber der Erfolg gibt ihr recht: Die Aufnahme in die Vereinigung der Intercoiffure erfüllt sie mit besonderem Stolz, denn einfach beitreten können Friseure diesem Netzwerk nicht – sie müssen empfohlen werden oder sich bewerben. Ein Jahr lang müssen sich Anwärter beweisen. „Ich wurde angeschrieben und bin dann jeden Monat zu den Treffen der Intercoiffure nach Hamburg gefahren“, sagt sie. „Das war so toll. Da saß ich mit echten Größen wie Marlies Möller, Nicolaisen und dem Friseur von Paris Hilton an einem Tisch.“

Den Erfolg teilt die Chefin mit ihrem Team. „Ohne die Mädels, meinen Partner und meine Familie wäre das alles nicht möglich gewesen“, sagt sie. „Ich möchte hier Handwerk auf hohem Niveau, nicht nur für Kunden sondern auch für meine Mitarbeiter, bieten.“ Deshalb unterstütze sie Weiterbildungen. „Es ist selbstverständlich, dass gute Mitarbeiter auch gut bezahlt werden – übertariflich.“ Geknüpft hat sie das Gehalt zusätzlich an die Leistung. „Ich war lange genug angestellt und weiß, was in dieser Branche schlecht läuft. Das will ich anders machen.“

Der Besuch beim Nobel-Friseur hat seinen Preis – vor allem der Calligraphy Cut. Den gibt es ab 63 Euro. Aber als ich schließlich in den Spiegel schaue und meine neue Friseur begutachte, bin ich erstaunt: Die Haare sehen tatsächlich voller und länger aus. Die Stufen, vor denen ich bislang immer so großen Respekt hatte – vor meinem geistigen Auge habe ich bisher fiese Kanten im 80er-Look gesehen –, fallen weich. „Das liegt am Calligraphen“, sagt Jacqueline Mehlfeld und lacht. Zum Wohlfühlprogramm gehört zum Abschluss noch eine Auffrischung des Make-ups. Und als ich die Tür des Salons hinter mir schließe, weiß ich wo der Unterschied liegt: Das war Wellness, kein Haare schneiden.

 Kim Meyer

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