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Lokales Die Eiswette geht baden
Lokales Die Eiswette geht baden
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18:43 21.01.2019
Im Freibad am Krähenteich in Lübeck geht Altstadtbad-Eiskönigin Sigrid Thomas zusammen mit der zehnjährigen Jaale Praasler baden. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Wie Skulpturen in einer Schneekugel strecken die Bäume ihre raureifweißen Äste in einen dunstigen Sonntagshimmel. Minus vier Grad zeigen die Thermometer, die Wasserfläche des Krähenteichs ist von einer Zentimeter dicken Eisschicht bedeckt. Am Ufer des Altstadtbades stehen fünfzig Menschen in Bademänteln und Schwimmkleidung und machen zur schwungvollen Akkordeon-Musik von Jens Ketelsen aus der Kombinale-Grölgruppe Gymnastik.

„Eiskalt, eiskalt, eiskalt baden!“, ruft Eiskönigin Sigrid Thomas, die ihre silberne Krone über der Wollmütze trägt. Die Gruppe wiederholt den Schlachtruf. Dann laufen sie zusammen los, Richtung Wasser. Bademäntel werden auf den Boden geworfen, Eis knackt unter den Füßen. Manche stürzen sich sofort in die Fluten, tauchen unter und laufen gleich wieder ans Ufer, andere schieben erst zögernd die Eisschollen zur Seite. Etwa 200 Zuschauer feuern sie vom Ufer oder dem Steg aus an. Eine Handvoll Hartgesottener zieht noch Minuten später mit knallroter Haut ihre Bahnen.

„Gutes Training“: Ein Kilometer im Eiswasser

„Es ist ein gutes Training“, sagt Andres Kamenke, dessen Freund Thorsten Ullrich Stegemann im Wasser noch seine Runden zählt. Der will einen ganzen Kilometer schwimmen. Die beiden waren bei der Norddeutschen Eisschwimmer-Meisterschaft, dort sei das nichts Besonderes. Dann entschuldigt er sich: „Ich muss mich erst einmal warm zittern“.

Sönke Baum würde es als „ehrenrührig ansehen, nur rein und gleich wieder raus zu gehen“. Obwohl er regelmäßig in der winterlichen Ostsee schwimmt, kostet es ihn jedes Mal Überwindung, ins Wasser zu gehen. Er und seine Partnerin Isa Reher wärmen sich gerade an einem Feuerkorb auf. Sie stehen in Kontakt mit einem internationalen Netzwerk von Freiluftschwimmern. Warum sie sich ins Eiswasser wagt, weiß Reher genau: „Das macht glücklich!“

Um glücklich und stolz aus dem Wasser zu steigen, muss man nicht bei Minusgraden seinen Freischwimmer machen. Jaale Prassler ist mit zehn Jahren die jüngste Eisbaderin. „Ich mache gern verrückte Sachen“, sagt sie, und ihr Vater, der nicht mit im Wasser war, stimmt lachend zu. Der 12-jährige Valentin Lewe war heute zum ersten Mal Eisbaden, „weil ich Herausforderungen mag“. Beim Rauskommen war ihm noch kalt, „aber jetzt bin ich schön warm“.

„Reset für den Körper“

Auch Dorit Ewers, die mit einem Punsch an der Schwimmbad-Bar steht, schwört darauf, dass Eisbaden den Körper aufwärmt: „Es fühlt sich an wie nach der Sauna“. Sie geht jede Woche draußen schwimmen. Früher hatte die 57-jährige immer kalte Hände und Füße, „jetzt brauche ich nicht einmal Wollsocken“.

Davon, dass Eisbaden gesund ist, ist Eiskönigin Sigrid Thomas überzeugt. „Das ist wie ein Reset für den Körper“, sagt sie. „Wer nicht krank ist, einen stabilen Kreislauf hat und sich vorher aufwärmt, kann mitmachen“. Sie empfiehlt, sich nach dem Bad statt einer warmen Dusche zu bewegen, um von Innen warm zu werden. Die Idee zur Eisbade-Wette kam der Physiotherapeutin durch ihre Laufgruppe, mit der sie jede Woche nach der Jogging-Runde in den winterlichen Krähenteich springt. „Es ist wie Gassigehen mit dem inneren Schweinehund“, sagt sie.

Nachfolgerin der Eiswette

Die Vorläuferin der Badewette ist die Eiswette, die Thomas 2013 ins Leben gerufen hatte. Dabei konnten die Lübecker tippen, ob der Krähenteich am Stichtag im Januar zugefroren ist. War er eisfrei, ging die Königin im Eiswasser baden. Nur in den ersten beiden Jahren 2013 und 2014 konnten sie und Eiskönig Claus-Peter Lorenzen auf einer Eisschicht 50 Meter weit über den Krähenteich gehen. Die Eisbadewette hat die Eiswette nun abgelöst.

„Zeremonienmeister“ Jörg Zimmermann moderiert die Veranstaltung in Zylinder und Lodenmantel und freut sich über den erfolgreichen Start. Der zweite Vorsitzende des Altstadtbad-Fördervereins „hatte keine Ahnung, ob überhaupt jemand kommen wird“. Einige der 69 Wett-Teilnehmer waren da optimistischer: Dass 47 Mutige sich ins Wasser trauen würden, wurde einmal korrekt getippt, andere Schätzungen waren fast richtig. Als Preise gab es Präsentkörbe, Manufaktur-Schokolade sowie Gutscheine für zwei Restaurants und Thai-Massagen. Unter den Eisschwimmern wurde eine Übernachtung im „Hotel an der Marienkirche“ verlost.

Sieben Sanitäter des DRK Priwall hielten sich für Notfälle bereit und verarzteten kleine Eis-Schnittwunden. Sie hatten zwei Hunde im Einsatz, die bei Gerlinde Rothfeld eine Ausbildung als Wasserrettungshunde absolvieren. „Ich bin die einzige Trainerin dafür in Norddeutschland“, sagt Rothfeld. „Die Hunde lernen, Menschen und sogar Boote aus dem Wasser zu ziehen“. Ehrensache, dass Hündin Diana und ihr Kollege auch Eisbaden gegangen sind.

Friederike Grabitz

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