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Lokales Lübecks Mittelalter-Schätze sind Exportschlager
Lokales Lübecks Mittelalter-Schätze sind Exportschlager
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22:53 15.01.2019
Gut besuchte Ausstellung in Berlin: Die Lübecker Schätze zum Thema Handel und Austausch wurden in einem eigenen Raum präsentiert . Hinten links ist ein drei Meter hohes Fass zu sehen – sozusagen der Container des Mittelalters. Quelle: Stadt Lübeck, Bereich Archäologie und Denkmalpflege
Lübeck/Berlin

Große Anerkennung: Die Lübecker Archäologen haben sehr viel Erfolg durch die Ausstellung „Bewegte Zeiten“ im Berliner Gropius-Bau. Für die Darstellung der spektakulärsten archäologischen Funde aus ganz Deutschland hatte Lübeck 200 Exponate beigesteuert – aus dem Gründungsviertel der Altstadt. Damit stammte ein Fünftel der ausgestellten Schätze aus der Hansestadt. Jetzt sind die Lübecker Archäologen gefragt wie nie.

Lübecks Schätze als Exportschlager

Erstaunen im Kulturausschuss. „Das ist ja ein Exportschlager“, freut sich Vorsitzender Wolfgang Neskovic (Unabhängige). „Die Archäologie hat einen tollen Beitrag geleistet“, stimmt Kultursenatorin Kathrin Weiher (parteilos) zu. Hauke Wegener (CDU) fordert: „Das zeigt, wie wichtig es ist, dass Lübeck wieder ein archäologisches Museum bekommt.“ Ab 2005 wurde die Sammlung im Burgkloster ausgestellt. Aber schon 2011 wurde sie wieder geschlossen. Wegen der Eröffnung des neuen Hansemuseums. „Ich fühle mich gelinkt“, gibt Hermann Junghans (CDU) zu. Damals sei behauptet worden, die archäologische Sammlung müsse geschlossen werden, „um Doppelungen zu vermeiden“. Die gebe es aber gar nicht.

Er ist Chef der Archäologie in Lübeck: Manfred Schneider. Quelle: Lutz Roeßler

Großes Interesse an Lübecks Schätzen

Grund für die emotionale Debatte: Die Lübecker Archäologen haben viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. „Wir haben durch die Ausstellung etliche Anfragen bekommen“, berichtet Lübecks Chefarchäologe Manfred Schneider. Es besteht internationales Interesse. „Barcelona hat gefragt“, berichtet er stolz. Die spanischen Kollegen planen eine Ausstellung über Korallen. Und Lübeck ist im Besitz einer Korallenkette aus dem Mittelalter. Auch Tallinn hat sich in Lübeck gemeldet. Die estnische Hansestadt will zum Stadtjubiläum eine Ausstellung auf die Beine stellen. „Das geht nicht ohne Lübeck“, so Schneider. Denn die einstige Königin der Hanse war das Vorbild für Städte wie Tallinn. Aus dem polnischen Marienburg wird in Lübeck ebenfalls angefragt. Die Kollegen kümmern sich um das Thema Pilgern – und würden aus Lübeck gerne ein Pilgerkreuz aus dem Mittelalter ausleihen.

Archäologische Ausstellung in 2019

Doch auch deutsche Städte haben Interesse an den Lübecker Funden. Wie das bayrische Staatsministerium. Die Bayern planen eine Ausstellung über Stadtgründung. Und davon hat Lübeck durch die Funde aus dem Gründungsviertel am Fuße von St. Marien Ahnung. Köln hat ebenfalls Interesse. Die Archäologen müssen übergangsweise in einen Erstausbau ziehen. Schneider: „Sie wollen auch etwas mit Lübeck zusammen machen.“ Und wann werden die Schätze aus dem Gründungsviertel in Lübeck gezeigt? Das Vorhaben steht noch nicht ganz. Aber Schneider verrät: „Wir planen mit den Museen etwas zusammen in 2019.“

Ausstellung im Café Ulrich’s

Bereits jetzt können sich Interessierte die archäologischen Schätze aus dem Gründungsviertel ansehen: Im Café Ulrich’s der Vorwerker Diakonie im Schüsselbuden 6 bis 8 ist ein Informationszentrum eingerichtet. Der hintere Bereich ist der Lübecker Geschichte und dem Gründungsviertel gewidmet. Es ist geöffnet montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr sowie sonnabends 10 bis 18 Uhr. Spannend daran: Das Café Ulrich’s ist im Ulrich-Gabler-Hauses untergebracht – in einem mittelalterlichen Keller, der 800 Jahre alt ist.

 

Ein Raum voller Lübecker Schätze

Die Berliner Ausstellung über Archäologie in Deutschland dauerte drei Monate sie ging von September bis Januar. Die Präsentation lockte 120 000 Besucher. Die Funde haben 76 Länder und Städte beigesteuert. Die Lübecker hatten einen eigenen Raum, in dem ihre Schätze gezeigt wurden. Das Thema: Handel und Austausch. Nur Köln hatte ein ebensolches Privileg. Denn Lübeck und Köln sind die einzigen deutschen Städte, deren Archäologie als Landesarchäologie gilt. Sie arbeiten selbstständig und unabhängig vom Land. Alle Schätze aus anderen Städten wurden von den Ausstellungsmachern gemischt und nach Themen präsentiert.

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Josephine von Zastrow