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Lokales Kinder erobern Orgel in Lübecks Marienkirche
Lokales Kinder erobern Orgel in Lübecks Marienkirche
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17:37 28.08.2019
Musiker Johannes Unger in der Briefkapelle vor der kleinen Hausorgel – seit zehn Jahren ist er nun Organist an St. Marien. Quelle: Felix König
Innenstadt

Für Organist Johannes Unger ist dieser Tag inzwischen ein fester Bestandteil des musikalischen Jahresprogrammes von St. Marien. „Immer im September, wenn die Schule gerade angefangen hat, laden wir zum Kinder-Orgeltag ein“, sagt der Musiker.

Von Tradition könne man zwar noch nicht sprechen – weil es erst 2017 losgegangen ist –, aber was nicht ist, könne ja noch werden. „Ziel ist es, interessierte Kinder, die schon Klavier spielen, an die Orgel heranzuführen, sie neugierig zu machen. Das bringt Nähe zu dem Instrument, das ja sehr weit weg ist“, so Unger. Dabei schaut er Richtung Kemper-Orgel, die hoch oben im Kirchenschiff thront.

Kinder sollen die Orgel kennenlernen

Um aber gleich Missverständnissen vorzubeugen – um das Spielen der Kemper-Orgel soll es am Freitag, 20. September, nicht gleich gehen. „Es wird mehrere Angebote geben“, kündigt der „Nachfolger“ von Dieterich Buxtehude an.

Jeweils um 9 und um 10.30 Uhr ist die Aufführung des berühmten „Carnevals der Tiere“ von Saint-Saens geplant – in der Bearbeitung für Orgel. „Dabei werde ich zusammen mit Julian Mallek aus Preetz am Orgeltisch sitzen. Sprecher ist unser Kantor Karl Hänsel“, so Johannes Unger.

Spielerische Workshops mit Orgel-Puzzle

Außerdem sind für den Tag noch zwei spielerische Workshops in der Briefkapelle geplant, mit jeweils 20 Plätzen. Um 10 und um 14 Uhr werden die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance bekommen, unter Anleitung eine Orgel aus circa 200 Einzelteilen zusammenbauen zu können. Hans-Georg Reinertz aus Belgien hat das Projekt „Das Örgelchen-Puzzle“ entwickelt.

Dabei wird eine Mini-Pfeifenorgel gebaut, und alle Mitwirkenden dürfen sich am Ende als Spieler und Blasebalgtreter betätigen. Dabei kann während des Baues Schritt für Schritt das Funktionieren und die Wichtigkeit eines jeden einzelnen Bestandteils erklärt werden. Außerdem können die klanglichen Möglichkeiten gezeigt werden.

Nachwuchs erobert die Orgel

Vollends in die klangliche Praxis geht es dann um 16 Uhr, wenn im Hochchor zum moderierten Konzert „Junge Pianisten erobern die Orgel“ gebeten wird. „Interessierte Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren, die mitspielen möchten, können sich bei uns bis Anfang nächster Woche noch melden.“

„Eine Woche vor dem Konzert proben wir dann noch mal zusammen auf der Totentanzorgel. Die Literatur kann man selbst in Absprache mit seinem Klavierlehrer aussuchen“, erklärt der Marienorganist.

Abendmusik als Schlusspunkt

Abgerundet wird der 20. September um 19 Uhr – vor allem dann für erwachsene Zuhörerinnen und Zuhörer – mit dem bekannten Programmpunkt „Lübecker Abendmusik“. Johannes Unger selbst spielt an der Totentanz-Orgel unter dem Motto „Buxtehude und seine europäischen Zeitgenossen“ unter anderem Werke von Matthias Weckman, Georg Böhm, Johann Kuhnau, Johann Sebastian Bach sowie Henry Purcell.

Initialzündung möglich

„Es gibt immer Initialzündungen, die durch so einen Kinder-Orgeltag ausgelöst werden können“, weiß der Musiker, der selbst aus einem „kirchenmusikalisch aktiven Elternhaus“ kommt. Zudem sei sein Großvater Pastor gewesen, sodass beim Besuch von Oma und Opa der Weg hinüber in die Kirche zur „Dorforgel“ nicht weit gewesen sei.

Insgesamt faszinieren ihn noch täglich „die klanglichen Möglichkeiten, die Vielfältigkeit“ seines Instrumentes. „Aber auch die Möglichkeit, als Einzelmusiker ein Orchester so wunderbar nachbilden zu können. Zudem bilden Raum und Musik eine Einheit“, sagt Johannes Unger. „Und man kann mit der Orgel so viele Emotionen erreichen.“

Anmeldungen von Interessierten am Orgelbau-Workshop sowie von Jungpianisten für das moderierte Konzert nimmt Johannes Unger per E-Mail entgegen: marienorganist@st-marien-luebeck.de.

Die Orgeln in St. Marien

Die Kemper-Orgel: Als Hauptorgel im Gottesdienst und bei Konzerten dient heute die „Große“ oder Buxtehude-Orgel im Westwerk, eine der größten Kirchenorgeln mit mechanischer Traktur überhaupt. Sie wurde 1968 von der Firma Kemper & Sohn nach sechsjähriger Bauzeit abgeliefert. Das gewaltige Instrument besitzt auf fünf Manualen und Pedal 101 klingende Stimmen mit 8512 Pfeifen.

Die neue Totentanzorgelwurde 1985/86 von der Firma Alfred Führer in Wilhelmshaven gebaut. Es ist kein Nachbau der 1937 vermessenen Orgel des 15. Jahrhunderts. Klang und äußere Gestaltung entsprechen den Vorstellungen unserer Zeit. Sie eignet sich besonders gut für Kompositionen des 17. und 18. Jahrhunderts, vor allem die Johann Sebastian Bachs. Die neue Totentanzorgel verfügt auf Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk, Oberwerk und Pedal über 56 Register und 4479 Pfeifen.

Die kleine Hausorgel in der Briefkapelle stammt aus Ostpreußen. In der Schlosskapelle von Dönhofstädt bei Rastenburg erklang sie 200 Jahre lang im Gottesdienst. 1933 erwarb der Lübecker Orgelbaumeister Karl Kemper das Instrument. Mit Hilfe der Possehl-Stiftung wurde die Orgel 1937 auf dem Hochchor der Katharinenkirche für musikalische Aufführungen aufgestellt. Heute wird sie vor allem im Winter bei Gottesdiensten in der Briefkapelle von St. Marien eingesetzt.

Lesen Sie hier mehr über Lübecks klingende Schätze

Weitere Info unter https://st-marien-luebeck.de/page/8/musik

Von Michael Hollinde

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