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Lauenburg Freundin zum Raubüberfall geschickt: So wurde die Tat geplant
Lokales Lauenburg Freundin zum Raubüberfall geschickt: So wurde die Tat geplant
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16:20 30.09.2019
Nach dem Raubüberfall auf die Tankstelle im Dezember 2018 suchen in Groß Sarau Streifenwagen nach Tätern. Quelle: Mopics
Lübeck/Groß Sarau

Der Prozess gegen einen 23-jährigen Mann aus Pogeez hat am Landgericht Lübeck begonnen. Dem Angeklagten werden zwei Fälle der gemeinschaftlich begangenen schweren räuberischen Erpressung zur Last gelegt. Er soll im Dezember 2018 gemeinsam mit einer zum damaligen Zeitpunkt 20 Jahre alten guten Freundin den Raub auf eine Tankstelle in Groß Sarau und eine Spielhalle in Mölln geplant haben.

Die 20-Jährige wurde dafür in Tateinheit mit anderen Delikten bereits zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Sie war es, die bewaffnet in die Geschäfte lief. Bei der Planung der Tat war auch ein 19-Jähriger beteiligt, der das Fluchtauto fuhr. Er war zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt worden. Im Prozess kristallisierte sich der 23-Jährige jedoch als Drahtzieher heraus.

Am 17. Dezember 2018 wurde die Tankstelle überfallen, am 25. Dezember die Spielhalle.

„Zu dieser Zeit war mir alles egal. Ich habe die Konsequenzen gar nicht gesehen“, sagte die 20-Jährige im Zeugenstand, die mittlerweile im Gefängnis sitzt. Die junge Frau aus Lübeck-Schlutup wurde in Handschellen in den Saal geführt und erklärte, sie und der 23-Jährige seien ein Duo gewesen, das alles füreinander getan hätte. Sie hätten auch Sex miteinander gehabt. Sie übernachtete nach der Tat auch bei dem 23-Jährigen. Ein dritter Mittäter war ein Freund des 23-Jährigen, der als Fahrer agierte. Das Trio erhoffte sich beim Tankstellen-Raub eine Beute von 1000 bis 2000 Euro. Am Ende waren es lediglich 500 Euro.

Nach der Tat ins Bordell nach Lübeck

Laut dem 23-Jährigen, der die Taten bereitwillig zugab, habe er die 20-Jährige danach in einem Waldstück abgeholt, im Kofferraum versteckt und sie nach einer langen Flucht wieder bei sich zuhause in Pogeez abgesetzt. Man habe sie für die Ausführung der Tat bestimmt, weil sie aufgrund ihres Alters nur nach Jugendstrafrecht verurteilt worden wäre, wohingegen der 23-Jährige vorbestraft und auf Bewährung draußen sei. Während die 20-Jährige nur Zigaretten bekam, hätten die beiden Männer das erbeutete Geld noch am selben Abend in einem Bordell in Lübeck verprasst. „Ich weiß nicht, was aus dem Geld geworden ist“, erklärte die 20-Jährige. Es erweckte immer wieder den Anschein, der 23-Jährige habe die beiden Mittäter gesteuert.

Freundin auf den Strich geschickt

Der Überfall auf die Tankstelle hat beim Opfer wegen der Brutalität der Vorgehensweise tiefe Spuren hinterlassen. „Ich habe ihr die Pistole nach dem Überfall ein zweites Mal an den Kopf gehalten und gesagt: keine Polizei“, erklärte die 20-Jährige Räuberin. Auf die Frage der Richterin, ob sie ein schlechtes Gewissen habe, weil die Kassiererin einen Schock erlitt, sagte sie, sie habe das, so gut wie es ging, weggeschoben. Gegen sein Urteil, ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe auf Bewährung, hat der 19-Jährige Fahrer aus Pogeez indes Einspruch eingelegt. Er sagte im Prozess, dass er sich von dem 23-Jährigen bedroht gefühlt habe. Deshalb habe er Angst gehabt, ihn durch seine Aussage zu belasten. Außerdem bestätigte er den Verdacht des Gerichts, der 23-Jährige habe die 20-Jährige zur Prostitution angestiftet und den Erlös daraus habe die 20-Jährige stets abgegeben müssen.

Überfall auf Restaurant des Vater geplant

Der 23-Jährige schilderte die Tat ohne Reue. „So wie sie es schildern, klingt das nach einem Tag wie jeder andere“, erklärte die vorsitzende Richterin Helga von Lukowicz. Der Angeklagte ist wegen diverser Taten vorbestraft. Anklagen wegen Diebstahls, Drogenhandels und sogar Missbrauchs Minderjähriger wurden aufgezählt. Der Mann ohne Schulabschluss und Ausbildung habe in einem zerrütteten Elternhaus gelebt. Seine Mutter sei Alkoholikerin gewesen, sein von ihr getrennter Vater habe ihn geschlagen. Den leeren Kühlschrank in der Wohnung der Mutter habe er mit gestohlenen Lebensmitteln gefüllt. Er gab auch zu, dass er zuvor das Restaurant seines Vaters überfallen wollte, den Plan aber dann verwarf, weil sich die 20-Jährige nicht traute. Dann habe man die Tankstelle anvisiert.

Der Überfall auf die Spielothek sei eine spontane Tat gewesen. Weil dem 23-Jährigen das Geld beim Zocken ausgegangen war, rief er die 20-Jährige noch aus der Möllner Spielothek, die später überfallen werden sollte, an und fragte sie, ob sie Geld beschaffen könne. Auf die Frage der Richterin, wie der 23-Jährige in der Regel sein Geld verdiente, sagte dieser, darüber wolle er nicht sprechen, es ginge um Prostitution. Auch die 20-Jährige habe sich prostituiert, bestätigte der 23-Jährige auf Anfrage des Gerichtes.

Das Urteil wird erst am zweiten Prozesstag erwartet. Mehr zum Fall lesen Sie hier:

Frau überfällt Tankstelle in Groß Sarau

Überfall auf Möllner Spielothek: Tankstellen-Räuberin gefasst

Von Florian Grombein

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