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Lauenburg 50 Jahre „Cheyenne“, „Logic“ und „Nox“: Die Conrings waren Pioniere der Branche
Lokales Lauenburg 50 Jahre „Cheyenne“, „Logic“ und „Nox“: Die Conrings waren Pioniere der Branche
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07:57 15.11.2019
Torsten Conring (52, r.) und Vater Rainer (74) haben in der Region Disco-Geschichte geschrieben. Hier sieht man sie am Mainfloor des heutigen "Nox" in Mölln. Die Geschichte begann jedoch vor 50 Jahren mit dem "Cheyenne" im Jahre 1969. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Man tanzte zu den Rolling-Stones und zu den Beatles in Jugendtanzlokalen. Die Liebe fürs Leben lernte man auf der Tanzfläche oder am Tresen kennen, nicht im Internet. Im Jahr 1969 war Rainer Conring im Alter von 24 Jahren ein Pionier der Discolandschaft. Er eröffnete in der beschaulichen Stadt Mölln mit damals 16 000 Einwohnern die erste Disco der Region – das „Cheyenne“ in der Möllner Altstadt. Bis zu sieben Tage die Woche war geöffnet. Während die meisten Discos in den vergangenen Jahren im Zuge des Clubsterbens von der Bildfläche verschwanden, blickt er zusammen mit seinem Sohn Torsten auf 50-jähriges Bestehen. Aus „Cheyenne“ wurden „Logic“ und „Nox“. Ihr Erfolgsrezept fürs erfolgreiche Überleben: Mit den Namen haben sie sich und das Feiern stets völlig neu erfunden. Heute und morgen wird das mit großen Revival-Partys gefeiert.

Die meisten Konkurrenten haben längst aufgegeben

„Alle anderen sind weg. So falsch gemacht haben können wir es ja nicht“, sagt Torsten Conring. Von 1969 haben erst sein Vater und dann beide zusammen immer wieder neue Konzepte zum Feiern entwickelt. Von 1969 bis 1981 in der Wallstraße im „Cheyenne Club“ in rustikaler Holzbalken-Optik mit Dachschindeln und Wagenrädern im Country-Stil. Wo früher eines von drei Möllner Kinos beheimatet war, wurde zur Jukebox gefeiert. Erst später kamen DJs. Von 1981 bis 1996 wurde im Delvenauweg das neue „Cheyenne“ eröffnet. Es war Teil des von den Conrings gebauten Sport und Freizeitzentrums im Delvenauweg. Vier Kegelbahnen, sechs Bowlingbahnen, ein Restaurant, ein Grillroom und besagte Diskothek entstanden in dem Neubau.

Revival-Partys heute und morgen

Passend zum Jubiläum gibt es eine Logic-Revival-Party (Freitag, 15. November, ab 22 Uhr) für alle bis 45 Jahre und eine Ü-50-Cheyenne-Club-Revival-Night (Sonnabend, 16. November, ab 20 Uhr). Musikalisch werden bei der Cheyenne-Party vor allem die Top Hits von damals und gerade die aus der Zeit in der Wallstraße gespielt. Also die Scheiben von 1969 bis 1988 und etwas darüber. Es gibt einen Bereich mit Popmusik und einen weiteren Floor mit Rockmusik. Mit dabei sind die DJs Hansi Kahts und DJ Toni, der 28 Jahre lang die Rock-Abende im Cheyenne Club Itzehoe bespielt hat.

Laser, Techno und DJ-Legenden in Mölln

Von 1996 bis 2013 wurde der Cheyenne Club zum „Logic“. Es war die Zeit der Laser, Alutraversen mit aufwendiger Lichttechnik, Flippern und schwarz-gestrichenen Wänden – das Techno-Fieber hatte Deutschland gepackt. Star DJs wir Gary D. , Pulsedriver oder DJ David Fascher legten häufig auf. Es gab Aftershow-Partys, in denen von 6 Uhr morgens bis 14 Uhr am Nachmittag weiter gefeiert wurde. Auch Acts wir La Verona (Verona Feldbusch) waren im LOGIC zu Gast. Danach wurde wieder umgebaut und als etwa 1998 die Schlagerwelle hochkochte, wurde die Oldie-und Schlagerdisco eröffnet. „2013 kam dann ein weiterer Umbruch und aus dem LOGIC wurde das NOX und in einer Zeit als viele Clubs und Diskotheken schlossen, wurde hier noch einmal investiert und so werden bis heute Partys im Nox gefeiert“, sagt Torsten Conring stolz. Er erinnert daran, dass Konkurrenten von damals wie das Bambu in Neustadt, das Viva in Wentorf, die Ziegelei in Groß Weeden, das Eishaus in Lübeck, das Abaco in Stockelsdorf oder zuletzt das Parkhaus in Lübeck bereits aufgegeben haben.

„Cheyenne“, „Logic“ und „Nox“: Rainer Conring eröffnete 1969 eine der ersten Discos der Region. Zusammen mit seinem Sohn hat er das Nachtgewerbe in der Folge immer wieder verändert. Mit Erfolg: Die Gastronomen haben sich trotz Discosterben erfolgreich gehalten.

Ein Gast klaute den Streifenwagen

„Wenn wir es nicht verantwortungsvoll und gut gemacht hätten, dann hätte man uns in 50 Jahren sicher die Konzession entzogen“, sagt Rainer Conring. Nach wie vor sei das Nachtgewerbe spannend. Kuriositäten gab es damals und heute. Im „Cheyenne Club“ stieg einmal ein junger Mann in einen Streifenwagen der Polizei, der vor der Tür stand. Er verriegelte die Türen, schaltete das Blaulicht ein und fuhr rückwärts mit dem Auto davon – zwei Kilometer lang durch Mölln, ehe er gestoppt werden konnte. „Und es gab auch die ein oder andere heftige Hauerei, manchmal im Laden, manchmal davor“, weiß Torsten Conring zu berichten. Vieles konnten die Kellner Kalle Hill, Mölli, Klaus Becker oder Michael Geier gemeinsam mit Conring wieder schlichten. Einiges mussten aber auch die Ordnungshüter erledigen.

Nachgefragt: Disco-Betreiber Torsten Conring

Nox-Betreiber Torsten Conring über die Veränderungen in der Diskolandschaft.

Warum haben in den vergangenen Jahren immer mehr Discobetreiber aufgegeben? Abaco, Bambu, Queens oder zuletzt das Parkhaus in Lübeck2015 warteten alle nach dem Sommer darauf, dass das Geschäft wieder anzieht. Doch das passierte nicht. Unsere Agentur, die vorher über 30 Discos betreut hatte, betreut nun noch drei Diskotheken. Übrig blieben reine Eventlocations, die nur noch an bestimmten Tagen öffnen, nicht jedes Wochenende. Das Ausgehverhalten hat sich grundlegend verändert. Ich sehe das bei meinen eigenen Töchtern. Die gehen auf Festivals, in Cocktailbars oder in Burger-Läden – aber eben nicht mehr in Clubs. Das Argument, man geht in die Disco um gute und angesagte Musik zu hören, zieht nicht mehr. Auf Spotify haben sie das Ganze viel schneller. Auch bei der Musik gibt es Unterschiede. Mark Forster macht nette Musik. Doch dazu kann man eben nicht so gut tanzen. Gleiches gilt für das Kennenlernen. Das findet heute auf Whatsapp, Facebook oder Instagram statt. Früher kam man aus dem Urlaub und wollte seine Freunde treffen um denen zu zeigen, wie Braun man geworden ist oder dass man eine neue Hose hat. Heute ist alles bereits in Echtzeit am Handy passiert. Mein schärfster Konkurrent ist kein regionaler Mitbewerber sondern das Sofa.

Was ist ihr Erfolgsrezept für das lange Bestehen? Wir haben immer versucht, uns am Markt anzupassen und uns nicht ausgeruht. Wir haben die Partys und die Location immer wieder modifiziert. Es gab dafür auch Namensänderungen, um zu unterstreichen, dass wir investiert und umgebaut haben. Davon sind die Leute überrascht.Wir machen einmal im Monat Livemusik. Vor einer Woche war der aufstrebende Musiker Florian Künstler bei uns, der gerade einen Vertrag bei Sony unterschrieben hat. Wir sind noch da. Und das wissen ganz viele Leute zu schätzen. Bei der Jahrmarktsparty hatten wir über 2000 Leute hier. Es war proppenvoll. Wir versuchen, uns breit aufzustellen. Es gibt Partys, die auf Zielgruppen zugeschnitten sind. Beim Teenage-Clubbing viermal im Jahr immer vor den Ferien amüsieren sich die Jüngsten.

Kommt das Überleben ihres Clubs über die Jahre vielleicht auch davon, dass die Leute hier im ländlichen Raum einfach dankbarer dafür sind, dass es Clubs wie das „Nox“ oder Läden wie das „Bogarts“ überhaupt noch um die Ecke gibt? Das glaube ich gar nicht mal so unbedingt. Die Leute sind schon mobil. Ich glaube, es wird für Discos immer schwieriger werden. Ich zweifele daran, dass die Clubs, die verschwunden sind, wirklich jemandem fehlen. Meine Hoffnung ist aber, dass den Leuten Facebook und Netflix irgendwann so auf den Zeiger geht, dass sie auch wieder ausgehen wollen. Dafür braucht man langen Atem.

Scorpions und Status Quo spielten im Cheyenne

Auch Livemusik gab es im Cheyenne. Bands wie Status Quo oder die Scorpions, die inzwischen Weltruhm genießen, spielten in Mölln. Diese Tradition lebt heute wieder auf in der Bar Bogarts, die zusätzlich zum Nox Gäste anlockt. Allen voran gehörten die Diskotheken allerdings stets den DJs, die jede Epoche prägten. Etwa Hansi Kahts aus Nusse, heute Videojournalist, gehörte dazu. „Die einen wollten Schlager hören, die nächsten wollten Hard-Rock haben, die dritte Gruppe bevorzugte Popmusik und dann gab es noch eine vierte Gruppe, die am liebsten progressive Musik hören und danach abhotten wollte“, so Kahts. Es war schon immer schwer, allen gerecht zu werden.

„Als ich die Scorpions nach Mölln holte“

Rainer Conring (74) kann sich noch ganz genau daran erinnern. Anfang der 70er Jahre spielten die Scorpions in Möllner Cheyenne Club. „Wenn man sieht, dass die heute Stadien füllen, ist man schon froh, dass die mal bei uns in Mölln waren“, sagt der Diskobetreiber. Er erinnert sich an einen Abend mit etwa 350 Gästen. Weil Konzerte im Allgemeinen damals noch nicht so einen hohen Stellenwert haben wie heute, spielten die Rocker auf einer etwas improvisierten Bühne. Balken und Bretter wurden über Bänke montiert.

Eine Agentur aus Hamburgvermittelte die Bands, die in das Cheyenne kamen. „Das war damals ein Superkonzert. Alle Auftritte machten damals viel Spaß“, erzählt Rainer Conring. Auch die Band Status Quo spielte Mitte der 70’er Jahre im Cheyenne. Mit gewisser Faszination erinnert sich Conring außerdem an die englische Krautrock-Band „Nektar“, die mit einer abgefahrenen Lichtshow begeisterte und sieben bis acht Mal im Cheynenne auftrat. Die Combo hängte laut Conring „versiffte Bettlaken“ hinter die Bühne und platzierte dahinter einen Projektor. Im Hintergrund gossen Helfer dann Farben ineinander und erzeugten so psychodelische Bilder. „Wenn der Bass spielte, gossen die hinten blaue Farbe herunter“, so Conring schmunzelnd. Auf diese Weise hatte jeder Musiker neben einem individuellen Klang auch ein eigenes Farbbild.

„Später folgten DJ Johnny, ein einarmiger gebürtiger Jugoslawe“, erzählt Rainer Conring. Danach kam Peter Lindeke, der auch einige Jahre hinter den Plattentellern stand, später dann aber selbst eine Gaststätte in Mölln betrieb. Dann folgte der kürzlich verstorbene Journalist Jens Burmester. Er war der letzte in der langen Reihe der DJs in der Wallstraße.

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Events nur zwei Mal im Monat

Heute finden passend zum Trend keine wöchentlichen Partys mehr statt, sondern es wird wie in einer Eventlocation eben nur noch an speziellen Abenden zu bestimmten Mottos gefeiert. 2015 wurde dann von Familie Conring das Bogarts neu eröffnet neben der Diskothek und es zog ein Fitnessstudio mit ins Gebäude. Im Bogarts wird viel gefeiert und es treten wieder mindestens einmal im Monat live Bands auf. Torsten Conring: „Wir freuen uns auf dieses Wahnsinns Jubiläum, was in gerade in dieser Branche eine echte Seltenheit ist.“

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Von Florian Grombein