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Lauenburg Krummesse – geteiltes Dorf mit 1000 Grenzen
Lokales Lauenburg Krummesse – geteiltes Dorf mit 1000 Grenzen
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08:00 27.05.2019
Die Skulptur „Heringsschwarm“ von Tim Adam an der Kanalbrücke in Krummesse. Die Skulptur dient dem Logo der gesamten Stecknitz-Region als Vorlage. Quelle: Joachim Strunk
Krummesse

Krummesse blickt auf 825 Jahre verbriefte Geschichte zurück: Im Jahr 1194 wurde die Siedlung südlich der Hansestadt Lübeck erstmals schriftlich erwähnt – im Zehnten-(also: Steuer-)Register des damaligen Ratzeburger Bischofs Isfried. Zur Info für alle Historiker: Der Zettel liegt, wie man alle Jubeljahre in sämtlichen offiziellen Verlautbarungen nachlesen kann, „heute wohlbehütet im Mecklenburgischen Staatsarchiv in Schwerin“.

Das ist natürlich nichts Besonderes. Was den Ort für ganz Deutschland oder möglicherweise sogar für die ganze Welt so einzigartig macht ist, dass er auch 31 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung von BRD und DDR zweigeteilt ist. Von der Fläche sollen fast zwei Drittel der Hansestadt Lübeck gehören, der Rest zum Kreis Herzogtum Lauenburg.

Mehr lübsche Fläche, mehr lauenburgische Einwohner

Dieses Ungleichgewicht wird aber durch die Einwohnerzahl ausgeglichen. Denn die „Lauenburger“ sind mit 1734:1067 Menschen gegenüber den „Lübeckern“ in der Überzahl. So die jüngsten Angaben auf der Homepage der Gemeinde.

Das „geteilte“ Dorf Krummesse feiert sich

Wie aber kam die Zweiteilung zustande? Das lag am damaligen Gutsherrn Marquard von Crummesse. Der stammte aus der wohlhabenden Ritterfamilie derer von Crummesse – Stammvater war Heinrich pincerna – Heinrich der Mundschenk – aus dem Hause Tralau (bei Oldesloe). Die hatte es im Laufe von mehr als 250 Jahren zu ordentlichen Besitztümern gebracht (unter anderen Stockelsdorf, Kastorf, Bliestorf, Schenkenberg, Kronsforde).

Spielschulden Ursache der „Zerrissenheit“

Marquard hatte es nicht so mit dem Sparen und Erwerben, sondern war eher der Lebemann. Und ging – heute würde man sagen – „zocken“. Aufgrund von Spielschulden lieh er sich Geld von der Hansestadt Lübeck beziehungsweise deren Kaufleuten. Und weil er wieder mal auf Rot statt auf Schwarz gesetzt, ein mieses Blatt hatte oder die gezinkten Würfel nicht beherrschte, konnte er die Schulden nicht zurückzahlen.

Und so fielen viele Grundstücke und Ländereien in Krummesse an die Hansestadt. Die Verhältnisse haben sich – im Laufe der Jahrhunderte danach – leider nicht oder nur rudimentär verändert. Selbst die Gebietsreform in den 1970er Jahren scheiterte an der Bockigkeit, sorry: der Verhandlungstaktik, beider Gesprächspartner.

Lübecker Hunde kosten mehr Steuern

Was hat das heute für Auswirkungen? Eigentlich kaum noch welche. Die Busfahrten sind mittlerweile für alle Schulkinder, egal ob aus lübschen oder lauenburgischen Häusern kommend und in die Hansestadt wollend, gleich. Das war schon mal anders. Auch die Hundesteuern haben sich in den letzten Jahren angenähert. Noch vor 25 Jahren berichteten die LN vom zehnfachen Obolus für lübsche „Herrchen und Frauchen“.

Ablauf auf der Festwiese

Sämtliche Veranstaltungen finden auf der Festwiese hinter der Sporthalle am Beidendorfer Weg statt.

30. Mai, Donnerstag/Himmelfahrt: 10 Uhr Gottesdienst, anschließend Posaunen-Chor und Sektempfang 11.15 Uhr Grußworte Bürgermeister Hans-Peter Fiebelkorn, Kreispräsident Meinhard Füllner, stv. Stadtpräsidentin Lübeck Silke Mählenhoff, Pröpstin Frauke Eiben, Dorfschaftsvorsitzende Hannelore Verwiebe 11.50 Uhr Ehrungen / Liedertafel 12 Uhr Mittagessen 13 Uhr Darbietungen, Spaß und Spiele

31. Mai ab 14 Uhr Spiel und Spaß 18 Uhr Preisverleihung im Zelt – Skat und Belote ab 21 Uhr Disco im Zelt

1. Juni ab 14 Uhr Musikfest. Start mit Sternmarsch durch Krummesse zur Festwiese. Anschließend Feier und Tanz bis Mitternacht

2. Juni 9.30 Uhr Verabschiedung der Partnergemeinden auf der Festwiese. Musikalischer Ausklang.

Bürgermeister Hans-Peter „Pit“ Fiebelkorn holt gerne noch die schöne Geschichte hervor, mit der man sich vor neun Jahren für das Guinness-Buch der Rekorde bewarb: Das Dorf der 1000 Grenzen. Denn wenn man alle Grenzen im Ort zwischen HL und RZ (= Autokennzeichen) abmisst, kommt man auf 2990,55 Meter – bei einer Fläche von 31 373 Quadratmetern! „Wo in der Welt gibt es eine längere Grenze – im Verhältnis zur Fläche?“ fragte Pit und war erfolgreich.

Kleiner Grenzverkehr

Am schönsten wurde diese Kuriosität offenbar im Grundstück oder Haus von Karl Busch. Dem gehörte bis Ende des letzten Jahrtausends eine Möbelfabrik. Die Fabrik lag im lübschen, sein angrenzendes Wohnhaus im lauenburgischen Teil Krummesses an der Kreuzung Klempauer Straße/Beidendorfer Weg. Heute ist die Fabrik einer Reihenhausanlage (vormals Markant) gewichen, das Wohnhaus ist Filiale der Kreissparkasse.

Buschs Frau Vera erklärte 1995 augenzwinkernd: „Ich koche in Lübeck, aber gegessen wird in Lauenburg“. Pit Fiebelkorn ergänzt diese Aussage gerne noch mit der hypothetischen Annahme eines „kleinen Grenzverkehrs“ im Schlafzimmer – sofern damals die Betten entsprechend gestellt worden wären.

Run auf Krummesser Grundstücke

Doch selbst in Zeiten der behördlichen Trennung ist die der gesellschaftlichen Spaltung längst vorbei. Fast jeder Mitbürger, den man nach seiner Herkunft befragt, sagt er oder sie sei „Krummesser“. Und das wollen immer mehr werden. Das letzte Baugebiet Stecknitzweg hinter dem Dorfgemeinschaftshaus (B-Plan 12) war 2014 schnell ausverkauft. Derzeit entwickelt die Gemeinde das B-Plan-Gebiet 15 („Hauskoppel“) mit 26 Einfamilienhäusern sowie Mietwohnraum.

„Die Anfragen übersteigen bei weitem das Angebot“, bestätigt Hans-Peter Fiebelkorn. Die Grundstückspreise inklusive Erschließung werden sich bei Flächengrößen von 550 bis 790 Quadratmetern vermutlich zwischen 240 und 300 Euro einpendeln.

Joachim Strunk

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