Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg 94 Ehrenbürgerbriefe des Reichskanzlers sind jetzt Eigentum der Otto-von-Bismarck-Stiftung
Lokales Lauenburg 94 Ehrenbürgerbriefe des Reichskanzlers sind jetzt Eigentum der Otto-von-Bismarck-Stiftung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:45 13.03.2019
Der Museumspädagoge Dr. Maik Ohnezeit von der Otto von Bismarck-Stiftung präsentiert einige der schönsten Ehrenbürgerbriefe Maria Bering (Gruppenleiterin bei der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, BKM), Dr. Rüdiger Kass (Vorstandsvorsitzender der Otto- von- Bismarck-Stiftung), Dr. Thomas Wagner (Referatsleiter BKM), Dirk Hansen und Privatdozent Dr. Gerold Letko, (Beide vom Vorstand der Otto-von-Bismarck-Stiftung).   Quelle: Lothar Neinass
Friedrichsruh

Wie viele Städte den Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck zu ihrem Ehrenbürger ernannt haben, ist nicht bekannt. „In der Fachliteratur spricht man von 450 Ehrenbürgerschaften“, sagt Professor Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh. Verbunden war die Verleihung der Ehrenbürgerschaft meist mit einer aufwendig und kunstvoll gestalteten Urkunde, dem Ehrenbürgerbrief.

94 Ehrenbürgerbriefe sind seit einigen Monaten Eigentum der Otto-von-Bismarck-Stiftung. 21 weitere Ehrenbürgerbriefe gehören der Familie von Bismarck. Nach dem Tod von Fürst Otto von Bismarck 1898 wurde der Großteil der Ehrenbürgerbriefe in seinem Geburtsort im Bismarck-Museum in Schönhausen in der Altmark ausgestellt. Während der sowjetischen Besatzung wurden sie, wie viele andere Objekte aus dem Bismarck-Museum, verstreut. 24 Briefe blieben im Besitz der Familie und kamen so nach Friedrichsruh. 94 Ehrenbürgerbriefe wurden an das „Feudalmuseum der DDR“ übergeben. In einem jahrelangen Gerichtsstreit kämpfte die Familie von Bismarck darum, diese Objekte zurück zu bekommen.

Familie erkämpfte sich die Briefe zurück

Der Justizstreit war für die Familie erfolgreich. Der „Erbengemeinschaft nach Otto II von Bismarck“ (25.9.1897 bis 24.12. 1975) wurden neben Erinnerungsstücken aus dem Museum Schönhausen auch das Eigentum an den 94 Ehrenbürgerbriefen, die in Wernigerode aufbewahrt worden waren, zugesprochen. Die Erbengemeinschaft hat Teile der Objekte inzwischen in Frankfurt und London versteigern lassen.

Die 94 Ehrenbürgerbriefe aus Wernigerode wurden der Otto-von-Bismarck-Stiftung angeboten. „Als Stiftung und Forschungsstätte haben wir nicht die Mittel, um solche wertvollen Erinnerungsstücke zu erwerben“, bedauerte Prof. Dr. Ulrich Lappenküper.

Glück für die Stiftung war, dass die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien von dem Angebot erfuhr und die wertvollen Ehrenbürgerbriefe für die Stiftung ankaufte.

„Jetzt sind die Briefe wieder da, wo sie hingehören, in Friedrichsruh“, freut sich Prof. Dr. Lappenküper.

Die Abteilungsleiterin Maria Bering und der Referatsleiter Dr. Thomas Wagner waren im Auftrag der Bundesbeauftragten für Bildung und Kunst nach Friedrichsruh gekommen, um sich ein Bild von den kunstvoll gestalteten Ehrenbürgerbriefen zu machen.

Ehrenbürgerbriefe und Wappen

Rund 450 Städte haben Reichkanzler Fürst Otto von Bismarck zum Ehrenbürger ernannt. In der Otto-von-Bismarck-Stiftung in Friedrichsruh werden seit einigen Wochen 94 Ehrenbürgerbriefe aufbewahrt.

Es gibt es noch eine zweite Stelle, an der auf die Ehrenbürgerschaften des Fürsten hingewiesen werden. Emil Specht, der Gründer der Villenkolonie „Hofriede-Sachsenwald“, hat im Aumühler Bismarck-Turm einen Fries mit 60 Städtewappen zeichnen lassen. Es gibt keine Hinweise darauf, nach welchen Gesichtspunkten die abgebildeten Wappen ausgesucht wurden.

Vergeblich hat Gemeindearchivar Gerd Möller auch nach einem Plan gesucht, an welcher Stelle die Bilder gezeichnet worden waren. Dieses wäre von größerer Bedeutung, denn im Jahr 1922 war der automatische Überlauf des Wasserreservoirs, der sich im oberen Teil des Turms befand, eingefroren. Zwei Tage lang schoss ein starker Wasserstrahl an der Wand herunter. Hierbei wurden vermutlich zwanzig Wappen so beschädigt, dass man sie nicht mehr erkennen konnte. Auf Empfehlung der Denkmalpflege gibt es im Bereich, in dem das Wasser die Wappen zerstört hat, graue Flächen, die andeuten, dass auch dort Wappen vorhanden gewesen sind.

In einer Broschüre erinnert Gemeindearchivar Gerd Möller an die Wappen im Bismarck-Turm: “Als Emil Specht 1898/1899 den Bismarck-Turm erbauen ließ, sollte dieses Bauwerk nicht allein die Funktion eines Wasserturms erfüllen, sondern auch eine Erinnerungsstätte für den verstorbenen und von ihm verehrten Reichskanzler von Bismarck aufnehmen.“

Auf vier Etagen hat Emil Specht Erinnerungsstücke und eine kostbare Bismarck-Bibliothek ausgestellt. Nachdem Emil Specht, durch Forderungen aus einer Bürgschaft für seinen Neffen völlig verarmt, an seinem 80. Geburtstag (1846 – 1926) starb, wurde das Museum im Turm aufgelöst, die Gegenstände an verschiedenen Einrichtungen gegeben. Die Bismarck-Bibliothek kaufte der Auer-Verlag in Hamburg. Viele Gegenstände aus der Sammlung im Turm sind im Laufe der Jahre verloren gegangen. Der Turm wurde jahrzehntelang weder als Aussichtsturm noch als Museum genutzt. In den Kriegsjahren diente er der Gemeinde als Lager für Lebensmittel.

1964 ließ die Gemeinde den Wasserturm umbauen und renovieren. Der Wasserbehälter wurde für die Wasserversorgung der Gemeinde nicht mehr benötigt. Er wurde ausgebaut, und in den oberen Stockwerken entstanden Räume für das Gemeindearchiv. In den beiden unteren Stockwerken wurde die Gemeindebücherei eingerichtet.

Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1987 stieß man wieder auf die Wandmalereien und den Fries mit den Stadt-Wappen. Die Wandmalereien waren nur noch teilweise vorhanden. Dort, wo sie noch erkennbar waren, wurden sie restauriert. Etwas besser war der Fries mit den Wappen erhalten. 60 Wappen konnten aufwendig restauriert werden. In seiner Broschüre beschreibt Gerd Möller die abgebildeten Wappen. Hierbei stützt er sich auf das Kosmos-Sammelalbum „Deutsche Stadtwappen“. Teilweise hat Gerd Möller die Beschreibungen auch durch eigene Recherchen ergänzt.

Wer sich die Wappen genau ansehen möchte, hat hierzu am 6. April, um 15 Uhr die Gelegenheit, wenn Gerd Möller wieder zu einer Führungen auf den Bismarck-Turm einlädt. Die rund einstündige Turmbesteigung ist kostenlos. Es wird um eine Spende für das Archiv gebeten. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Daher ist eine Anmeldung unter der Telefon-Nummer 04104 2282 erforderlich.

Lothar Neinass

„Die Briefe sollen nicht bei uns im Magazin lagern. Wir planen, sie in den Städten, die Bismarck zum Ehrenbürger ernannt haben, öffentlich auszustellen“, erläuter der Geschäftsführer der Stiftung: „Wir sehen es als eine unserer wichtigen Aufgaben, die Erinnerung an den Reichkanzler wach zu halten.“

Der erste Ehrenbürgerbrief soll bereits im Juni in der Stadt Lauenburg / Elbe ausgestellt werden.

Lothar Neinass

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Kommt das Tempolimit nach Mölln? Eine Bürgerinitiative macht Vorschläge zur Entlastung der Innenstadt. Das Baumamt hat andere Pläne und will eine Änderung der Einbahnstraßenregelung – um Ausweichverkehr von Süden auszusperren.

13.03.2019
Lauenburg Stecknitz-Schule Krummesse - Schüler lernen, Demokratie zu stärken

Drei Wochen lang gastiert eine Wanderausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Gemeinschaftsschule Stecknitz in Krummesse. Thema: Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen.

12.03.2019

Der Lauenburg’sche Teller ist der kulinarische Höhepunkt der Saison im Herzogtum Lauenburg. Am Dienstagabend ist die Auftaktveranstaltung zur 25. Auflage. 13 Betriebe nehmen im Jubiläumsjahr teil.

13.03.2019