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Lauenburg Horror-Crash: Ex-Admiral zeigt vor Gericht Reue
Lokales Lauenburg Horror-Crash: Ex-Admiral zeigt vor Gericht Reue
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20:44 06.04.2018
26. April 2017: Die Fahrbahn ist übersät mit Trümmern. Zwei völlig demolierte Autos stehen nach einem Zusammenstoß auf der Straße. In dem silbernen Kleinwagen ist eine Frau eingeklemmt. Während die Einsatzkräfte der Feuerwehr versuchen, die 32-Jährige aus der Nähe von Ratzeburg zu befreien, wird sie von Rettungssanitätern und Notarzt betreut. Sie wird in ein Krankenhaus geflogen, wo sie stirbt. Der Fahrer des anderen Autos, ein 79-jähriger Flensburger, kommt mit leichten Verletzungen davon. Gestern stand er vor Gericht. Quelle: Foto: Jeb
Ratzeburg

Den Rettern bot sich damals ein schreckliches Bild. Die Fahrbahn war übersät mit Trümmern. Zwei im Frontbereich völlig demolierte Autos standen nach einem Frontalzusammenstoß auf der Straße. In einem silbernen Kleinwagen war eine Frau schwer eingeklemmt. Die Feuerwehren aus Einhaus, Groß Sarau, Pogeez, Harmsdorf und Ratzeburg waren im Einsatz. Dazu zwei Rettungswagen und ein Notarzt sowie die Polizei und ein Rettungshubschrauber. Während die Retter versuchten, die 32-jährige Frau aus der Nähe von Ratzeburg mit hydraulischem Rettungsgerät zu befreien, wurde sie von Rettungssanitätern und Notarzt betreut. Schnell war klar, dass es sich bei der Eingeklemmten um die Frau eines Feuerwehrmannes handelt, der hier mit am Unfallort war. Der Mann wurde sofort aus dem Einsatz genommen.

Jetzt traf er vor dem Ratzeburger Amtsgericht zum ersten Mal auf den Mann, der ihm seine Frau und seinen beiden Kindern die Mutter genommen hat. Der damals noch 79-jährige Flensburger war mit seinem VW Tiguan aus unerklärlicher Ursache nach links in den Gegenverkehr geraten und frontal in den Mazda der jungen Mutter gekracht. Die trug so schwere Verletzungen davon, dass sie kurz nach ihrer Einlieferung in die Uniklinik in Lübeck verstarb.

Nur schwer ist für die Beteiligten im Gerichtssaal, aber besonders für die Angehörigen im Zuschauerraum das zu ertragen, was Richter Martin Mrozek aus dem Gutachten der Klinik und der Gerichtsmedizinerin vorliest. Nicht nur bei der Mutter der Toten, die mit einem Bild ihrer hübschen Tochter im Gerichtssaal sitzt, laufen die Tränen, auch bei den übrigen Angehörigen und Bekannten, die sie an diesem schweren Tag begleiten.

Dem Richter gegenüber erklärt der 80-Jährige, dass er immer noch Auto fahre. Allerdings heute noch vorsichtiger als früher schon. Und er gab an, dass er noch immer an den Unfall denken müsse. „So etwas lässt einen nicht los.“ Erklären, wie es zu dem Unfall kam, warum er in den Gegenverkehr geraten sei, könne er nach wie vor nicht. Zwar seien es , so sagt es der Bericht des DEKRA-Sachverständigen, nur 50 Zentimeter gewesen, aber die haben eben gereicht.

Auf Nachfrage des Richters erkannte der Mann dann an, dass er den Unfall schuldhaft verursacht hatte. Zwar wählte er zunächst, wie schon zuvor bei allen anderen Einlassungen, die typische Redensart eines altgedienten Soldaten (der Mann war Berufssoldat und zuletzt im Rang eines Admirals). Doch als Staatsanwältin Sabrina Parnitzke zunächst der Auffassung war, es habe kein richtiges Schuldeingeständnis gegeben, wurde der Angeklagte noch einmal deutlicher und gab seine Schuld unumwunden zu.

Das war sicherlich auch das, was der Ehemann und die Mutter der Getöteten hören wollten. Allerdings stellten sich die Angehörigen zuvor auch die Frage, warum der ältere Herr denn immer noch im Besitz der Fahrerlaubnis sei. „Das sind Fragen, die immer wieder bei solchen Prozessen auftauchen“, sagt Rechtsanwalt Lars Peter Kayser aus Flensburg, der den Angeklagten vertrat.

Richter Martin Mrozek hörte auch den Ehemann der ums Leben gekommen Frau. Der sagte unter Tränen aus, dass er nur noch halbtags arbeiten könne, seine berufliche Karriere durch den Unfall zerstört worden sei. Er selbst wie auch die beiden kleinen Kinder von vier und sechs Jahren seien nach wie vor in psychologischer Behandlung. Für sie sei der Tod der Mutter nur sehr schwer zu verarbeiten.

Allerdings hoffe er, bei diesem Prozess auch einen Schlussstrich ziehen zu können. Allerdings komme ja noch der Zivilprozess auf ihn zu, bei dem es dann um Ansprüche wie Schmerzensgeld und Versorgungsleistungen ginge.

Genauso behutsam und vorsichtig, wie Martin Mrozek den gesamten Prozess bis zu diesem Zeitpunkt geführt hatte, machte er nun allen Beteiligten klar, wie er sich das Ende vorstellen könne. Da der Angeklagte ja die Schuld eingestanden habe, könne er sich vorstellen, das Verfahren einzustellen mit der Maßgabe, eine entsprechende Summe an die beiden Kinder des Opfers zu zahlen.

Diesem Vorschlag wollten denn auch Staatsanwältin Sabrina Parnitzke und Rechtsanwalt Lars Peter Kayser folgen. Die Staatsanwältin formulierte die Summe der Zahlung auf insgesamt 10000 Euro. „Das entspricht auch der Zahlung, die bei einer Verurteilung an den Staat oder eine Einrichtung wie Feuerwehr oder Straßenverkehrswacht geflossen wäre. Bei den Kindern ist das Geld allerdings viel besser aufgehoben“, so Mrozek.

Bis zum 31. Mai hat der ehemalige Admiral aus Flensburg nun Zeit das Geld zu überweisen. Dann gilt das Strafverfahren als eingestellt.

 Jens Burmester

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