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Lauenburg Kissel: „Wir sammeln weiter Plastikdeckel“
Lokales Lauenburg Kissel: „Wir sammeln weiter Plastikdeckel“
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17:26 02.09.2019
Ganze zwei Autoladungen voll mit gesammelten Plastikflaschendeckeln lieferten die Berkenthiner Landfrauen (v. l. Roswitha Tietzel, Angelika von Keiser, Erika Scheel, Angela Bode, Anne Martin, im Hintergrund AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel, Hella Wulf und Eva-Maria Goldt-Klimkeit von der Polio-Selbsthilfegruppe) am Ratzeburger Wertstoffhof ab - zwei 240-l-Abfalltonnen voll.
Ganze zwei Autoladungen voll mit gesammelten Plastikflaschendeckeln lieferten die Berkenthiner Landfrauen (v. l. Roswitha Tietzel, Angelika von Keiser, Erika Scheel, Angela Bode, Anne Martin, im Hintergrund AWSH-Geschäftsführer Dennis Kissel, Hella Wulf und Eva-Maria Goldt-Klimkeit von der Polio-Selbsthilfegruppe) am Ratzeburger Wertstoffhof ab - zwei 240-l-Abfalltonnen voll. Quelle: Joachim Strunk
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Ratzeburg/Berkenthin

Seit sechs Jahren existiert die Aktion des Serviceclubs der Rotarier: Sie sammeln Plastikdeckel der PET-Einwegflaschen und verkaufen sie an Recycling-Unternehmen. Der erzielte Erlös fließt in das Projekt „500 Deckel . . . für ein Leben ohne Kinderlähmung“.

500 Deckel wiegen etwa ein Kilo. Der erzielte Gegenwert reicht für eine Polio-Impfung. Polio, also Kinderlähmung ist eine hoch ansteckende Krankheit, die vor allem Kleinkinder, aber auch Erwachsene befällt. Das Virus verursacht dauerhafte Lähmungen oder Verkrüppelungen, kann sogar tödlich wirken.

In Deutschland ist die Erkrankung äußerst selten geworden, doch in Entwicklungsländern gibt es nach wie vor eine große Ansteckungsgefahr.

Die Aktion war bislang sehr erfolgreich, wie Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) und selbst aktiver Rotarier, erklärt. Das Problem: Sinkende Rohstoffpreise und vor allem eine neue Richtlinie der EU, dass Plastikflaschen ab 2020 mit Deckeln abzugeben sind, haben dazu geführt, dass Rotary Deutschland die Aktion bundesweit beendet hat.

Dem will sich Kissel, Fachmann in Sachen Entsorgung, nicht so einfach anschließen: „Solange wir noch sammeln können – und das tun sehr viele Ehrenamtler, Freiwillige, Schulkinder oder einfach umweltbewusste Bürger –, halten wir daran fest“, sagt er.

Der 2014 von Kissel und Gleichgesinnten gegründete Verein „Deckel drauf“ verfüge über noch genügend Anlaufstellen, habe die notwendigen Lagerkapazitäten und auch den schnellen Zugang zur Verwertungsanlage in Lüneburg.

Mit viel Freude und Enthusiasmus entleerten die Landfrauen ihre Körbe und Säcke mit Plastikdeckeln in die Abfalltonnen, Eva-Maria Goldt-Klimkeit von der Polio-Selbsthilfegruppe kann da nur mit offenem Mund staunen. Quelle: Joachim Strunk

Das freut natürlich die eifrigen Sammlerinnen und Sammler – wie jetzt die Landfrauen aus Berlin. Die rückten mit gleich zwei ganzen Autoladungen voll am Wertstoffhof in Ratzeburg an und übergaben stolz ihre Schätze an Kissel und die bereitstehenden Abfallbehälter.

Neun Millionen Impfungen

Ebenso freute sich Eva-Maria Goldt-Klimkeit von der Polio-Selbsthilfegruppe für Menschen mit Kinderlähmungsfolgen, die bereits bei der Auftaktveranstaltung im Juni 2014 bei Edeka Süllau anwesend war. „Jeder Deckel zählt und hilft“, sagte sie.

Das bestätigte auch Dennis Kissel: „Seit wir 2014 angefangen haben, haben wir einen Erlös von jetzt 350 000 Euro erzielt. Das entspricht mehr als neun Millionen Impfungen!“

Von Joachim Strunk