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Lauenburg Abgeordnete bestätigen negative Folgen von Krämers Fehlzeiten
Lokales Lauenburg Abgeordnete bestätigen negative Folgen von Krämers Fehlzeiten
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15:24 21.01.2015
Quelle: Florian Grombein
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Ratzeburg

In einem Offenen Brief an die Kreistagsabgeordneten kritisiert Ursula Butzloff-Tabbert aus Rondeshagen den Umgang der Politiker mit den häufigen Fehlzeiten des scheidenden Landrats Gerd Krämer, die Verkrustung der Kreisverwaltung und den bisherigen Wahlkampf um den Posten des Verwaltungschefs. Die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag schickte den Brief an alle Fraktionen (wie berichtet). Doch was ist dran an den Vorwürfen, die seit langem als Gerüchte durch die Flure der Verwaltung geistern? Abgeordnete aller Fraktionen reagieren auf den Brief.

„Das Bild der Kreisverwaltung wurde durch die Fehlzeiten des Landrates immer blasser. Überregional wurde die Kreisverwaltung nicht mehr wahrgenommen“, sagt etwa der Vorsitzende der SPD- Kreistagsfraktion, Jens Meyer aus Lauenburg. Auch bevor sich ein Rentner in Krämers Büro erschoss, sei der Landrat häufig krank gewesen, erklärt der SPD-Kandidat für die Landratswahl am Donnerstag.

Auf die Frage, ob er verstehen könne, dass es bei einigen Bürgern Kopfschütteln auslöse, dass ein dienstunfähiger Verwaltungschef lange zu vollen Bezügen beschäftigt sei, sagte er: „Das kann ich gut verstehen. Angesichts der Erlebnisse des Landrates war jedoch Fairness geboten.“ Alternativ zum jetzigen Vorgehen der Verwaltung hätte ein Amtsarzt die Gesundheit Krämers prüfen müssen — ein langes Verfahren. Ob Krämer in der Verwaltung Rückendeckung gehabt habe, weiß er nicht. Er habe aber Stimmungen wahrgenommen. „Wenn der Chef einer Firma nicht permanent anwesend ist, kann die Stimmung der Mitarbeiter kippen“, glaubt Meyer.

Die aktuelle Fraktionsvorsitzende der Grünen, Annedore Granz, erklärt: „Ich habe das Gefühl, dass der Kreis Herzogtum Lauenburg in den vergangenen Jahren in den Landesgremien nicht optimal vertreten wurde.“ Über die Rückendeckung des Landrates in der Kreisverwaltung habe sie keine Kenntnisse.

„Die vielen Fehltage von Herrn Krämer waren sicher eine Belastung“, erklärt die SPD-Kreistagsabgeordnete Gitta Neemann-Güntner. Möglicherweise hätte es schneller zu einer Entscheidung über die Dienstunfähigkeit kommen müssen. Doch das liege nicht im Ermessen der Politik. Es sei schwierig, wenn der Kopf der Verwaltung lange Zeit fehle. Sie könne auch verstehen, dass Bürger das Beamtenrecht kritisch betrachteten. „Ich möchte jedoch nicht den Stab über Herrn Krämer brechen. Man muss berücksichtigen, dass hinter dem Amt ein Mensch steht“, gab Neemann-Güntner zu bedenken.

Zum Krankenstand und zur Akzeptanz des Landrates will Thomas Kuehn, Chef der FDP-Kreistagsfraktion, sich nicht äußern. Er sei erst seit 2013 im Kreistag. „Wenn ein Landrat häufig fehlt, ist es wohl zwangsläufig so, dass der Kreis nicht optimal präsentiert wird“, vermutet Kuehn jedoch. Von Parteikollegen habe er stets gehört, dass Gerd Krämer ein guter Landrat mit viel Fachwissen sei. Bei Veranstaltungen sei er ein gern gesehener Gast gewesen.

„Ich kann das nicht nachvollziehen“, kommentiert der Fraktionschef der CDU im Kreistag, Norbert Brackmann den Offenen Brief. „Ich finde es schäbig, über einen Kranken mit so langer Dienstzeit öffentlich herzuziehen.“ Er habe nicht den Eindruck, dass Krämer in seiner Amtszeit Defizite gehabt habe.

Manfred Liedke, Kreistagsabgeordneter der Partei „Die Linke“, findet es rechtens, dass der Landrat seine vollen Bezüge bis zum Ruhestand erhält. „Das wäre in der freien Wirtschaft auch nicht anders, wenn jemand erkrankt“, so Liedke. Auch er kann jedoch davon berichten, dass Krämer seit Jahren häufig krank war. Doch er möchte fair bleiben: „Herr Krämer blickt auf 50 Dienstjahre zurück. Das schaffen nicht viele.“ Liedke glaubt, dass die Stellung des Landrates innerhalb der Verwaltung größer wäre, wenn er wieder vom Volk gewählt werden würde.

Der Kreisvorsitzende der Liberalen, Christopher Vogt, meint: „Ich habe es für richtig gehalten und begrüßt, dass der Landrat vor einigen Monaten ein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, da er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, seine Aufgaben wahrzunehmen. Die Diskussion, ob dies nun zum exakt richtigen Zeitpunkt geschehen ist, finde ich im Nachhinein müßig. Ich danke Herrn Krämer im Namen des FDP-Kreisverbandes für seine Verdienste.“

Florian Grombein