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Lauenburg Ärztemangel bald auch in unserem Kreis
Lokales Lauenburg Ärztemangel bald auch in unserem Kreis
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10:53 22.01.2019
Das Team der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Krummesse (im Bild v. l. Dr. Axel Kropp, Dr. Ulrich Hagemeister, Dagmar Hagemeister, Martin Magiera) vor der Praxis in der Langen Reihe 16 in Krummesse. Quelle: Joachim Strunk
Berkenthin/Krummesse

Mitarbeiterinnen und „Stammkunden“ wunderten sich im Dezember, und hier besonders in der ansonsten ruhigen Zeit „zwischen den Tagen“, über den großen Ansturm an Patienten in der Krummesser Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in der Langen Reihe. Was viele noch nicht wussten: Der Zulauf resultierte aus der Schließung einer medizinischen Praxis im Nachbarort Berkenthin.

Der dort ansässige Hausarzt musste aus gesundheitlichen Gründen seine Tätigkeit unerwartet beenden. Mitte November war die Tür seiner Praxis in Berkenthin für seine Patienten verschlossen. Die suchten notgedrungen nach Alternativen. Im Zentralort des Amtes Berkenthin gibt es nur noch eine weitere Hausarzt-Praxis sowie in den Nachbarorten Kastorf und Krummesse je eine.

Auf Bitten des Kollegen bemühten sich die Krummesser Ärzte um eine vorübergehende Lösung. Durch eine Sondergenehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Schleswig Holstein mit Sitz in Bad Segeberg dürfen sie nun in Berkenthin eine „Sicherstellungszweigpraxis“ betreiben. „Aber vorerst nur für dieses Jahr“, erklärt Dr. Axel Kropp aus Krummesse.

„Wollen Versorgung garantieren“

Lange hätten er und seine Kollegen Dagmar Hagemeister und Martin Magiera sowie der eigentlich schon pensionierte Praxisgründer Dr. Ulrich Hagemeister überlegt, was sie machen sollten.

Kropp stellt klar: „Uns treibt kein wirtschaftliches Interesse. Unser Streben ist nicht gewinnorientiert, sondern wir wollen zum einen den Patienten jenseits des Kanals, also in Berkenthin, Rondeshagen und umliegenden Dörfern, eine vernünftige Medizin anbieten, sprich die Versorgung garantieren.“ Zum anderen wollten sie mit dieser Maßnahme die eigene überlaufene Praxis in Krummesse verschlanken.

Auf lange Sicht hilft nur Verstärkung

Sorgen bereiten Hagemeister, Kropp und Magiera dennoch die mögliche eigene personelle Be- oder gar Überlastung. „Wir haben es derzeit so gelöst, dass wir drei uns je einen Vormittag in Berkenthin abwechseln. Uli Hagemeister hat sich bereit erklärt – und dafür hat er auch eine Sondergenehmigung der KV bekommen –, uns in Krummesse auszuhelfen.“

Auf lange Sicht hilft aber nur Verstärkung. Und wo die herkommen soll, ist ungewiss. Denn der schon lange angedrohte Ärztemangel auf dem Land ist auch im Kreis Herzogtum Lauenburg absehbar.

Großes Problem der Nachfolge

Laut Angaben der KV gibt es derzeit im Kreis Herzogtum Lauenburg 120 hausärztliche Stellen, was einem Versorgungsgrad von knapp unter 110 Prozent entspricht. Im gesamten sogenannten Mittelbereich, der aus den Regionen Mölln und Ratzeburg besteht, sei derzeit gerade einmal eine halbe zusätzliche Stelle geöffnet, wie Marco Dethlefsen, Sprecher der KV, auf LN-Anfrage berichtet.

„Einen akuten landesweiten Ärztemangel gibt es in Schleswig-Holstein aktuell nicht“, erklärt Dethlefsen. Obwohl in allen Facharztbereichen der Versorgungsgrad erreicht oder zumeist sogar überschritten sei, „kommt es leider jetzt schon vereinzelt vor, dass Ärzte für ihre Praxis keinen Nachfolger finden, was sich natürlich auf die Versorgung in der Region auswirkt“.

Eigenen Nachwuchs motivieren

Künftig könne sich die Situation noch verschärfen. Dethlefsen: „Rund ein Drittel der 1985 Hausärzte im Land ist 60 Jahre oder älter. Diese gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand“. Auch bei den Fachärzten verhalte es sich ähnlich. Wann genau die Ärzte in Pension gingen, wisse man nicht. Bei niedergelassenen Ärzten gebe es kein gesetzliches Renteneintrittsalter, manche arbeiteten noch mit 70 oder darüber hinaus.

Nachwuchsförderung

Damit möglichst viele junge Ärztinnen und Ärzte auch in Zukunft im ambulanten Bereich praktizieren – sei es als Praxisinhaber oder angestellt in einer Praxis –, hat die KVSH bereits vor acht Jahren eine Nachwuchskampagne gestartet, die vor allem bei Medizinstudenten Lust aufs Niederlassen machen soll: www.mehr.arzt.leben.de und www.facebook.com/mehrarztleben.

Außerdem fördert die KV laut Sprecher Marco Dethlefsen gemeinsam mit den Krankenkassen gezielt Ärzte in Weiterbildung finanziell, die praktische Erfahrungen im hausärztlichen Bereich sammeln beziehungsweise sich auf dem Weg zum Hausarzt oder Facharzt (z. B. Kinderärzte) befinden. Außerdem unterstützt die Kassenärztliche Vereinigung das sogenannte Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin, das angehende Hausärzte betreut.

So also gilt es in der Branche, den eigenen Medizinernachwuchs aus den Universitäten für den Job des Landarztes zu motivieren. Die Krummesser Gemeinschaftspraxis ist schon seit Jahren Weiterbildungspraxis, in der Studierende sowohl zweiwöchige Blockpraktika als auch das „Praktische Jahr“ zum Ende des Studiums absolvieren können.

Auch eine zweijährige Weiterbildungsassistenzstelle ist gerade in Krummesse besetzt worden. Dr. Franziska Hainer, die bereits eine Weiterbildung in Kinderchirurgie absolviert hat, macht hier eine Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin. Das Team hofft, dass sie nach ihrer Einarbeitung die drei Kollegen in der Patientenbetreuung entlasten könnte.

Ob Dr. Hainer später möglicherweise als Teilhaberin in die Gemeinschaftspraxis einsteigt, steht noch in den Sternen und hängt von mindestens zwei Faktoren ab: zuerst einmal vom eigenen Berufs- und Lebensziel und dann auch von der Zuteilung eines Kassensitzes durch die KV.

Joachim Strunk

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