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Lauenburg Rezepte gegen Ärztemangel im Lauenburgischen gesucht
Lokales Lauenburg Rezepte gegen Ärztemangel im Lauenburgischen gesucht
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07:00 25.09.2019
Podiumsdiskussion bei den Grünen in Mölln zum Thema Medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Es diskutierten am Tisch v. l.: Dr. Knut Schnell (Digitalisierungsexperte und ärztlicher Direktor Asklepiosklinik Göttingen), Silke Lüder (stellvertretende Vorsitzende Freie Ärzteschaft), Harald Schrader (niedergelassener Zahnarzt in Schwarzenbek und Bundesvorsitzender Freier Verband Deutscher Zahnärzte), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Sprecherin für Gesundheitsförderung von Bündnis 90/Die Grünen aus Bremen), Konstantin von Notz (MdB aus Mölln und Gastgeber), Silvia Bühler-Toebe (Digitalstrategin vom Paul Albrechts Verlag, Lütjensee), Sören Schmidt-Bodenstein (Techniker Krankenkasse. Leiter Landesvertretung SH) und Prof. Dr. Matthias Heringlake (Pflegeexperte der FDP und Oberarzt am UKSH Lübeck). Quelle: Joachim Strunk
Mölln

Selbst unter Experten und Berufskollegen herrscht Uneinigkeit, wie künftig das ärztliche Versorgungssystem – vor allem auf dem Land – aufrecht erhalten bleiben soll. Die einen plädieren für die Beibehaltung des bestehenden Systems mit einzelnen Arztpraxen, andere sprechen sich für medizinische Versorgungszentren (MVZ) aus, wie es sie in Einzelfällen (Büchen) auch schon gibt, oder ausgeweitete Gemeinschaftspraxen in regionalen Zentralorten.

„Es knirscht im System“, stellt Konstantin von Notz, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen aus Mölln, fest. Und es knirscht gewaltig. Daher lud er in der vergangenen Woche zu einer Podiumsdiskussion nach Mölln ein. Mit sieben Fachleuten war die Veranstaltung bestens bestückt – vielleicht zu gut angesichts nur 19 Zuhörern, immerhin interessierte Fachleute und Berufsangehörige der Ärzteschaft.

„Landarzt“ – Romantik, Glück und Versorgung?

Fest steht: Es mangelt an Ärztenachwuchs. Vor allem an der Bereitschaft von Medizinern, nach dem Studium in die Region oder Provinz zu gehen – als „Landarzt“. Was bei vielen Fernsehzuschauern gleichnamiger Serien mit den Begriffen Romantik, Versorgung und Glück verbunden wird, ist bei den jungen Ärzten eher eine Sache der Überforderung, der 24-Stunden-Dienste, der Allzeit-Bereitschaft ohne Chance auf eigene Freizeit, Privatheit oder gar Verdienst.

Ambulante Versorgung im Kreis

Der Ärztebedarfin einer Region richtet sich nach der Zahl der Einwohner in einem Planungsbereich. Dieser gilt als überversorgt und damit gesperrt, wenn die Arztdichte einer Fachgruppe einen Wert von mehr als 110 Prozent erreicht. Es gilt ein Zulassungsstopp. Ärzte und Psychotherapeuten können sich dort nur zusätzlich niederlassen oder in einer Praxis anstellen lassen, wenn der Versorgungsgrad unter 110 Prozent fällt - beispielsweise wenn durch Rückgabe einer Zulassung Arztsitze frei werden.

Normale Nachbesetzungen von Praxen - wenn ein Arzt in Ruhestand geht, ein Nachfolger die Praxis übernimmt - sind in der Regel auch erlaubt, wenn der Versorgungsgrad bei mehr 110 Prozent liegt. Im Folgenden die Zahl der entsprechenden Stellen, der Angabe des Versorgungsgrades – und dem Durchschnittsalter der aktiven Ärzte.

Hausärzte: Im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg gibt es 121 hausärztliche Stellen (niedergelassene und in Praxen angestellte Ärzte, auch in Teilzeit). Davon im Mittelbereich Mölln 37 (= Versorgungsgrad von 110,7 Prozent), im Mittelbereich Ratzeburg 26 (114,3 Prozent) und in der Metropolregion Südost 172,5 (109,9 Prozent). Der gesamte Mittelbereich Mölln und Ratzeburg ist damit für eine halbe zusätzliche Hausarzt-Stelle geöffnet. Durchschnittsalter: 55,5 Jahre.

Augenärzte: Versorgungsgrad im gesamten Kreis 114,9 Prozent; Gesamtzahl Stellen: 9,5; Durchschnittsalter: 52,6

Chirurgen und Orthopäden: 120,9 Prozent/14/52,6

Frauenärzte: 120,2 Prozent/18/56

Hautärzte: 118,6 Prozent/5,5/56

HNO-Ärzte: 113,3 Prozent/6,5/55,9

Kinderärzte: 154,1 Prozent/12/51,5

Nervenärzte: 115,1 Prozent/6,9/59,7

Psychotherapeuten: 139,9 Prozent/29,6/59,1

Urologen: 142,7 Prozent/5,5/49,6

Internisten: 179,6 Prozent/15,5/52,8 

Auch im Kreis Herzogtum Lauenburg kam es zuletzt zu Situationen, wo ein niedergelassener Arzt erst nach etlichen Jahren vergeblicher Suche Nachfolger fand, eine andere Praxis wegen plötzlicher Erkrankung eines Allgemeinarztes nur durch individuelle Bereitschaft benachbarter Kollegen weiter bestehen konnte.

Fehlversorgung bei der Geburtshilfe

Die grüne Sprecherin für Gesundheitsförderung Dr. Kirsten Kappert-Gonther aus Bremen (die gerade gemeinsam mit Cem Özdemir um das Amt der Bundestagsfraktion gegen die bisherigen Amtsinhaber Anton Hofreiter und Katrin Göring-Eckart antritt) erklärte, obwohl „eine Menge Geld im Gesundheitssystem“ da sei, sehe sie dennoch „Unterversorgung in einzelnen Bereichen wie etwa bei Hebammen oder in der Erreichbarkeit von Arztpraxen“. Vor allem in der Geburtshilfe gebe es eine Fehlversorgung.

Konstantin von Notz, grüner Bundestagsabgeordneter aus Mölln, mit Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesundheitsförderung von Bündnis 90/Die Grünen und Co-Bewerberin von Cem Özdemir um den Fraktionsvorsitz der grünen Bundestagsfraktion in Berlin. Quelle: Joachim Strunk

Doch wie will man den Nachwuchs motivieren, sich auch für die Fläche zu interessieren und nicht nur in Krankenhäusern, Städten und Metropolen zu praktizieren? Die finanziellen Mittel sind begrenzt – vor allem, so die anwesenden Gäste aus der Ärzteschaft, wenn man die erforderlichen, zum Teil sogar überfordernden Investitionen der Fachärzte in technische Geräteschaft berücksichtigt: „Kaum noch zu schaffen!“

Telemedizin noch lange nicht ausgereift

Eine Möglichkeit sei es, wenn sich Ärzte in größeren Gemeinschaftspraxen zusammen schließen würden. Von Notz: „Größere zentrale Einheiten liefern eine bessere Versorgungsqualität“. Das können theoretisch auch Praxen ohne Arzt sein, aber mit medizinischen Fachangestellten, Praxisassistentinnen und Pflegefachkräften.

Gleichzeitig müsse man aber auch das Angebot in den Ortschaften so entwickeln, „dass die Leute keine Angst haben müssen, dass ihnen nicht geholfen werden kann“, so von Notz. Die Möglichkeit von Telemedizin, also eine ärztliche Beratung über Bildschirm und Internet, ist trotz eines Pilotprojektes im Südkreis des Herzogtum Lauenburg noch lange nicht ausgereift. Viele Experten glauben eher, dass sich die fachärztliche Versorgung auf dem Land an Krankenhäusern vor Ort konzentrieren wird.

KV sieht keinen akuten Ärztemangel

Stichwort Telemedizin und Digitalisierung: Die anwesenden Mediziner-Gäste waren eh der Meinung, dass hier noch lange nicht die technischen Voraussetzungen geschaffen seien, um die Patienten auch entsprechend gut betreuten zu können. Es gebe kaum Leitungen oder Verbindungen zu den Arbeitgebern (Stichwort: digitale Krankschreibung) oder Krankenkassen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) für Schleswig-Holstein mit Sitz in Bad Segeberg sieht die Situation eines möglichen Ärztemangels nicht so dramatisch. Marco Dethlefsen, Sprecher der KV, erklärte gegenüber den LN: „Einen akuten, landesweiten Ärztemangel gibt es in Schleswig-Holstein aktuell nicht. Es kommt allerdings schon vereinzelt vor, dass Ärzte für ihre Praxis keinen Nachfolger finden, was sich natürlich auf die Versorgung in der Region auswirkt.“

Konstantin von Notz, Gastgeber der Podiumsdiskussion, weiß selbst, dass hier noch lange nichts ausverhandelt ist: Es handele sich um „ein komplexes und kompliziertes Thema“. Für die Grünen sei es daher ein Anreiz, „um allen Beteiligten ein gutes Angebot machen zu können“. Das könnten – oder würden sogar – auch alle anderen konkurrierenden Parteien in jedem Wahlkampf so sagen.

Von Joachim Strunk

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