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Lauenburg Alles gut gegangen: Bombe entschärft
Lokales Lauenburg Alles gut gegangen: Bombe entschärft
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11:30 30.06.2018
Karlheinz Werbitzky (links) und Henning Schill bereiten die Bombe für den Abtransport vor.
Lauenburg

Noch gut 200 von ursprünglich 500 Kilo Sprengstoff, vorn ein empfindlicher Aufschlagzünder und am hinteren Ende schon zersplittert: Mit einer solchen ungewöhnlichen Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatte es der Kampfmittelräumdienst gestern Mittag in Lauenburg zu tun.

„Mit Ruhe, Geduld und Erfahrung sowie reichlich Öl zum Lösen des festgerosteten Zünders hat es dann geklappt“, berichtete Sprengmeister Heinz Kollath, der den Zünder aus der Bombe entfernte. „Ich habe ihn Millimeter für Millimeter rausgeschraubt“, so Kollath. Auf einem Stahlgestell hatten die Männer des Teams den Blindgänger mit einem Spanngurt für die brenzligen Momente der Aktion sicher fixiert.

Noch gut 200 von ursprünglich 500 Kilo Sprengstoff, vorn ein empfindlicher Aufschlagzünder und am hinteren Ende schon zersplittert: Mit einer solchen ungewöhnlichen Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hatte es der Kampfmittelräumdienst gestern Mittag in Lauenburg zu tun. In der Stadt hielt man den Atem an, als der Blindgänger von 10.55 Uhr an auf den Söllerwiesen im Industriegebiet am Elbufer entschärft wurde.

In der Zwischenzeit mussten etwa 700 Menschen die im Sperrradius um den Fundort herum liegenden Betriebe verlassen. Betroffen waren außerdem einige Häuser am Bahnhof. Gesperrt wurden die Bahnstrecke zwischen Lübeck und Lüneburg, die Bundesstraße 209 sowie der Elbe-Lübeck-Kanal. „Wir waren mit gut 30 Einsatzkräften vor Ort“, berichtete Polizeisprecher Holger Meier. „Es gab nur vereinzelt einige Behinderungen“, sagte er. Der Posten an der Hafenstraße musste immer wieder mit Autofahrern diskutieren. Auch, weil die Sperrung früher als angekündigt stand und der Weg gen Niedersachsen eher als gedacht dicht war. „Gehen Sie doch einen Kaffee trinken“, rieten die Polizisten den betroffenen Autofahrern von langen Umwegen ab.

„Hat man denn schon etwas gehört?“, erkundigte sich Michael Rogler von Resling-Glasrecycling im Lagezentrum von Stadt, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz an der Ladestraße.

„Wir hatten zwischendurch keinerlei Kontakt zu den Entschärfern“, berichtete Reinhard Nieberg, der Leiter des Stadtentwicklungsamtes. Im Umkreis von gut 500 Metern hielt sich niemand außer Ocklenburg, Kollath, Timo Thode, Henning Schill und Karlheinz Werbitzky vom Kampfmittelräumdienst auf. Routiniert, aber aufmerksam gingen die Männer vor.

Die Mitarbeiter vom Chemiewerk Worlée, das eigens Prozesse der Produktion heruntergefahren hatte, trafen sich im Mosaik zur Betriebsversammlung, machten dann Feierabend. „Wir haben Termine verlegt und Lieferungen verschoben“, sagte Manfred Kommritz vom Rohrgroßhandel Stock. „Ich denke, die Entschärfung wird schon gut gehen“, erklärte er, bevor er sein nur 200 Meter entfernt liegendes Büro räumen musste. Sorgen bereitete ihm, dass keine Versicherung mögliche Schäden abdeckt, würde etwas schief gehen.

Es ging aber alles gut. Bis zum Schluss standen die Einsatzkräfte an den Absperrungen, beriet das Lagezentrum. „Der Kampfmittelräumdienst hat uns Profis geschickt“, zog Nieberg später Bilanz. „Die Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen hat gut geklappt.“ Der Blindgänger wurde in einen Transportsack und auf eine Palette geladen und am Nachmittag zunächst nach Groß Nordsee bei Kiel zum Kampfmittelräumdienst abtransportiert. Nun steht nur noch die fachgerechte Entsorgung in Munster aus.

Der Blindgänger war der erste Bombenfund in Lauenburg. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg nur einmal 1941 im Bereich des Elektrizitätswerkes an der Palmschleuse bombardiert. Vermutet wird, dass der Blindgänger von einem amerikanischen Flugzeug stammt, das sich auf dem Heimweg nach einem Angriff von seiner schweren Last befreite. Mehr als 70 Jahre lag die Bombe unberührt, aber teilweise zerstört in fast vier Metern Tiefe unter einer Wiese unweit des Elbdeiches.

Fotohonorar an Engländer

Anhand von Luftbildern hatte sich beim Kampfmittelräumdienst eine Verdachtsfläche als möglicher Abwurfort einer Bombe ergeben. Bei Sondierungen vor Ort war man dann vor zwei Wochen auf die 1000-ibs-Bombe gestoßen.

Sprengmeister Georg Ocklenburg geht davon aus, dass es ein Einzelfund bleibt. Hinweise auf weitere Blindgänger in Lauenburg habe man aktuell nicht. Es gibt aber immer noch neue Luftbilder zur Auswertung. Pro Bild im DIN A-Format zahlt der Kampfmittelräumdienst 60 Euro an die Engländer, die die Fotos liefern.

Timo Jann