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Lauenburg Bald Breitband an jeder Milchkanne
Lokales Lauenburg Bald Breitband an jeder Milchkanne
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15:28 18.11.2019
Auch das Eckgrundstück an der Kreuzung Salemer- und Seestraße/Landesstraße 203 (von Ratzeburg Richtung Seedorf) ist noch nicht erschlossen, soll aber baldmöglichst über eine Breitbandanbindung verfügen. Quelle: Joachim Strunk
Salem/Ratzeburg

Es ist fast vollbracht! Mit dem einstimmigen Beschluss des Amtsausschusses Lauenburgische Seen gaben die Bürgermeister und Ausschussmitglieder grünes Licht für den letzten Lückenschluss. Spätestens Ende 2020 soll jedes Grundstück – und damit „jede Milchkanne“ – im Flächenamt Lb-Seen ans Glasfasernetz angeschlossen sein.

Fast wäre man damit das schnellste Amt im ganzen Land geworden, bestätigt Richard Krause, Geschäftsführer des Breitbandkompetenzzentrum Schleswig-Holstein (BKZSH) in Kiel. „Das Amt Jevenstedt war einen Tick schneller, ist aber auch früher angefangen“, so Krause.

Vor zehn Jahren – 2009 – begannen die Vereinigten Stadtwerke GmbH (VSG) mit den Arbeiten zur Breitband-Versorgung in den Ämtern Berkenthin, Breitenfelde und Sandesneben-Nusse. Es folgten weitere Ämter in Nordstormarn, im Herzogtum Lauenburg, in den Städten Bad Oldesloe, Mölln und Ratzeburg. Nur das Amt Lauenburgische Seen, im Nordostzipfel des Kreises Herzogtum Lauenburg, musste sich gedulden.

Nur noch 25 „Außenlieger“

Denn hier zierten sich die VSGler angesichts hoher Kosten für den großflächigen Netzbau. Für die Dörfer war das dagegen kein Argument. Von 2007 bis 2010 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt, 2011 bis 2012 ein Trassenkonzept für die Erschließung erarbeitet.

2013 war Ziethen als erste Gemeinde im Amt angeschlossen, ein Jahr später kamen Kulpin und Harmsdorf hinzu, von 2015 bis 2019 die restlichen 22 Gemeinden.

Allerdings: In der Entwurfsphase 2013/14 wurden 126 Wohneinheiten in den Außenbereichen der Gemeinden ermittelt, die die Ausbaukriterien aus Unwirtschaftlichkeit nicht erfüllten. Durch die ständige Überprüfung der Leitungstrassen für die Ortsverbindungskabel konnten diese 126 allerdings auf 53 Wohneinheiten auf 25 Grundstücken, den sogenannten „Außenliegern“, reduziert werden.

Groß Disnack ist im Innenbereich – wie alle anderen 24 Amtsgemeinden – bereits zu 100 Prozent an das Glasfasernetz angeschlossen. Rechts im Hintergrund kann man bei klaren Wetterverhältnissen die Silhouette der Hansestadt Lübeck erkennen. Quelle: Joachim Strunk

Diese „Außenlieger“ sind wenige Häuser und Grundstücke im Wald (im Bartelsbusch bei Groß Disnack), am Wasser (Jugendheim/Restaurant „Fährhaus Rothenhusen“) oder auf der Heide (Zeltplatz am Ansveruskreuz in Einhaus).

VS Media einziger Wettbewerber

Auf eine EU-weite Ausschreibung meldete sich lediglich die VS Media. Die Telekom wurde zwar auch angesprochen, doch diese konnte die versprochenen Leistungen nicht bieten. Insofern ist die VSM am Zug.

Rechtsanwalt Stefan Latosik von der das Amt beratenden Kanzlei Kapellmann (Hamburg) versicherte, dass die Telekom keine Einwände gehabt und somit auch keine nachträglichen Klagerechte habe. Auch der entsprechende Zuwendungsvertrag (das Amt als Schnittstelle bei der Übergabe des Geldes vom Land an die VSM) sei so formuliert, dass „wir uns gegen jedwede Eventualitäten abgesichert haben“, so Latosik.

Der Amtsausschuss Lauenburgische Seen tagte im Salemer Gemeindehaus und votierte einstimmig für die „Lückenschließung“ im Breitbandnetz. Links im Bild Rechtsanwalt Stefan Latosik, Amtsleiter Werner Rütz und Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff. Rechts stehend der gastgebende Bürgermeister Herbert Schmidt. Quelle: Joachim Strunk

VS Media hatte eine Wirtschaftlichkeitslücke von 1,37 Millionen Euro errechnet. Das ist der Verlust, den das Unternehmen in einem Zeitraum von sieben Jahren bei komplett eigener Kostenübernahme gehabt hätte. Diese 1,37 Millionen werden nun aber zu drei Vierteln vom Land und vom Bund gefördert, sodass auf das Amt Lauenburgische Seen „nur noch“ 360 000 Euro entfallen.

Summe aus der Amtsumlage – kein Kredit!

Diese Summe soll direkt aus der Amtsumlage (beziehungsweise 1,15 Prozent davon) entnommen werden. Auf einen 20-jährigen Kredit, der dann eine jährliche Tilgung von 18 000 Euro laut dem Leitenden Verwaltungsbeamten Werner Rütz ergeben hätte, verzichten die Dörfer.

Matthias Schubert, Unternehmensleiter VS Media, erklärte: „Da wir bereits alle 25 Amtsgemeinden zwischen 2015 und 2017 an unser Gigabitnetznetz angeschlossen haben, ist es das erste Amt, in dem wir 100 Prozent der Haushalte mit einem echten Glasfaseranschluss versorgen können. Die Umsetzung ist bis Ende 2020 geplant“.

Amtsvorsteher Heinz Dohrendorff dankte den Ausschussmitgliedern nach den beiden Abstimmungen ausdrücklich: „Auf dieses erreichte Ziel nach zwölf Jahren Planung und abschnittsweisen Ausführungen können wir jetzt stolz sein. Dies dürfte wohl in Schleswig-Holstein bisher einmalig sein!“

Das stimmt nach Aussage von Richard Krause (BKZSH) nun leider nicht. „Aber die Situation im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg ist sehr, sehr gut. In zwei Jahren sollte er es – weit vor dem Landesziel! – schaffen, als erster Gesamtkreis komplett mit Glasfaseranschlüssen versorgt zu sein“, so Krause.

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Von Joachim Strunk

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