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Lauenburg Auch die Wälder verdursten – hoher Forstschaden erwartet
Lokales Lauenburg Auch die Wälder verdursten – hoher Forstschaden erwartet
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21:31 03.08.2018
Henner Niemann, Fachbereichsleiter Forst im Kreis. Quelle: Foto: Hm
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Fredeburg

„Bei uns hat es seit Ostern praktisch nicht geregnet. Der Wald ist ausgedörrt und trocken“, sagt Henner Niemann, Fachbereichsleiter Forst beim Kreis Herzogtum Lauenburg. Immer mehr Bäumen gehe das „wurzelverfügbare Wasser“ aus. Besonders betroffen seien die Bestände auf den „Sandbuckeln“ wie bei Geesthacht oder Langenlehsten. Wenn dann noch die Beschattung durch ältere Bäume oder aufgrund nur wenig dicht belaubter Kronen wie bei Kiefern fehle und ein Unter- und Zwischenbewuchs nicht vorhanden sei, gebe es Probleme.

500 Hektar für Naturschutz

9900 Hektar Waldfläche umfassen die Kreisforsten. Pro Hektar werden etwa 280 Festmeter Holz imJahr nachhaltig geerntet. 500 Hektar der Kreisforsten sind dem Naturschutz gewidmet.

„Dort, wo wir auf den natürlichen Nachwuchs setzen, wie wir es fast überall in unseren Wäldern machen, sind die Probleme nicht so groß“, sagte Niemann. Besonders gefährdet seien hingegen Aufforstungsflächen wie sie als Ausgleichsflächen entstehen. Niemann geht davon aus, dass die neuen Kulturen der letzten Jahre die Trockenheit „zum großen Teil“ nicht überstehen werden. Dazu seien die Wurzeln der jungen Bäume einfach noch nicht tief genug. Insgesamt könnten bis zu sechs Hektar betroffen sein, auf denen „die Investitionen der vergangenen Jahre vergeblich“ gewesen wären. Dazu zähle dann nicht nur das reine Anpflanzen, sondern auch der Schutz und die Pflege des jungen Bestandes. „Das können dann schon einmal 10000 Euro pro Hektar sein“, sagt Niemann. Wenn sich herausstelle, dass auch die gerade erst bei Langenlehsten gepflanzten 50000 Buchen ausfallen, könnte sich der hitzebedingte Schaden in diesem Jahr auf einen sechsstelligen Betrag summieren. Den Altbestand sieht Niemann eher nicht gefährdet. Sicher werde in diesem Jahr aber der Zuwachs der einzelnen Bäume geringer ausfallen. Aber dafür war es im vergangenen Jahr eben entsprechend feuchter.

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„So etwas gleicht sich im Laufe der Jahrzehnte eigentlich aus“, sagt Niemann.

Und während die Trockenheit den Bäumen zu schaffen mache, würden Insekten wie der Borkenkäfer „ideal gedeihen“. Das Wetter ermögliche, dass in diesem Sommer gleich zwei Generationen des Schädlings geboren werden und so der Bestand exponentiell zunehme. „Das ist eine Gefahr, die wir beobachten“, sagt Niemann. Erfahrungen habe man bereits aus den Jahren 2003 bis 2005, die auf einen ebenfalls sehr trockenen Sommer folgten. Sollte ein stärkerer Befall festgestellt werden, würden die betroffenen Bäume aus dem Bestand entfernt oder die Stämme vor Ort entrindet. Eine Begiftung wäre nur die „ultima ratio“.

Da in den lauenburgischen Kreisforsten anders als in anderen Teilen der Republik keine „riesigen zusammenhängenen Fichtenbestände“ existieren würden, sei die Gefahr eines großen Schadens im Bereich des Schädlingsbefall nicht so hoch. „Es ist eine Gefahr, die wir beobachten. Aber derzeit besteht kein Handlungsbedarf“, sagt Niemann. Und wie groß die reinen Trockenschäden sind, werde man genauer erst im Frühjahr sehen können, wenn die Bäume erneut austreiben würden – oder eben auch nicht.

Holger Marohn