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Lauenburg Aufregung über Nitratbelastung im Kittlitzer Wasser
Lokales Lauenburg Aufregung über Nitratbelastung im Kittlitzer Wasser
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14:00 10.08.2019
Wasserwerk Klein Disnack, Brunnenpumpwerk. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Kittlitz/Fitzen

Die Aufregung über Nitratbelastungen im Wasser ist nach den Meldungen der vergangenen Tage in Kittlitz und Fitzen groß. Der Grenzwert von 50 Milligramm je Liter Wasser ist in Kittlitz laut Bundesregierung mit 251 Milligramm je Liter um den Faktor fünf überschritten. Allerdings wirft die Antwort auf die kleine Anfrage der Grünen im Bundestag auch Fragen auf – und ist nicht zuletzt ein Jahr alt. Auch geht es bei den Messungen nicht um Trinkwasser, sondern um zumindest teilweise oberflächennahe Brunnen.

So relativiert auch das Kieler Umweltministerium die Aussagekraft der Messwerte. Gerade die Messstelle sei „sehr flach ausgebaut und der Boden hat bis zu dieser Tiefe nur ein sehr geringes Rückhaltevermögen für Nährstoffe“. Dementsprechend seien auch die Nitrat-Gehalte erhöht. „Diese Messstelle ist in einem sehr empfindlichen, isolierten Bereich ausgebaut und sagt über die flächenhafte Beschaffenheit von eventuell in dem Gebiet genutztem Grundwasser wenig aus“, heißt es auf LN-Anfrage aus dem Umweltministerium. Der Brunnen hat eine Filtertiefe von fünf Metern. Das Trinkwasser wird aus deutlich tieferen, geschützten Schichten entnommen.

Kittlitz’ Bürgermeisterin Barbara Eggert äußerte sich „erschrocken und irritiert“ über die schlechten Nachrichten für ihr Dorf. So hieß es zunächst in der „taz“: „Am giftigsten ist es in Kittlitz. Der kleine Ort am Nordrand des Naturschutzgebietes Schaalsee an der Grenze zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern weist die höchste Nitratbelastung im Grundwasser in ganz Norddeutschland auf“.

Barbara Eggert: „Bin erschrocken und irritiert.“ Quelle: Thomas Biller

Bürgermeisterin Eggert: „Hier werden uralte Daten mit Halbwissen vermischt. Das Schlimme ist die Unruhe, die durch so etwas geschürt wird.“ Denn eigentlich wüssten die Bürger von Kittlitz, was in ihrem Trinkwasser drin sei, denn das werde regelmäßig vom Gesundheitsamt überprüft.

Der Kreis weist darauf hin, dass es sich bei dem genannten Brunnen um einen Messbrunnen des Landesamtes LLUR handele und dieser eine Tiefe von rund fünf Metern habe und sich in Straßennähe am Hofsee befinde. Daher handele es sich bei der Grundwasserschicht auch um den oberflächennächsten Grundwasserleiter. Laut Kieler Umweltministerium werden „als oberflächennächste Grundwasserleiter lokale Grundwasservorkommen ohne wasserwirtschaftliche Bedeutung bezeichnet, die für die Abgrenzung von Grundwasserkörpern im Sinne der EG-WRRL (Wasser-Rahmen-Richtlinie) nicht relevant sind“.

Auch Fitzens Bürgermeister Martin Voß – sein Ort landete bei dem Vergleich landesweit auf Platz zwei – räumt ein, erschrocken gewesen zu sein, als er die Nachricht bekam. Es gebe Wertungen, bei denen man nicht unbedingt in der Spitzengruppe sein wolle, so Voß. Nach den zwischenzeitlich vom Umweltministerium zur Verfügung gestellten Daten ist der Messbrunnen in Fitzen mit 3,5 Metern ebenfalls relativ flach.

Grundsätzlich sei bekannt, dass es in Fitzen schon mal etwas höhere Werte geben könne, sagt Bürgermeister Voß. Aufgrund der sandigen Böden im Raum Fitzen könne das gerade bei Brunnen von wenigen Metern Tiefe vorkommen. Allerdings seien solche Belastungen oft ein vielschichtiges Problem. Bei sehr schwankenden Werten wäre es allerdings unter Umständen sinnvoll, mit Durchschnittswerten zu arbeiten – zumal es nicht um die Werte im Trinkwasser selbst gehe. Er habe bereits veranlasst, dass die Werte der von der Gemeinde selbst genommenen Stichproben noch einmal gesichtet würden.

Für das Trinkwasser der Gemeinde sehe er keine Gefahr. So werde der Ort Fitzen selbst vom Wasserwerk in Büchen versorgt. Die dort vorhandenen drei Brunnen fördern das Wasser aus Tiefen zwischen 134 und 146 Metern. Gesichert sind diese nach Angaben der Amtsverwaltung Büchen durch Schichten mit einer geringen Wasserdurchlässigkeit von einer Mächtigkeit von rund 47 Metern.

Bei den halbjährlichen Messungen lag der Wert des Nitrats im Trinkwasser des Wasserwerkes Büchen nach den vorliegenden Laborprotokollen seit 2016 bei maximal 1,4 Milligramm je Liter. Bei der Hälfte der Messungen lag der Wert unterhalb der labortechnischen Messgrenze von einem Milligramm je Liter. Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm je Liter. Eigene Brunnen gibt es in Fitzen nur für die Versorgung der Ferienhausgebieten Waldweiher und Heidebrook. Diese unterliegen der regelmäßigen Überwachung des Gesundheitsamtes.

Nitrat im Wasser Quelle: Jochen Wenzel

Komplett über eigene Brunnen ist die Gemeinde Kittlitz versorgt. Gemeindevertreter und Landwirt Thorsten Burmeister ist auch verärgert, dass wieder einmal die Landwirtschaft als Verursacher dargestellt werde. Außerdem sei das Jahr 2017 des Messwertes ein extrem nasses Jahr gewesen. Er selbst beziehe sein Trinkwasser ebenfalls aus einem eigenen rund 40 Meter tiefen Brunnen. Die Werte dazu würden regelmäßig vom Kreisgesundheitsamt überprüft.

Auch dem Kreis liegen keine beunruhigendes Werte vor. So habe Mitte Juli der Domänenpächter von Kittlitz sein Trinkwasser untersuchen lassen. „Sein Brunnen liegt inmitten der Hofanlage, welche selbst inmitten der bewirtschafteten Felder liegt. Sie liegt sogar genau zwischen den beiden Betriebsgebäuden, in denen seit etwa zweihundert Jahren Vieh gehalten wird“, heißt es beim Kreis. Das Messergebnis habe bei 1,2 Milligramm je Liter und damit nur knapp oberhalb der labortechnischen Nachweisgrenze gelegen.

Dieses Ergebnis entspreche auch den Ergebnissen bei den Feldberegnungsanlagen. Die Analyseergebnisse hätten „geringe Nitratgehalte in ein einer Entnahmetiefe von 30 bis 100 Metern an Brunnen westlich, südlich und östlich von Kittlitz ergeben. Gering bedeute hier ebenfalls unterhalb der Nachweisgrenze, heißt es vom Kreis.

Insgesamt seinen dem Fachdienst Gesundheit des Kreises im Gemeindegebiet Kittlitz 63 private Hausbrunnen bekannt. Davon würden 20 als sogenannte „b-Anlagen“ überwacht. Das sind dezentrale kleine Wasserwerke mit der Trinkwasserabgabe an Dritte und einem entsprechend größeren Untersuchungsumfang. Außerdem gebe es 43 als sogenannte „c-Anlagen“ zur Eigenversorgung mit geringerem Untersuchungsumfang. Derzeit ruhe eine „c-Anlage“, weil der Nutzer verstorben ist.

Allerdings gebe es in Kittlitz diverse Trinkwassereinzelbrunnen, die der Überwachung nach Trinkwasserverordnung durch das Gesundheitsamt unterliegen. Auch hier würden teils sehr hohe – allerdings seltsamer Weise auch sehr schwankende – Werte gemessen, die jedoch nicht den Bereich der Höchstwerte erreichen würden. Die Nitrat-Werte lägen dort teilweise um 100 Milligramm.

 Heinrich Röttger, ehemaliges Vorstandsmitglied des Kreisbauernverbandes Ostholstein und Landwirt im Bereich Lübeck und Herzogtum Lauenburg, fordert, das Problem differenziert und lösungsorientiert zu betrachten. „Wenn das so einfach wäre, wir stellen die Gülle-Düngung ein und haben gute Grundwasserwerte, hätte man das doch längst getan“, sagt Röttger.

Ein Problem seien häufig Starkregenereignisse oder besonders nasse Jahre. Seien selbst schwere Böden dann erst einmal gesättigt, werde kein Wasser mehr aufgenommen und die überschüssige Feuchtigkeit „gehe dann ungefiltert so durch“. Vor diesem Problem stünden dann nicht nur konventionelle Landwirte, sondern auch ökologisch wirtschaftende Betriebe.

Im Fall von Kittlitz vermutet Röttger, dass „irgendwo Oberflächenwasser ungefiltert in diesen oberflächennahen Grundwasserleiter gelangt“. Aber es gebe Testmethoden, mit denen man diese Ursache feststellen könne, wenn man es denn wirklich wolle. „Die Frage ist doch, ob man das Problem beheben oder eine Handlungsanweisung für Alle ableiten will“, so der Landwirt. Allerdings räumt auch Röttger ein, dass es Gegenden gebe, in denen zu viel gedüngt werden – und dort müsse man auch etwas tun.

„Wenn man aber sieht, dass im Fall von Kittlitz ein Extremwert der vergangenen Jahre gemeldet worden ist, dann stellt sich schon die Frage, ob hier möglicherweise Messwerte benutzt werden, um politische Ziele zu verfolgen“, kritisiert Röttger. Schließlich gehe es auch um Wählerstimmen.

Von Holger Marohn

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