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Lauenburg Aus für die Wasserstoffzelle auf der Schiene?
Lokales Lauenburg Aus für die Wasserstoffzelle auf der Schiene?
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16:28 27.02.2019
Im Oktober startete ein Corodia iLint vom Betriebshof der AKN in Neumünster aus zu einer Testfahrt nach Kiel. Mit dabei Dirk Burmeister von der Entwicklungsagentur Region Heide, Wolfgang Seyb, Geschäftsführer AKN, Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) und Dr. Jörg Nikutta von Alstom. Quelle: Lutz Roeßler
Büchen

Ab 2022 sollen Diesel-Züge in Schleswig-Holstein der Vergangenheit angehören. Auch auf der Strecke Lübeck-Büchen-Lüneburg (LüBüLü) sollen dann emissionsfreie Triebwagen verkehren. Da eine Elektrifizierung der Strecke zu teuer ist, sollen die Verkehre elektrisch werden. Welche Technologie das genau werden wird, sollte die eigentliche Ausschreibung ergeben. Doch der Plan gerät ins Wanken. Gegen die Ausschreibung hat ein Wasserstoff-Zughersteller Beschwerde eingelegt.

Alstom fühlt sich benachteiligt

Es geht es um 50 neue elektrisch betriebene Triebwagen für den Nahverkehr, die in den kommenden Jahren in den Netzen Ost und Nord angeschafft werden. Die werden dann bis zu 30 Jahre auf Schleswig-Holsteins Schienen unterwegs sein. Eine Chance, die das Land nutzen will, um auf emissionsfreie Antriebe umzusteigen. Eine Variante könnten batteriebetriebene Züge (BEMU) mit einer Lademöglichkeit wie auf dem gerade fertiggestellten E-Highway auf der Autobahn 1 zwischen Lübeck und Reinfeld, eine andere mit Brennstoffzellen ausgestattete, also wasserstoffbetriebene Triebwagen sein.

Doch schon vor der offiziellen Bekanntgabe scheint klar: Der Wasserstoff mit der Brennstoffzelle als Antriebsart ist raus. Wie das Fachmagazin Rail Buisiness meldet, habe die Vergabekammer des Landes entschieden, dass Alstom als Hersteller des wasserstoffbetriebenen iLint wie er bereits in Niedersachsen verkehrt, kein „letztverbindliches Angebot“ abgegeben habe. Nach dem Bericht soll sich Alstom im Vergleich zu den BEMU-Anbietern benachteiligt gefühlt haben.

Vergabe kann frühestens im Sommer erfolgen

Die Begründung: Hersteller von Wasserstoffzügen müssten die gesamte Infrastruktur der Energieversorgung tragen, also auch die Wasserstofftankstellen und deren Versorgung, die BEMU-Anbieter könnten hingegen auf die vorhandene Strom-Infrastruktur zurückgreifen. Diese Ungleichbehandlung sehe Alstom durch entsprechende Aufschläge bei der Bewertung „nicht hinreichend kompensiert“, meldet Rail Buisiness.

Das Kieler Verkehrsministerium hat die Beschwerde bestätigt. Eigentlich wollte das Land im Frühjahr die Entscheidung über die Vergabe fällen. Doch das wird sich nun bis zu einer Entscheidung des Oberlandesgerichtes über die Beschwerde verzögern. In Kiel geht man von vier bis fünf Monaten aus. Die Vergabe könnte demnach im Sommer fallen – wenn die Richter die Beschwerde abweisen.

Scheer fordert Technologieoffenheit

Für die SPD-Bundstagsabgeordnete und Klimaschutzexpertin Nina Scheer aus Siebeneichen ist die Technologieoffenheit eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung. „Die mit dem Vergabeverfahren aufgeworfenen Fragen zeigen auf, welche Herausforderungen an technologieoffene Entwicklungen gestellt sind, insbesondere wenn es dabei auf technologie-eigene Infrastruktur, wie etwa Ladesäulen, spezielle Tankvorrichtungen, Speicher oder auch Netzinfrastruktur ankommt“, sagt Scheer.

Wenn die Wasserstofftechnologie neben der Batterie- oder netznutzenden Elektromobilität einen Platz einnehmen solle, was sie im ersten Schritt insbesondere mit Blick auf den Schwerlastverkehr begrüßen würde, dürfe sie infrastrukturell nicht benachteiligt werden. „Als Technologie- und Exportnation müssen wir zudem erkennen, dass es bei der Wasserstofftechnologie noch die Chance auf Weltmarktführerschaft gibt. Schleswig-Holstein bietet sich als Energiewende-Pionier hierbei besonders an“, so Scheer.

Wasserstoff wird „ins Rollen kommen“

Die drohende Niederlage bei der schleswig-holsteinischen Ausschreibung ist nicht der erste Rückschlag für die Wasserstoffzelle. Erst vor wenigen Wochen hatte die Hamburger Hochbahn ihren Versuchsbetrieb mit Wasserstoff-Bussen nach acht Jahren eingestellt. Laut Medienberichten waren die fehlende Serienreife der Busse und die Lagerung des hochexplosiven Wasserstoffes in Wohngebieten für die Tankstellen einige der Probleme. Stattdessen setzt die Hochbahn nun auf batteriebetriebene Elektrobusse.

Der lauenburgische Bundestagsabgeordnete Norbert Brackmann geht dennoch davon aus, dass Wasserstoff in den kommenden Jahren „groß ins Rollen kommen wird“. Bei der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen sei der Wasserstoff immer der erste Schritt, so Brackmann.

Züge sollen 2022 emissionsfrei rollen

In Schleswig-Holstein sind gerade einmal 30 Prozent der Strecken elektrifiziert – so wenig wie in keinem anderen Bundesland. 50 neue Triebwagen für den Nahverkehr müssen in den kommenden Jahren in den Netzen Ost und Nord angeschafft werden. Die werden dann bis zu 30 Jahre auf Schleswig-Holsteins Schienen unterwegs sein. Bei der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft Nah.SH feierte man die technologieoffene Ausschreibung als den „großen Wurf“. Geschäftsführer Bernhard Wewers: „Wir elektrifizieren also nicht die Strecke, sondern die Verkehre.“

Die seit zwei Jahren laufende Ausschreibung hatte bundesweite Aufmerksamkeit erweckt. Für die Hersteller ist es eine große Chance, in einem relativ großen Netz solche Fahrzeuge unter Echtbetrieb einzusetzen“, heißt es aus dem Ministerium. Das Finale ist nun absehbar. Nach der nun für Sommer erwarteten Entscheidung im Finanzausschuss des Landtages werden die Fahrzeuge gebaut und dem Land zur Verfügung gestellt. Parallel wird ein Betreiber, also ein Eisenbahnverkehrsunternehmen, für die Züge gesucht. Die ersten Züge sollen 2021 ausgeliefert werden. Ein Betrieb soll dann 2022 starten – eigentlich.

Holger Marohn

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