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Lauenburg Ausnahmezustand in Geesthacht nach Unwetter
Lokales Lauenburg Ausnahmezustand in Geesthacht nach Unwetter
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15:27 15.06.2019
Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. Am Freizeitbad „tanzte“ dieser Gullydeckel auf einer Fontäne. Quelle: TIMO JANN
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Geesthacht

Die Unwetterwarnung ließ nichts Gutes vermuten: In der lilafarbenen Färbung der Warnstufe 4 (von 4) würde ein Unwetter genau über Geesthacht ziehen, so die Prognosen gegen 6 Uhr. Und gegen 8.30 Uhr kam es dann auch genau so. Zwar blieb der angekündigte Hagel aus, aber Gewitter und Starkregen setzten alles unter Wasser. „Allein bei uns im Stadtgebiet haben wir mehr als 70 wetterbedingte Einsatzstellen abgearbeitet“, berichtete der stellvertretende Feuerwehrchef Heiko Brett. Die Leitstelle schickte auch im Umland die Wehren raus – zu nochmal etwa 100 Einsätzen.

Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. Land unter herrschte in der Bergedorfer Straße. Quelle: TIMO JANN

„In der Stadt kann man Boot fahren“, schilderte ein Autofahrer die Situation. Gegen 9 Uhr waren zahlreiche Kreuzungen unpassierbar. Eine regelrechte Wasserwelle spülte die Bundesstraße 5 herunter mitten durch Geesthacht. Es war kaum durchzukommen. Auch an anderen Straßenkreuzungen ging nichts mehr. Etwa 20 Kilo schwere Schachtdeckel der Kanalisation „tanzten“ regelrecht auf aus der unterirdischen Kanalisation sprudelnden Fontänen. Problem an den Einläufen für Oberflächenwasser: Viele waren durch Laub verstopft, so dass sich die Wassermassen auf den Straßen stauten und dann in Häuser liefen.

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Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. In dieser Tiefgarage stand das Wasser fast zwei Meter hoch. Quelle: TIMO JANN

Alles an Pumpentechnik und Wassersaugern kam in Geesthacht zum Einsatz. „Nur die Drehleiter steht noch in der Garage“, sagte Brett.

In Müssen schlug gegen 8.45 Uhr ein Blitz in den Dachstuhl eines Wohnhauses an der Dorfstraße ein. Zum Glück ein kalter Blitz, ein Feuer brach nicht aus. Durch die einschlagende Energie wurden aber Steine und Dachpfannen zerstört. In Krümmel verzeichneten die beiden Restaurants „Sebastian’s“ und „Elbmatrose“ hohe Schäden: Beide Keller wurden überschwemmt. Da beide Restaurants an der Elbe stehen, gibt es wegen der dort ohnehin drohenden Hochwassergefahr keine Versicherung. „Wir müssen gucken, was noch zu retten ist“, sagte Sebastian Suhr vom „Sebastian’s“.

Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. Dieser Baumarkt musste wegen Überschwemmung geschlossen werden. Quelle: TIMO JANN

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„Es ging so unglaublich schnell los, da war nichts mehr zu retten“, berichtete Ewald Hass aus der Querstraße in Geesthacht. Sein Keller wurde geflutet, weil die Siele das Oberflächenwasser nicht fassen konnten. Er griff zur Selbsthilfe, wurde aber später durch die Feuerwehr unterstützt. Einige Häuser weiter stand das Wasser fast zwei Meter hoch in der Tiefgarage. „Wir haben ein Haus, aus dem wir 60 Kubikmeter Wasser abpumpen mussten“, sagte Peter Kunze von der Geesthachter Wehr.

Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. Zahlreiche Straßen, wie hier die Elbuferstraße, waren unpassierbar. Quelle: TIMO JANN

Auf dem Weg gen Norden verlor das Unwetter etwas von seiner Kraft, so dass die Einsätze über Mölln nach Ratzeburg weniger wurden. Die für das Herzogtum Lauenburg und die Kreise Stormarn und Ostholstein zuständige Leitstelle in bad Oldesloe meldete am Mittag 400 wetterbedingte Einsätze. Schwerpunkt seien Geesthacht und das Lauenburgischen mit 70 beziehungsweise 100 Einsätzen gewesen. In Bad Segeberg wurde nur ein einziger wetterbedingter Einsatz gefahren.

Unwetterlage über Geesthacht, Schwarzenbek und Umgebung. Quelle: TIMO JANN
Ewald Hass in seinem überschwemmten Keller. Quelle: TIMO JANN
Klicken Sie hier, um alle Bilder zu sehen, die unsere Reporter bei den Gewittern am 15. Juni 2019 über Lübeck und der Umgebung gemacht haben.

Timo Jann