Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg B 207: Aufruhr in den Dörfern über Raser auf dem „Schleichweg“
Lokales Lauenburg B 207: Aufruhr in den Dörfern über Raser auf dem „Schleichweg“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:28 16.10.2014
Mit Warnschildern und großen Transparenten, aber auch mit Bällen und Bobby-Cars versuchen die Anwohner von Klein Disnack die passierenden Autos um eine rücksichtsvollere Fahrweise zu „bitten“. Quelle: Fotos: Strunk
Klein Disnack

„Wir verlangen ja nicht, dass die Durchfahrt durch unser Dorf komplett gesperrt wird für die Autofahrer, die die Bundesstraße 207 wegen der Bauarbeiten dort nicht benutzen können“, sagt Kati Zeidler aus Klein Disnack. „Aber wir können schon verlangen, dass sie das gesittet tun und nicht mit tausend Sachen durch den Ort brettern!“

Die Stimmung unter dem halben Dutzend Menschen, das sich am Dienstagnachmittag kurz hinter dem Ortseingang von Klein Disnack an der Straße „Im Wendendamm“ versammelt hat, ist mehr als gereizt. Allzu sehr fühlen sie sich provoziert durch die ortsfremden Autofahrer, die seit dem Beginn der B-207-alt-Sperrung Anfang September ihren Weg durch die bis dahin beschaulichen Orte zwischen Buchholz/Groß

Sarau und Kählstorf/Klempau suchen und dies oft auch rücksichtslos nutzen.

Ausgestreckte Mittelfinger, Hupen und Schimpfwörter hätten sie schon gesehen und gehört, wenn sie versucht hatten, jene Durchfahrer auf die ruhige Ortslage aufmerksam zu machen. „Die Situation insbesondere für unsere Kinder und Tiere ist sehr gefährlich geworden. Die waren es doch gewohnt, die Straße als Spielort oder als ruhige Fläche zu nutzen“, erklärt Zeidler, die ausdrücklich nicht für sich alleine, sondern „im Sinne aller Bewohner der betroffenen Orte wie Klein Disnack und Klein Sarau“, aber auch Einhaus, Klempau und Krummesse, Groß Disnack, Pogeez oder Groß Sarau spreche.

Frühzeitige Anfragen bei der Polizei oder der Verkehrsaufsicht des Kreises nach einem provisorischen Zebrastreifen oder einer Fußgängerampel seien abschlägig beschieden worden. „Die Polizei hat uns geraten, unsere Autos auf der Hauptstraße versetzt zu parken. Das nützt aber unseren Landwirten wenig, die bis vor kurzem noch ihre Ernte eingefahren haben“, sagt die Mutter zweier Kinder und Halterin einer bereits angefahrenen Katze.

Auch der Kreis konnte oder wollte nicht konkret weiterhelfen. Karsten Steffen, Sprecher der Kreisverwaltung in Ratzeburg: „Wir überwachen regelmäßig diese Strecke — auch mit Blitzern —, haben aber trotz der Beanstandungsquote keine überdurchschnittlich vielen Verstöße gegen die Geschwindigkeitsvorschriften registriert.“ Es handele sich um eine zeitlich begrenzte Sondersituation, für die auch nicht extra eine neue oder geänderte Beschilderung notwendig sei, so Steffen. „Das Problem liegt eher an den Navigationsgeräten der Fahrzeuge, in denen man den schnellsten Weg oder die kürzeste Strecke eingeben kann und dann über diese Route geführt wird.“

Auch die Gemeinde-Chefinnen von Pogeez, zu dem Klein Disnack gehört, Christiane Füllner, und von Groß Disnack, Karin Neumann, kritisieren die rücksichtslose Fahrweise jener Automobilisten, die nicht nur aus der Umgebung, sondern auch aus Kiel und Köln und Karlsruhe, aus Ludwigslust oder Reutlingen kommen. „So unangenehm das auch ist, da müssen wir jetzt eben durch“, sagt Neumann.

Wir verlangen, dass die Autofahrer gesittet und nicht mit tausend Sachen durch den Ort brettern.“Kati Zeidler, zweifache Mutter und
Anwohnerin aus Klein Disnack

Joachim Strunk

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!