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Lauenburg Bäume müssen für Baugenossenschaft weichen
Lokales Lauenburg Bäume müssen für Baugenossenschaft weichen
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15:23 29.01.2019
Stadtvertreter und Bürger konnten die Fällung der mehr als 60 Jahre alten Linden nicht verhindern. Sie mussten Wohnungen und der KGB-Geschäftsstelle weichen. Quelle:  
Mölln

Die gemeinnützige Kreisbaugenossenschaft (KBG) in Mölln bekommt eine neue Geschäftsstelle. Doch für das Gebäude, in dem auch 26 Wohnungen entstehen, mussten vier geschützte Alleebäume weichen. Beim Ausheben der Baugrube soll ein Baggerfahrer wichtige Hauptwurzeln gekappt haben. Die Untere Naturschutzbehörde genehmigte daraufhin eine Fällung und ordnete Ersatzpflanzungen an. Um eine Strafe kommen die Gesellschaft und die Baufirma laut Kreis wohl herum. Am Montagmorgen wurden die mehr als 60 Jahre alten Linden der Allee unter Protest gefällt. Alleen sind im Bundes- und Landesnaturschutzgesetz als Biotope geschützt.

Kreis genehmigt Antrag auf Fällung

„Die vier Bäume wurden beim Herstellen der Baugrube (Baugenehmigung liegt vor) im Wurzelbereich stark beschädigt“, teilt der Kreis auf Anfrage mit. Gutachterlich sei sodann festgestellt worden, dass diese Beschädigungen „zu einer erheblichen Einschränkung der Vitalität und mittelfristig zu einer Minderung der Stand- und Bruchsicherheit der Bäume führen würden“. Der Kreis habe daraufhin einem Antrag auf Befreiung nach dem Bundesnaturschutzgesetz stattgegeben, heißt es weiter.

In dem Rendering des neuen Wohn- und Geschäftsgebäudes der Kreisbaugenossenschaft stehen die Alleebäume noch. In den Neubau an der Möllner Brauerstraße zieht die Baugenossenschaft mit ihrer Geschäftsstelle, das Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow und private Mieter in 26 Wohnungen ein. Quelle: Kreisbaugenossenschaft Lauenburg/hfr

Auch Baugenossenschafts-Vorstandsmitglied Désirée Tummescheit bestätigte den Vorgang so. Während der Grundsteinlegung vor gut vier Wochen hatte die gemeinnützige Kreisbaugenossenschaft übrigens noch ein Rendering, eine Visualisierung des künftigen Baus, präsentiert – mit den stattlichen Linden vor dem Gebäude. Die vermeintlich so überlebenswichtigen Wurzeln der Bäume waren zu diesem Zeitpunkt längst gekappt.

Fällung „nicht nachvollziehbar“

Für Nabu-Mitglied Dr. Carsten Niemitz sind die Vorgänge nicht nachvollziehbar. So hätte schon beim Bauantrag klar sein müssen, dass bei Arbeiten so nah an großen Bäumen deren Wurzeln beschädigt werden könnten. Als Nabu-Beauftragter sei eerst kürzlich bei einem ähnlichen Bauvorhaben in Ratzeburg beteiligt worden und habe erreichen können, dass mehr Abstand zu den alten Bäumen gehalten wird.

Stimmen aus der Politik

Möllns SPD-Vorsitzender Dr. Matthias Esche sagt: „Den Tod von vier geschützten Linden mit einem Stammumfang von mehr als zwei Metern miterleben zu müssen war ein schmerzliches Erlebnis.“ Es sei ein Fehler, dass innerstädtische Baulücken ohne Bebauungsplan errichtet werden dürften. Bauleitplanungen würden öffentliche Anhörungen und Abwägungen sichern. Daher werde sich die SPD sich dafür einsetzen, dass künftig Projekte „mit dieser Dimension und Biotopflächen“ ausschließlich mit Bauleitplanungen realisiert werden.

„Ungeachtet dieses Mangels haben die Bauherren in der Zuständigkeit des Kreises Herzogtum Lauenburg und der Architekt jegliche Naturnähe und Vorsorge für den Naturschutz vermissen lassen“, beklagt Esche. Es sei zu hoffen, dass „Unfähigkeit und mangelnde Sensibilität im Spiel waren und nicht geldgieriges Kalkül“. Esche: „Dann wäre es ein Umweltverbrechen.“ Er hoffe, dass Recherchen und Untersuchungen „mehr Licht in das Dunkel des Sachverhaltes“ bringen.

Mölln stellvertretender Bürgermeister Ulrich Wosslick (SPD) beklagt: „Leider hat es sich in Mölln eingebürgert, dass solche Fälle wie mit den vier Linden als ein Kavaliersdelikt gehandhabt werden.“ Man biete großzügig Ersatzpflanzungen an, die in keiner Form den Schaden von Bäumen, die 60 Jahre und älter sind, ausgleichen könnten. „Wir werden es nicht erleben, dass diese Bäume wieder so ein prägendes Bild, wie im Herrenschlag, abgeben können“, schreibt Wosslick.

Als Beispiel führt der Stadtvertreter die Hansestadt Hamburg an, „wo bei solchen Eingriffen wie Baumaßnahmen und Straßenbaumaßnahmen unabhängige Baumspezialisten den Bau begleiten und dementsprechend eingreifen.“ Aus ähnlichen Gründen sei in Mölln 2015 wieder eine Baumschutzordnung installiert worden, die mit knapper Mehrheit in der Stadtvertretung durchgesetzt wurde.

Reimund Waldorf (Grüne) gesteht eine gewisse Hilflosigkeit der Politik ein. „Es war soweit korrekt und wir konnten die Fällung nicht verhindern. Die Kommunikation war schlecht und der Forst-Ausschuss und seine Mitglieder waren nicht informiert“, schreibt Waldorf.

Ziel der Protestaktion am Montagmorgen sei es gewesen, die Fällung wenigstens so lange zu verzögern und uns die schriftliche Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises oder der Stadt zeigen zu lassen. „So konnte uns die hinzugerufene Polizei später die Fäll- Genehmigung vorlegen.“ Waldorfs Vorwurf: „Der Kreis hat den geplanten Neubau so genehmigt, ohne die Linden zu berücksichtigen.“

Allerdings sei für ihn auch nicht nachvollziehbar, dass die Bäume nun zwangsläufig gefällt werden müssen. Schließlich stünden in der gleichen Straße alte Linden deutlich näher an den Häusern – ohne umzufallen. Niemitz will nun Strafanzeige erstatten –gegen den Kreis.

Die Baugrube für die neue Geschäftsstelle reicht bis auf wenige Meter an die alten Linden heran. Quelle: Florian Grombein

Für die vier gefällten 60 Jahre alten Bäume muss die Kreisbaugenossenschaft in den kommenden 15 Monaten laut Kreis vier Holländische Linden der „hohen Baumschul-Qualität“ mit einem Stammumfang von 20 bis 25 Zentimetern nachpflanzen. Damit sei der Eingriff ausgeglichen, heißt es vom Kreis.

Rein theoretisch wäre auch eine nachträgliche Ahndung der vorangegangenen Baumbeschädigungen im Wege eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens möglich. „Im konkreten Einzelfall stellt sich die Situation bisher jedoch so dar, dass keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Beschädigung der Bäume erkennbar sind“, heißt es. Die Mitwirkung bei dem Eingriffsausgleich durch die Kreisbaugenossenschaft sei zudem bisher vorbildlich. „Sofern also keine anderen Tatsachen bekannt werden, wird durch den Kreis kein Verfahren eingeleitet“, so der Kreis.

Die Bäume vor der künftigen Geschäftsstelle der Kreisbaugenossenschaft sind gefällt. Quelle: Dr. Carsten Niemitz

Geschädigter wäre als Eigentümer der Bäume übrigens die Stadt Mölln. Diese könnte laut Kreis eventuell zivilrechtliche Ansprüche wegen der Beschädigung der stadteigenen Bäume geltend machen. Im vierköpfigen Aufsichtsrat der Kreisbaugenossenschaft sitzen auch als Vorsitzender Möllns ehemaliger Bürgermeister Wolfgang Engelmann (SPD) und Möllns Erster Senator Sven Michelsen (CDU).

Auch in Schwarzenbek musste Baum weichen

Dass bei Bauvorhaben von Investoren geschützte Bäume während der Bauphase im Wurzelbereich geschädigt und dann ein Antrag auf Befreiung von Bundesnaturgesetz gestellt wird, kommt immer wieder vor. So musste beim Neubau der Raiffeisenbank in Schwarzenbek beim Rathaus ein zu schützender Baum nachträglich unter Protest weichen. Auch in Lauenburg gab es an der Alten Wache Proteste gegen das Fällen alter Bäume für den Bau von Parkplätzen. Weil es in der Stadt keine Baumschutzsatzung gab, seien diese Bäume auf Privatgrund jedoch nicht zu schützen gewesen, hieß es.

Holger Marohn

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