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Lauenburg Bauboom in Kommunen des Nordkreises
Lokales Lauenburg Bauboom in Kommunen des Nordkreises
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10:52 01.02.2019
Eine Grafik zeigt Neubauprojekte im Norden des Kreise Herzogtum Lauenburg. Quelle: Jochen- Wenzel Grafik
Ratzeburg

In welchen Ort man derzeit auch kommt, überall hat man den Eindruck: Hier wird gebaut! Die Immobilienkreditzinsen sind so niedrig, dass viele ihr Geld lieber in eigene vier Wände investieren, als weiter zur Miete zu wohnen. Die erhöhte Nachfrage sorgt dann natürlich für das Bestreben vieler Kommunen, neues Bauland auszuweisen. Dies nicht zuletzt auch, um den eigenen Ort zukunftsträchtig fortzuentwickeln.

Dabei spielt der Landesentwicklungsplan (LEP) eine große Rolle. Durch dieses Werkzeug will die Landesregierung die Bautätigkeiten der Kommunen entsprechend regeln, um keinen „Wildwuchs“ zuzulassen. Andererseits soll der LEP ihnen aber auch ein ausreichendes Maß an Flexibilität und Gestaltungsraum an die Hand geben. Über den jüngsten Entwurf zur Änderung des LEP informierte jetzt Jürgen Wittekind vom „Institut Raum & Energie“ (Wedel) rund 90 Kommunalpolitikerinnen und -politiker aus den Ämtern Sandesneben-Nusse, Berkenthin, Lauenburgische Seen und Breitenfeld sowie aus den Städten Ratzeburg und Mölln im Sportzentrum Berkenthin.

Heterogener Wohnungsmarkt

Unmut äußerten dabei die Vertreter kleiner Gemeinden, die laut LEP weiterhin nur um zehn (ländlicher Raum) beziehungsweise 15 Prozent (Ordnungsräume wie Berkenthin, Krummesse oder Kastorf) wachsen dürfen – gemessen an der derzeitig vorhandenen Wohnbebauung. Für Baulandausweisungen über den örtlichen Bedarf hinaus sind dann zwingend Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg (beispielsweise auf Amtsebene) erforderlich.

Baugebiete in Gemeinden der Nordämter

Wittekind beleuchtete die aktuell sehr heterogene Wohnungsmarktregion im Nordkreis. Danach sind die westlichen Teile stark durch die Metropole Hamburg beeinflusst, die nördlichen durch die Hansestadt Lübeck und deren Umland. „Der östliche Teil mit dem Amt Lauenburgische Seen ist dagegen eher ländlich geprägt“, so der Gutachter.

Herausforderungen für Kommunen

„Die demografischen, gesellschaftlichen und sozialen Veränderungen werden in den kommenden Jahren den Bedarf und die Nachfrage nach Wohnraum – und damit die Wohnbauflächenentwicklung – im Kreis dynamisch beeinflussen“, führte Wittekind aus.

Insofern kämen folgende gemeinsame Herausforderungen auf Gemeinden, Ämter und Städte zu: die Nachnutzung (ortsbildprägender) landwirtschaftlicher Gebäude, die Bestandsentwicklung von Wohngebieten und Häusern aus den 1950er bis 1970er Jahren, die Bereitstellung kleinerer Wohneinheiten für alle Bevölkerungsgruppen und das barrierearme Bauen und Gestalten des Wohnumfeldes.

Fehlbedarfe in Städten, Überhang in Ämtern

Bei der Gegenüberstellung von Wohnungsbedarfen und der Umsetzung von Maßnahmen zur Schaffung von Wohnraum fällt in der „Raum & Energie“-Studie auf, dass es bei der Entwicklungsabsicht in den Städten Ratzeburg (Wohnungsneubaubedarf: 941; Entwicklungsabsicht: 576) und Mölln (832 – 567) Fehlbedarfe gibt, in den Ämtern Sandesneben-Nusse (204 – 571), Berkenthin (174 – 384), Lauenburgische Seen (291 – 889) und Breitenfelde (128 – 191) dagegen Überhänge.

Den Bauboom im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg belegen die jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes für das Jahr 2016. Diese zeugen vor allem von der steigenden Beliebtheit von Eigenheimen (1- und 2-Familien-Häuser) gegenüber Wohnungen in Mehrfamilien-(Miets-)häusern. Im gesamten Land machte der Anteil der „Häuslebauer“ 53,61 Prozent aus, im Kreis Herzogtum Lauenburg waren es sogar 64,29 Prozent.

Wachsende Bevölkerung

Die Bevölkerungsentwicklung und die Nachfrage nach Wohnraum gehören dabei eng zusammen. In unserem Kreis registrierte das Landesamt eine wachsende Bevölkerung – und zwar zum Jahreswechsel 2016/17 von insgesamt 2064 mehr Mitbürgern als ein Jahr zuvor. In die Zukunft schaut das Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp, das im Auftrag des Kreises eine „kleinräumige Bevölkerungs- und Haushaltsprognose“ erstellt hat (www.kreis-rz.de/regionalentwicklung, Menüpunkt Regional- und Kreisentwicklung).

Laut Statistikamt wurden 2016 dagegen nur 1003 neue Wohnungen im Kreis bezugsfertig. Allein diese Daten rechtfertigen also den Wunsch vieler Gemeinden und Städte nach Ausweisung neuer Baugebiete. „Grundsätzlich können in allen Gemeinden neue Wohnungen gebaut werden“, beschwichtigt Berkenthins Amtsdirektor Frank Hase angesichts der Vorbehalte von Kommunen, die sich benachteiligt fühlen.

Im Nordkreis wird fleißig geplant und gebaut

„Eine geringfügige Überschreitung des wohnbaulichen Entwicklungsrahmens ist möglich, wenn es sich um Maßnahmen der Innenentwicklung auf Flächen von zentraler, städtebaulicher und ortsplanerischer Bedeutung handelt. Eine Überschreitung ist bei Bedarf für einzelne Gemeinden durch interkommunale Vereinbarungen ebenfalls möglich.“ Fest stehe nur der Grundsatz: Innenentwicklung hat Vorrang vor Außenentwicklung.

Und wie sieht es aktuell im Nordkreis des Herzogtums aus? Vor allem in den größeren Ortschaften der Ordnungsräume, also auf den sogenannten Siedlungsachsen, wird fleißig geplant und gebaut. Unsere Grafik zeigt die derzeit bekannten Projekte mit entsprechender Anzahl von Grundstücken in den Nordämtern sowie in Ratzeburg und Mölln.

Joachim Strunk