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Lauenburg Möllner Baumarkt stoppt Böller-Verkauf – und spendet für Tierschutz
Lokales Lauenburg Möllner Baumarkt stoppt Böller-Verkauf – und spendet für Tierschutz
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06:52 25.11.2019
Tierschutz-Chef Gaston Prüsmann und Detlev Schmalfeld, Prokurist bei Werkers Welt in Mölln, setzten sich für die Reduzierung von Feuerwerk zugunsten von Umwelt- und Tierschutz ein. Bestimmt findet Firmenhund „Findus“ die Aktion gut. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Wenn es zu Silvester und den Tagen davor knallt und am Himmel leuchtet, klingelt die Kasse. 133 Millionen Euro wurden im Jahr 2018 in Deutschland mit dem Verkauf von Feurwerkskörpern laut „Statista“ gemacht. Doch wie zuletzt in Mölln, wo ein Appell die Bürger zur Reduzierung des Feuerwerks bringen soll, wird der Ruf nach mehr Umweltschutz und Tierschutz lauter. Jetzt verzichten die ersten Einzelhändler auf den Verkauf von Böllern und Raketen.

In Mölln geht einer der größten Arbeitgeber beispielhaft voran. Er entscheidet aus moralischen Gründen, und nicht aus wirtschaftlichen. Obwohl der Umsatz mit Böllern von Jahr zu Jahr stieg, stellt der Baumarkt Werkers Welt mit 45 Mitarbeitern den Verkauf von Feuerwerk ab sofort ein.

Moralische Motive: Umsatz mit Feuerwerk stieg um 20 Prozent

„Für freilebende Tiere und für Haustiere ist das laute Feuerwerk eine Katastrophe“, sagt Detlev Schmalfeld, Prokurist bei Werkers Welt in Mölln. Sein Geschäft wird zum Jahresende erstmals kein Feuerwerk verkaufen – Mölln, der Umwelt und dem Tierschutz zuliebe. Das Geld, welches normalerweise in eine Anzeige für Feuerwerk in der Zeitung investiert werden würde, etwa 500 Euro, wird dem Tierschutz gespendet. Im Jahr 2017 hat Werkers Welt in Mölln im Grambeker Weg 796 Pakete mit Raketen und Böllern verkauft. Nur ein Jahr später hat der Selbstbau-Markt den Umsatz um satte 20 Prozent gesteigert. Zum Jahreswechsel 2018/2019 wurden 7243 einzelne Böller verkauft. Raketen und anderes Feuerwerk kamen noch on Top. „Es gibt kaum Sortimente, bei denen der Umsatz so stark steigt“, sagt Schmalfeld. Und trotzdem stellt der Prokurist den Verkauf ein.

Böllerverkauf auch Thema im Einzelhandelsbeirat

„Die Stadt hat den Klimaschutz ausgerufen. Ich finde, dazu passt der Feuerwerksverkauf nicht mehr“ so Schmalfeld. Von anderen Geschäftsleute weiß er, dass solche Entscheidungen nicht nur auf positive Resonanz stoßen. In sozialen Netzwerken hört man darauf meist: „Dann kaufe ich eben woanders.“ Doch mit dieser Kritik will der Unternehmer leben. Obwohl die Konkurrenz des Einzelhandels ebenfalls im Internet sitzt und das Geschäft nicht einfacher macht. „Wir sind ein großer Arbeitgeber. Und einer muss ja anfangen“, sagt Schmalfeld. Er ist seit Kurzem Mitglied im Einzelhandlesbeirat der Stadt Mölln und hat dort bereits für das Thema sensibilisiert.

Eingestellte Verkäufe

Werkers Welt in Möllnist nicht der einzige Händler, der den Feuerwerksverkauf einstellt. Ein Hagebaumarkt im rheinländischen Langenfeld verzichtet ebenfalls seit 2018 auf den Verkauf von Feuerwerk. Das Echo bei Facebook war bei der Ankündigung groß und überwiegend positiv. Auch ein Rewe-Markt im Örtchen Adenau in Rheinland-Pfalz erklärte, auf den Böllerverkauf verzichten zu wollen.

Das Ergebnis einer Umfragezeigte im Dezember 2018, dass die Mehrheit der Deutschen für ein Verbot von Feuerwerk in den Innenstädten ist. Das Institut Civey registrierte, dass knapp 60 Prozent der Befragten sich für ein generelles Böllerverbot in dicht besiedelten Umgebungen aussprechen. Quelle: www.civey.com

Tierschutz hofft, dass andere Firmen nachziehen

Der Tierschutz dankt es ihm. „Wir werden die Welt nicht retten können. Doch wir hoffen, dass viele Firmen dem guten Beispiel folgen werden“, sagt Gaston Prüsmann, 1. Vorsitzender des Vereins. Den Weg der Stadt Mölln, nur zu appellieren, halten beide für richtig. „Wir wollen den Leuten ein Signal geben, über das Böllern nachzudenken“, so Schmalfeld. Jeder Kunde, der Silvester auf das Knallen verzichte, sei ein Gewinn für die Umwelt. „Ich bin froh, dass Werkers Welt auf uns zugekommen ist. Und mein Wunsch ist, dass auch andere Firmen nachziehen“, sagt Prüsmann.

Das Engagement der Firma wird auch Betriebshund „Findus“ zu schätzen wissen, der einer Mitarbeiterin im Büro gehört. Im Haus setzt man sich schon länger für Vierbeiner ein. An der Kasse werden umweltfreundliche Leinenbeutel mit Tierschutzlogo verkauft, deren Erlös zu 100 Prozent an den Verein geht. Außerdem hat der Gartenmarkt einen Spendenbaum für den Tierschutzverein im Weihnachtsmarkt des Geschäftes aufgestellt. Zum Unternehmen gehört neben dem Gartenmarkt und dem Hammer Textilien-Markt an der Alt-Möllner Straße auch der Selbstbau-Markt am Grambeker Weg.

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Von Florian Grombein

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