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Lauenburg Mühsamer Kampf gegen Kinderarmut
Lokales Lauenburg Mühsamer Kampf gegen Kinderarmut
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18:52 23.02.2019
Ein neunjähriger Junge verdient sein Taschengeld durch Sammeln von Pfandflaschen. Kinder und Jugendliche in Deutschland haben gute Startchancen - aber nicht alle. Quelle: epd
Ratzeburg/Mölln

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung über Kinderarmut lässt aufhorchen: Jedes zweite Kind in Deutschland fürchtet Armut. Und wer sich anschaut, wie viele Kinder im Lauenburgischen in Haushalten leben, die von Arbeitslosengeld 2 leben (Hartz-IV), merkt, dass dieses Gefühl auch im Lauenburgischen auf Fakten basiert. Jedes siebte Kind unter 15 Jahre ist hierzulande von Armut betroffen. In Mölln ist der Zustand sehr viel schlimmer. In der Gruppe der unter Siebenjährigen ist dort sogar jedes vierte Kind betroffen. Deshalb gibt es seit 2011 den „Runden Tisch gegen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung“ in der Eulenspiegelstadt. Das Netzwerk sensibilisiert, berät die Politik und setzt sich für Teilhabe ein. 2017 war die Zahl der Kinder aus finanziell schwachen Haushalten besonders hoch, auch wenn von 2017 auf 2018 ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist.

Kinderarmut ist ein Problem, an dem wir dranbleiben müssen“, sagt Edelgard Jenner. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Mölln ist gleichzeitig auch Koordinatorin des „Runden Tisches“. Am kommenden Montag wird sie ihre Ergebnisse wie jedes Jahr im Sozialausschuss der Stadt vorstellen. Jenner hat Zahlen des Jobcenters (SGB II / „Hartz IV“) und des städtischen Fachdienstes Soziale Sicherung (Kinder, die unterstützt werden nach dem SGB XII und dem Asylbewerberleistungsgesetz) angefordert und zur Zahl der in Mölln lebenden Kinder (1179 Kinder unter 7 Jahre, Stand November 2018) in Beziehung gesetzt. Aufgrund dieser Zahlen hat sie berechnet, dass über 27 Prozent aller Kinder unter sieben Jahren in Mölln auf staatliche Unterstützung angewiesen sind.

Frauen mit kleinen Kindern arbeiten seltener

Dafür, dass es bei den jungen Kindern sogar jedes vierte Kind ist, hat die Gleichstellungsbeauftragte einen Erklärungsansatz. „Das hängt unter Umständen damit zusammen, dass diese Frauen aufgrund ihrer Kleinkinder noch nicht wieder arbeiten gehen können,“ sagt Jenner. Dieser Umstand sei besonders problematisch, weil gerade bei der frühkindlichen Bildung Weichen für die Zukunft gestellt würden. Deshalb lege man beim Runden Tisch ein großes Augenmerk auf Teilhabe.

Bündnis gegen Armut

Auf Initiative des Möllner Sozialforums kam es bereits 2011 zur Gründung eines „Runden Tisches gegen Kinderarmut und soziale Ausgrenzung“ in Mölln. „Dies war eine Reaktion auf die Tatsache, dass in den zurückliegenden Jahren nahezu jedes fünfte Kind unter 15 Jahren in Mölln unter sog. „Hartz-IV“-ähnlichen Verhältnissen aufwuchs“, erklärt Edelgard Jenner. Mit dieser besorgniserregenden Zahl ist aus Sicht der Initiatoren die Gefahr einer Spirale mit negativer Tendenz gegeben. Langzeit-Arbeitslosigkeit und daraus resultierende Armut im Elternhaus führt bei den Kindern häufig zu weniger guten Schulabschlüssen und daraus folgt oft wieder nur eine erneute Perspektive in Arbeitslosigkeit mit anhaltendem Unterstützungsbedarf. Letzten Endes birgt das für alle die Gefahr, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft abnimmt und die Spannungen zwischen Arm und Reich größer werden. Der Runde Tisch gegen Kinderarmut ist ein breites Möllner Bündnis, in dem sowohl die Stadt Mölln mit ihrer Verwaltung als auch Schulen, Kindergärten, Institutionen, Kirchen, Stiftungen, soziale Verbände und politische Parteien vertreten sind.

So spendet etwader Kulinarische Spaziergang, der jährlich vom Lebenshilfewerk organisiert wird, und im Rahmen des Naturerlebnistages im Uhlenkolk stattfindet, die Einnahmen an den Runden Tisch. Dadurch sind in den vergangenen Jahren bereits mehr als 10 000 Euro eingenommen worden. Zusätzlich zu den Einnahmen aus dem Kulinarischen Spaziergang kommen Spenden von Möllner Unternehmen und Organisationen sowie von engagierten Einzelpersonen, so dass insgesamt bereits etwa 20:000 Euro an verschiedene Projekte in Mölln überwiesen werden konnten.

Falls Sie Interesse an einer Mitarbeit haben und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Gleichstellungsbeauftragte Edelgard Jenner, Telefon 045 42/80 31 49; edelgard.jenner@stadt-moelln.de

Freier Eintritt in Uhlenkolk und Luisenbad

Der Blick auf die kreisweiten Zahlen zeigt ebenfalls eine leichte Entspannung: Im Oktober 2018 lebten 3857 Kinder in Hartz-IV-Haushalten. Im Oktober 2017 waren es noch 4060. So gesehen ist die Kinderarmut im Lauenburgischen um rund 5 Prozent zurückgegangen. Vergleicht man die Werte mit den insgesamt im Kreis lebenden Kindern (27 730, Stand Dezember 2017), leben derzeit etwa 14 Prozent der Kinder im Lauenburgischen in einem Hartz-IV-Haushalt. Doch diese Zahlen schwanken. Bei der Betrachtung der einzelnen Monate im Jahr 2018 wird deutlich, dass der Wert zwischenzeitlich 4053 Kinder in Armut betrug. Im Juli 2016 rutschte der Wert gar auf 3640 Kinder. „Wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen“, sagt Edelgard Jenner. Gesunde Ernährung oder kulturelle Ausflüge etwa würden mit Hilfe des Netzwerkes gefördert. Teilhabe in der Freizeit sei nötig, um Diskriminierung vorzubeugen. In Mölln gebe es zwei große Pluspunkte, so Jenner. Das seien der freie Eintritt in das Luisenbad und den Möllner Wildpark.

Mölln lässt es sich schon eine ganze Menge kosten, um Kindern über finanzielle Grenzen hinweg Teilhabe zu ermöglichen“, sagt Jenner. Das gelte auch für den stetig voranschreitenden Ausbau von Krippenplätzen. „Messbarer reduzieren kann allein der Runde Tisch die Kinderarmut sicher nicht“, sagt sie. Doch es gibt kleine Erfolge. Das Bündnis hatte sich etwa schon vor der vergangenen Landtagswahl dafür eingesetzt, dass das Land Kindern und Eltern gemeinsame Familienurlaube mittles finanzieller Unterstützung ermöglichen sollte. Das sei besser, als ein Kind allein ins Ferienlager zu schicken. Man sei damals nach Kiel eingeladen worden, um die Idee vorzustellen. Und nach der Wahl sei dieses Projekt zügig umgesetzt worden. In Mölln wurde dafür so gut geworben, berichtet Jenner, dass Menschen im Kreis Herzogtum Lauenburg diese Angebote landesweit am häufigsten abfragten.

Von der großen Anzahl Bedürftiger Kinder in Mölln und Umgebung kann auch Paul Büttner berichten. Der Stadtvertreter organisiert mit seiner Freien Möllner Wählergemeinschaft jedes Jahr den „Wunschbaum“.Kinder von Eltern, die sich keine Geschenke leisten können, dürfen ihre Wünsche in den Tannenbaum im Stadthaus hängen. Anonyme Wohltäter kaufen die Geschenke als Spende „Die Tendenz im Bereich der Kinderarmut ist nach wie vor steigend“, sagt Büttner. Vom Jahr 2016 auf 2017 war die Zahl der Wunschzettel im Baum von 190 auf 242 rapide gestiegen. Zwar waren es im Jahr 2018 nur 218 Wunschzettel, doch das habe daran gelegen, dass Weihnachten ungünstig gelegen habe. Die Werbung sei deshalb schlechter gelaufen.

„Die Zahlen, die dabei zu Tage kommen, sind nach wie vor besorgniserregend“, sagte Bürgermeister Jan Wiegels. Wenn etwa jedes 5. Kind im Alter bis zum 18. Lebensjahr und bei den unter Siebenjährigen sogar mehr als jedes vierte Kind in Mölln auf staatliche Unterstützung angewiesen sei, müsse dies beschämen. „Auf kommunaler Ebene sind unsere Handlungsmöglichkeiten leider sehr beschränkt, hieran etwas zu ändern“, so Wiegels. Die Stadt könne eigentlich nur versuchen, die Einrichtungen der Stadt für Menschen aller Einkommensklassen zu öffnen.

Von Florian Grombein

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