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Lauenburg Kreis in der Kritik: „Warum werden Blühstreifen am Straßenrand weggemäht?“
Lokales Lauenburg Kreis in der Kritik: „Warum werden Blühstreifen am Straßenrand weggemäht?“
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19:27 06.06.2019
Jutta Gerstner, Anwohnerin aus Bäk an der L 60 Richtung Mechow, versteht nicht die Mäh-Maßnahmen des Bauhofes an den Grünstreifen der Straßen, zumal mehrfach im Jahr. Quelle: Joachim Strunk
Bäk

Sie versteht es einfach nicht – zumal in dieser sensiblen Zeit, in der Klimaschutz und Bienensterben die Top-Themen in den Medien sind –, dass Kommunen ihre Bauhof-Mitarbeiter hinausschicken und die Grünstreifen entlang der Straßen „wegradieren“. Jutta Gerstner aus Bäk hat sich einen der „Mäher“ an ihrer Straße (Kreisstraße 60) Richtung Mechow geschnappt und ihn nach Sinn und Zweck der Maßnahme befragt. Doch der konnte oder wollte dazu nichts sagen.

Der Randstreifen an der K 60 nach Mechow wurde laut Kreissprecher Frohnert auch wegen zweier Veranstaltungen etwas früher gemäht als üblich. Quelle: Joachim Strunk

Selbst im Winter habe es schon „Rodungsaktionen“ gegeben. „Da wurden die Randflächen teilweise bis auf den blanken Boden gemäht“, so die ehemalige Lehrerin. Früher konnten sich vielerlei Wildblumen immer wieder schön versamen. „Heute wächst gerade mal noch etwas Löwenzahn“, bedauert sie. Aus ihrem Urlaub in Dänemark kennt sie, dass dort lediglich direkt um die Straßenbegrenzungspfähle gemäht wird, der Rest bleibt stehen. „Warum geht das bei uns nicht?“, fragt sie.

Teilweise bis unter die Grasnarbe wird die Vegetation „bearbeitet“. Da dauert es, bis hier wieder Wildblumen als „Tankstellen“ von Bienen und anderen Insekten nachwachsen. Quelle: Joachim Strunk

Tobias Frohnert, Sprecher der Kreisverwaltung Herzogtum Lauenburg, bestätigt, dass gerade an der K 60 Mäharbeiten durchgeführt wurden. „Allerdings im ganz normalen Rahmen der Verkehrssicherung, wozu der Kreis als Straßenbaulastträger verpflichtet ist.“

Straßenbegleitgrün

Unter dem Sammelbegriff Straßenbegleitgrün fasst der Fachmann sämtliche Grünflächen an Wegen, Straßen und Parkplätzen zusammen. Meist besteht es aus den vier Komponenten Bäume, Buschwerk, Gräser und Blütenstauden. Es dient als Blendschutz, stabilisiert Böschungen, dämpft den Verkehrslärm und betont für Autofahrer gut sichtbar den Straßenverlauf. Zudem trägt die Bepflanzung der Randstreifen dazu bei, dass sich Straßen harmonisch in die Landschaft einfügen. Straßenbegleitgrün soll aber auch optisch ansprechend, möglichst pflegeleicht, ökologisch wertvoll und dazu noch preiswert sein.

Dabei werde durch die Mitarbeiter „noch stärker als zuvor darauf geachtet, dass nur die notwendige Breite gemäht wird, um Verkehrszeichen freizuhalten und keine unübersichtlichen Stellen zu schaffen.“ Alles, was weiter von der Straße weg sei, werde „frühestens im Herbst nach Brut- und Blütezeit bewirtschaftet“.

Brandgefahr durch parkende Autos

Eigentlich sollte der Bauhof an besagter Strecke erst in zwei Wochen mit der Mahd beginnen, aber wegen Veranstaltungen – das Kinderfest in Mechow und die Scheunenfete in Bälau – wurde bereits früher begonnen. Grund: Wenn Autos am Fahrbahnrand parken würden, was nicht so selten vorkäme, bestünde die „Gefahr durch Feuer durch heiße Katalysatoren der geparkten Autos“.

„Grüne Hölle“

Thomas Hövelmann vom Naturschutzbund Deutschland hat bei der Qualität der Grünpflege einen durch Sparzwänge bedingten bundesweiten Trend zum Schlechteren festgestellt: „Die wirtschaftlich günstigste Lösung ist nicht unbedingt auch die ökologisch beste“, sagt er. So werde in vielen Gemeinden das Schnittgut nach dem Mähen abgesaugt: „Dabei werden auch Insekten, Kleintiere und Samenkörner eingesogen“, kritisiert Hövelmann.

Oft wird zu früh gemäht, beispielsweise schon Ende Mai vor der Blüte, so dass viele Arten keine Samen ausbilden können: „Über die Jahre verschwinden dann die Blühpflanzen und es entsteht eine grüne Hölle“, erläutert der Botanik-Experte.

Christel Happach-Kasan, Landesvorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und Mitglied im Kreisausschuss für Forst und Natur, erklärte auf Anfrage: „Wir hatten das Thema in der letzten Sitzung des Forst- und Naturschutzausschusses.“ Die grundsätzliche Kritik von Jutta Gerstner und ihre Überlegung sei richtig, Blühstreifen seien möglichst zu erhalten.

Die Grünstreifen (hier zwischen Kühsen und dem Elbe-Lübeck-Kanal) sind hübsch anzusehen und können für vielerlei Wildblumen Heimat sein. Quelle: Joachim Strunk

Allerdings: „Wenn sie höher aufwachsen, bieten sie auch einen Anreiz für Kleinwild wie Kaninchen oder Vögel, sich dort zu verstecken. Dann sind diese Tiere durch den Verkehr gefährdet und sie werden häufig überfahren.“

Deswegen werde direkt an der Straße gemäht, weiter von der Straße entfernt jedoch nicht mehr. „Wünschenswert wäre ein Bewuchs mit Pflanzen, die nicht so hoch wachsen. Den haben wir an mehreren Straßenabschnitten im Süden des Kreises“, so die FDP-Politikerin, die zufälligerweise auch in Bäk wohnt.

Joachim Strunk

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