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Lauenburg Brandgefahr in der Natur steigt
Lokales Lauenburg Brandgefahr in der Natur steigt
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18:02 24.07.2019
Brandgefahr in der Natur: Bei Breitenfelde stand ein Feld in Flammen. Ein Hühnerhof (im Hintergrund) konnte gehalten werden. Quelle: Timo Jann
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Elmenhorst

Ein Funke in der ausgedörrten Natur kann jetzt zum Inferno führen. Davor warnen die Feuerwehren in der Region. „Jeder Bürger ist jetzt gefordert, Umgang mit Feuer in der Natur zu unterlassen. Da mag es abends am Lagerfeuer zum Sonnenuntergang noch so romantisch sein, Lagerfeuer ist jetzt tabu“, sagt Sven Stonies, der Kreiswehrführer im Herzogtum Lauenburg. Doch auch bei normalen Arbeiten wie dem Einfahren von Getreide ist die Brandgefahr jetzt groß. Ratscht ein Mähwerk über einen Stein am Boden, kann es zu Funkenbildung kommen – und schon steht der Bestand in Flammen.

Meterhohe Flammen haben sich bei Gülzow während des Brandes eines Feldes mit Gerste gebildet Quelle: Timo Jann

Am Montagabend stand eine weithin sichtbare Rauchwolke über Gülzow. Selbst aus dem 20 Kilometer entfernten Trittau war sie noch zu sehen. Vier Hektar Gerste standen in Flammen. Um 17 Uhr wurden die Feuerwehren aus Gülzow, Kollow und Lütau alarmiert. „Ein Landwirt war bereits mit einer Scheibenegge aktiv, um die Brandausbreitung, die durch die stehenden Halme begünstigt wird, auf dem betroffenen Feld zu unterbrechen. So schnell, wie sich das Feuer ausbreitete, wären wir mit unseren Schläuchen sonst gar nicht hinterher gekommen“, berichtete Jörg-Peter Friedrichsen von der Feuerwehr Gülzow. Vier Strahlrohre setzten die mit sieben Fahrzeugen angerückten Feuerwehrleute ein.

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Die Brandgefahr in der Natur, wie hier bei einem Getreidefeldbrand in Gülzow, ist aktuell extrem hoch. Quelle: Timo Jann

Sonnabend war das Bild in Breitenfelde ganz ähnlich. Hier brannte ebenfalls ein vier Hektar großes Feld. Zu den Brandursachen gab es zunächst keine Erkenntnisse, möglicherweise waren die Feuer aber bei Erntearbeiten, die gerade liefen, durch Funkenflug des Mähdreschers ausgebrochen.

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„Wir sind bisher zum Glück von größeren Flächenbränden verschont geblieben, darüber sind wir auch heilfroh. Wir sind aber natürlich vorbereitet“, sagt Stormarns Kreiswehrführer Gerd Riemann. Es gibt zwei Bereitschaftszüge für die Bekämpfung größerer Wald- und Flächenbrände. Riemann: „Da wird sich auch intensiv mit den aktuellen Taktiken beschäftigt. Das ist gerade bundesweit ein sehr spannendes Thema.“ Gerade in kleineren Orten hätten die Feuerwehren auch mit Landwirten Absprache getroffen, dass diese Güllewagen mit Wasser gefüllt vorhalten. „Da kommen auf Schlag 10 000 Liter, das hilft uns schon“, so Riemann.

Mit einer Scheibenegge legt ein Landwirt eine Schneise an, über die sich der Flächenbrand nicht ausbreiten kann. Das ist Hilfe für die Feuerwehren. Quelle: Timo Jann

Für die Bauern führt an der Ernte jetzt kein Weg vorbei. „Es sind perfekte Rahmenbedingungen für die Ernte, wir müssen jetzt los“, berichtet Peter Koll, der Geschäftsführer der Bauernverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn. Koll: „Viele Landwirte treffen Vorsorge und sind solidarisch. Wenn ein Landwirt dreschen muss, hat der Nachbar einen Traktor mit Scheibenegge parat.“ So wie es in Gülzow vollzogen wurde. Ohne die Scheibenegge wäre der Brand wohl in einen nahen Wald gelaufen. „In der Not stehen unsere Landwirte zusammen“, so Koll. Er hofft trotz der für die Getreideernte wichtigen Trockenheit aber auch auf Regen. Grünlandflächen sowie Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln würden Regen benötigen, vor allem im südlichen Kreis Herzogtum Lauenburg, wobei der Wetterverlauf bisher besser als im Dürrejahr 2018 sei.

Die Landwirte müssen jetzt trotz der Brandgefahr in der Natur ihr Getreide einfahren. Manchmal löst Funkenflug eines Mähdreschers einen Brand aus. Quelle: Timo Jann

Auch im Kreis Segeberg sind die Feuerwehrleute gerüstet. „Erntebedingt gab es bereits einige Einsätze, aber zum Glück keine allzu großen Sachen“, erklärt Mark Zielinski, der Feuerwehrchef von Bad Segeberg. „Man sollte jetzt in der Natur vorsichtig sein. Weggeschnippte Kippen gehören sich ohnehin nicht, aber jetzt sind sie wirklich brandgefährlich“, sagt er. Auch heiße Katalysatoren von Autos, die auf trockenen Wiesen geparkt werden, können Flächenbrände auslösen. Zielinski: „Für uns ist wichtig, dass wir bei seinem Brand in der Natur schnell auf Marscherleichterung setzen. Deshalb legen wir, sobald es geht, einen Teil der Schutzausrüstung ab. Das schlaucht den Körper sonst extrem. Außerdem müssen wir schnell Getränke zur Einsatzstelle bringen, um den Flüssigkeitsverlust beim schweißtreibenden Einsatz ausgleichen zu können.“

Bei anstrengenden Einsätzen dürfen die Retter auch Schutzkleidung ablegen, hier musste aber dennoch auch ohne Einsatzjacke auf Atemschutz gesetzt werden. Quelle: Timo Jann

Stonies hat beobachtet, dass aktuell Kommunen für ihre Feuerwehren Fahrzeuge mit Löschwassertanks beschaffen, die über den Norm-Forderungen liegen. Schwarzenbek und Lauenburg beispielsweise beschafften Löschfahrzeuge mit 4000 Liter fassenden Wassertanks. Zwar nicht nur wegen Flächenbränden, aber dort würden sie auch Vorteile bieten. Denn meistens mangelt es auf Feldern und in Wäldern an Löschwasser. „Damit einhergeht auch immer besondere Technik für Flächenbrände, etwa Löschrucksäcke oder handliche Schläuche“, erklärt Stonies. „Das ist schon ein Trend, der eben auch deutlich macht, dass sich unsere Feuerwehren mit den sich verändernden Rahmenbedingungen befassen“, meint der Kreiswehrführer.

Die Meteorologen sagen bis Anfang kommender Woche täglich Werte von mehr als 30 Grad hinaus, es soll auch danach sonnig bleiben. Zielinski: „Man darf jetzt auch nicht, und sei es nur mal eben kurz, Tiere oder Kinder im Auto lassen. Da sind schnell 60 Grad, das ist lebensgefährlich.“

Die Brandbekämpfung in der Natur ist mühsam und schweißtreibend. Quelle: Timo Jann

Timo Jann

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