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Lauenburg Brandserie in Schwarzenbek
Lokales Lauenburg Brandserie in Schwarzenbek
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12:41 18.03.2017
In Schwarzenbek haben in der Nacht zu Freitag sieben Autos gebrannt. Quelle: Timo Jann
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Schwarzenbek

Vermutlich zwei noch unbekannte Männer haben in der Nacht zum Freitag eine Spur der Verwüstung in Schwarzenbek hinterlassen. Sie fackelten an vier Stellen im gesamten Stadtgebiet acht Autos ab. Nur die Bereiche Kollower Straße und Alter Forsthof blieben verschont. Die Polizei fahndete während der Löscharbeiten mit vier Streifen nach den Männern, hat aber bisher keine konkrete Spur. Der Schaden wird auf mehr als 100000 Euro geschätzt.

Um 0.10 Uhr hatte die Leitstelle den ersten Alarm für die Schwarzenbeker Feuerwehr ausgelöst. An der Finkhütte wurde auf einem Parkplatz ein Feuer an einem Skoda Yeti gemeldet. „Ich bin vom Spätdienst heimgekommen und sah gegenüber der Stelle, wo ich eingeparkt hatte, Feuer am Reifen eines Autos. Ich hab’ sofort die Feuerwehr gerufen“, berichtete eine Anwohnerin. Das Feuer bekam sie selbst gelöscht. Als die Feuerwehr sich kurz nach dem Alarm über Funk bei der Leitstelle meldete, gab die sofort einen zweiten Einsatzort durch. Diesmal an der Grabauer Straße bei der Gaststätte „Zum Schinderhannes“. „Dort stand ein Auto in Vollbrand. Wir gehen davon aus, dass es bereits vor der Tat an der Finkhütte angesteckt, aber erst später bemerkt wurde“, sagte Schwarzenbeks Feuerwehrchef Thorsten Bettin. Der Ford Fiesta brannte völlig aus.

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Fünf Minuten später meldete die Leitstelle dann die nächste Brandstelle, diesmal am Müllerweg. Hier waren gleich drei Autos betroffen, ein VW, ein Peugeot und ein Chrysler. „Mein erster Gedanke war, wie ich denn jetzt zur Arbeit kommen soll“, beschreibt Raif Turhan, dessen Peugeot in Flammen aufging, den Moment, als er nach einem Anruf eines Nachbarn die Flammen auf dem Parkplatz sah.

Sein Wagen brannte ebenso wie der VW völlig aus. Noch während die Besatzung eines Löschfahrzeugs hier die Flammen bekämpfte, schickte die Leitstelle das Hilfe-Leistungslöschgruppenfahrzeug von der Grabauer Straße zur Blinden Koppel. Hier brannten ebenfalls drei Autos, ein Seat, ein Renault und ein Mercedes. Zur Unterstützung wurde auch die Feuerwehr Grabau alarmiert.

Auf ein besonders dreistes Vorgehen der Brandstifter weist die Beobachtung der Anwohnerin von der Finkhütte: Nach dem ersten Schreck setzte sie sich auf ihren Balkon und zündete sich eine Zigarette an – mit Blick auf den Parkplatz. „Da kam dann ein dunkles Auto, so mit Stufenheck. Da ist einer ausgestiegen, über den Parkplatz gegangen, und dann hab ich sein Feuerzeug klicken gehört“, erzählte die Frau noch in der Nacht. Sie brüllte den Unbekannten an, der daraufhin zum an der Straße wartenden Auto flüchtete, einem Komplizen etwas zurief und dann verschwand. Wahrscheinlich waren die Männer zurückgekommen, um noch einmal ihre Grillanzünder anzustecken, die die Polizei aber schon nach dem ersten Notruf auf zwei Reifen des Skoda sichergestellt hatte.

„Wir ermitteln unter Hochdruck“, sagte gestern Morgen Ernst Jenner, der Leiter des Schwarzenbeker Polizeireviers. „Das ist schon wirklich ein starkes Stück, so etwas hatten wir hier lange nicht“, erklärte er. Die Polizei prüft auch eine Verbindung zu drei brennenden Altpapiercontainern zwei Nächte zuvor. Jenner: „Auch da lagen die Brandorte zu weit auseinander, als dass man von Zufall ausgehen könnte.“ Und die vier Brandstellen gestern Nacht deuten laut Jenner darauf hin, dass die Täter mobil sind. Verschiedene Männer waren bereits kurz nach den Brandstiftungen im Stadtgebiet kontrolliert worden, jedoch ohne ihnen konkret etwas nachweisen zu können.

Für die Feuerwehr ging es gestern Morgen gleich mit dem nächsten Einsatz weiter: Um 8.10 Uhr hatte die Brandmeldeanlage von LMT Fette an der Grabauer Straße ausgelöst. Ein Fehlalarm.

„Die Häufung der Brände in der Nacht an mehreren Stellen war schon eine logistische und personelle Herausforderung“, so Bettin. Laut Feuerwehrbedarfsplan benötigt die Feuerwehr ein zusätzliches Löschfahrzeug, das in so einer Ausnahmesituation geholfen hätte.

Gegen 3 Uhr am frühen Freitagmorgen wurde ein brennendes Auto in der Straße Birkenkamp in Bad Oldesloe gemeldet. Als die Feuerwehrkräfte vor Ort eintrafen, brannte der Peugeot 307 bereits lichterloh, wie Gemeindewehrführer Olaf Klaus mitteilte. Unter Atemschutz wurde das Auto abgelöscht. Doch die Brandschützer konnten nicht verhindern, dass das Auto komplett ausbrannte. Während des Einsatzes ging eine weitere Meldung ein, dass auch bei einem VW Händler in der Hamburger Straße ein Auto brennen sollte. Eine Überprüfung ergab aber, dass dort kein Feuer war.

Möglicherweise hatten die Anrufer die platzenden Reifen des brennenden Autos im Birkenkamp gehört. Der Einsatzort lag nur wenige Meter vom Autohaus entfernt. Das Auto wurde von der Polizei sichergestellt.

Polizeisprecher Stefan Muhtz teilte mit, dass es sich hier um eine politisch motivierte Tat handeln könnte. Weiteres könne zum jetzigen Zeitpunkt der Ermittlungen noch nicht bekannt gegeben werden.

Auf LN-Nachfrage erklärte Oberstaatsanwalt Hans-Peter Lofing: „Das Auto gehört keinem hochrangigen Politiker. Dennoch stehen die Ermittlungen des Staatsschutzkommissariats der Bezirkskriminalinspektion Lübeck im Zusammenhang mit den Eigentumsverhältnissen des ausgebrannten Peugeot.“ Im Internet hatte sich eine linksgerichtete Gruppe zu der Tat bekannt. jeb

 Timo Jann