Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Schwere Brandstiftung: Schwarzenbeker muss in Psychiatrie
Lokales Lauenburg Schwere Brandstiftung: Schwarzenbeker muss in Psychiatrie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:29 27.02.2019
Immer wieder brannte es in Schwarzenbek. Quelle: TIMO JANN
Lübeck/Schwarzenbek

Im Verfahren um schwere Brandstiftung in Schwarzenbek hat das Landgericht Lübeck einen 24-Jährigen am Mittwochvormittag freigesprochen, obwohl die Anklage die Taten als erwiesen ansieht. Der Schwarzenbeker wird jedoch für unbestimmte Zeit im psychiatrischen Krankenhaus in Neustadt untergebracht. Er stand vor Gericht, weil er am 21. Juli 2018 einen brennenden Grillanzünder in eine Küchenrolle gewickelt und in ein auf Kipp stehendes Fenster geworfen hatte. Dadurch geriet der Fensterrahmen in einem Haus in der Nachbarschaft in Brand.

Es bestehe Wiederholungsgefahr

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Gerichts ist nicht auszuschließen, dass er diese Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hat, weil er laut Gutachten an einer krankhaften seelischen Störung leidet. Er sei dadurch bedingt steuerungsfähig. Weil Wiederholungsgefahr bestehe, sei die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik nötig. Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyers hingegen Haftaufhebung beantragt.

Er möchte nach Hause

Der Angeklagte nutze die Chance auf letzte Worte vor der Urteilsverkündung: „Ich möchte gerne nach Hause. Ich möchte meine Neffen aufwachsen sehen und nicht nur traurig sein.“ Dem 24-Jährigen wurden durch den Gutachter im Verlaufe des Prozesses intellektuelle Defizite und ein Intelligenzquotient lediglich zwischen 60 und 70 bescheinigt. Auf die Beteiligten wirkten diese Sätze des Angeklagten im Gerichtssaal, als würde er das Prozessgeschehen und das bevorstehende Urteil nicht voll umfänglich begreifen. Er bot an, es der Richterin schriftlich zu geben, dass er „verspreche nie wieder Blödsinn“ wie Feuerlegen zu machen. Außerdem vermisse er seine Arbeit.

Die vorsitzende Richterin der VII. Großen Strafkammer, Helga von Lukowicz, sprach den Angeklagten nach der Urteilsbegründung direkt an und bemühte sich dabei um einfache Sprache. „Es bringt nichts, dass sie anbieten, ihre Feuerzeuge abzugeben“, sagte sie. Er könne sein eigenes Verhalten nicht steuern. Das hätten auch seine einschlägigen Taten in der Vergangenheit gezeigt. Er müsse vorerst in der psychiatrischen Klinik in Neustadt bleiben, habe aber eine Chance darauf, in Zukunft in einer anderen Wohnform unterzukommen und wieder glücklich zu werden. Seine Fortschritte würden regelmäßig überprüft. Außerdem dürfe er Besuch von seiner Familie empfangen.

Der junge Mann mit Vollbart, Brille und Kapuzenpulli gestand die Tat im Prozess, verstrickte sich zwischendurch jedoch in Widersprüche. Die Version, dass er nur zufällig vorbeigekommen sei, und den Brand entdeckt und gemeldet habe, glaubte die Richterin nicht. Ein technisches Gutachten habe ergeben, dass der Brand aufgrund von Jalousien nicht von außen hätte erkannt werden können. Im Prozess war herausgekommen, dass der Angeklagte den Brand aus Frust darüber gelegt hatte, dass ein Bekannter ihn nicht wie versprochen zu einer Veranstaltung mitgenommen habe.

Seine Nachbarn in Schwarzenbek atmen mitunter auf. Denn es war nicht das erste Mal, dass der Verurteilte in Schwarzenbek Feuer legte. Erst 2017 war er wegen Brandstiftung in einem minder schweren Fall aus dem Jahre 2015 zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im schlimmsten Falle hätten bei den Brandlegungen Menschen sterben können.

Lesen Sie alles zu dem Prozess

Florian Grombein

Die Neustrukturierung der Müllabfuhr und der Landesentwicklungsplan stehen im Mittelpunkt der Sitzung des Lauenburgischen Kreistages. Außerdem gibt es zahlreiche Anträge der Parteien.

26.02.2019

Vier Jahre und neun Monate sowie zwei Jahre und drei Monate Haft: So lauten die Urteile des Lübecker Landgerichts gegen zwei Autodiebe, die reihenweise Fahrzeuge geknackt und nach Polen verschoben haben.

27.02.2019

Früher als geplant kann der bau des neuen Flügels im Backoffice der Kreissparkasse in Mölln beginnen – Der Umzug weiterer 80 Mitarbeiter von Ratzeburg nach Mölln rückt damit näher.

26.02.2019