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Lauenburg Brunsmark und der Brexit
Lokales Lauenburg Brunsmark und der Brexit
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21:42 26.05.2019
Bürgermeister Iain Macnab hisst die Schleswig-Holstein-Fahne am Wahllokal in Brunsmark. Quelle: Matthias Schütt
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Brunsmark

Iain Macnab, der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Brunsmark, hat es deutschlandweit zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. „Selbst im Schwarzwald hat man von dem Schotten gehört, der mit dem Brexit sein Bürgermeisteramt verliert“, begrüßt ihn Nachbar Jochen Palm, als er Macnab am Sonntag nach der Stimmabgabe am Wahllokal trifft. Tatsächlich durchlebt der 69-jährige selbstständige Internet-Berater unruhige Wochen, in denen sein Schicksal als Kommunalpolitiker und nichts weniger als die Zukunft des ganzen Kontinents auf dem Spiel steht.

Angst um Einheit Großbritanniens

„Wenn der Brexit kommt, wird es auch ein neues Unabhängigkeitsreferendum der Schotten geben“, ist Macnab überzeugt. „Ich bin zwar mit Herz und Seele Schotte, aber die Zugehörigkeit zu Großbritannien aufzugeben, wäre ein großer Fehler. Das Problem ist nur, dass ein Referendum nach dem gescheiterten Versuch von 2014 diesmal wohl klappen würde.“ Mit großer Sorge befürchtet er einen Riss durch das Vereinige Königreich, der kaum mehr zu kitten wäre. Zumal auch in Irland große Spannungen zu erwarten sind.

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Seit den 1970er-Jahren lebt der gelernte Journalist in Deutschland, arbeitete als Tontechniker, Gastwirt, Übersetzer und IT-Experte. 1992 ließ er sich in Brunsmark nieder. Seit vielen Jahren engagiert er sich in der Gemeindearbeit, seit 2008 ist er der Bürgermeister des 170-Einwohner-Dorfs.

Bürokratiemonster Brüssel gängelt Mitglieder

Auch wenn er den Ausstieg Großbritanniens aus der EU ablehnt, die Gründe, die viele Briten umtreibt, kann er zumindest teilweise nachvollziehen. „Als wirtschaftliches Projekt ist die Europäische Union ein Riesenerfolg. Der Widerstand entzündet sich an dem Bürokratiemonster, das von Brüssel aus die Mitglieder gängelt. Als ich Europa in den Sechzigerjahren bereiste, begeisterte mich die kulturelle Vielfalt auf dem Kontinent. Heute ist das durch die Globalisierung weitgehend glatt gebügelt worden. Viele Briten wollen aber ihre kulturelle Identität nicht verlieren.“

Andererseits nervt ihn die Arroganz der Brexiteers um Boris Johnson und Nigel Farage, die die Einwände aus der Wirtschaft einfach in den Wind schlagen. Wie sie bei der Europawahl abgeschnitten haben, weiß er zur Stunde noch nicht. „Das interessiert drüben im Augenblick noch keinen. Selbst die BBC behandelt die Europawahl nicht als Spitzenthema. Außerdem ist Brüssel in der Hand der Beamten. Die Politiker haben da doch relativ wenig Einfluss.“

 

Matthias Schütt