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Lauenburg Klaus Schlie kündigt Rückzug aus der Politik an
Lokales Lauenburg Klaus Schlie kündigt Rückzug aus der Politik an
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12:00 25.08.2019
Anfang September gibt der 65-jährige Klaus Schlie sein Amt als CDU-Kreisvorsitzender auf. Quelle: DPA
Mölln

Nach 20 Jahren an der Spitze der Kreis-CDU tritt Klaus Schlie Anfang September beim Kreisparteitag ab. Kein anderer war so lange an der Spitze der Kreis-CDU wie der 65-jährige Möllner.

Was war das damals für eine Zeit, als Sie in die Politik gekommen sind?

Ich bin sicherlich politisch motiviert und sozialisiert worden einerseits durch einen meiner Lehrer in der Realschule. Dabei ging es nicht um Parteipolitik. Dieser Lehrer, der selbst ehrenamtlicher Bürgermeister eines Ortes war, hat mir in Wirtschaft und Politik viel mitgegeben und uns in der politischen Bildung allgemein unterrichtet. Und dann bin ich sehr stark politisch sozialisiert von zu Hause aus. Aber auch die deutsche Ostpolitik hat mich stark motiviert. Meine Familie kommt mütterlicherseits aus Ostpreußen und väterlicherseits aus Mölln. Die neue Ostpolitik von Willy Brandt war da ein großes und strittiges Thema zu Hause.

Fehlt diese politische Bildung heute ein wenig?

Ganz klar ja. Das haben wir gerade auch mit unserem Beauftragten für politische Bildung auf Landesebene und mit Bildungsministerin Karin Prien besprochen. Dieses Defizit ist auch ein Grund, warum die Ministerin 2019 zum Jahr der politischen Bildung erklärt hat. Ich erfahre, dass auch immer weniger Studenten im Bereich Wirtschaft und Politik ausgebildet werden. Wir brauchen mehr Wirtschaft- und Politikunterricht in der Schule. Aber auch im Bewusstsein darüber hinaus müssen wir das stärker verankern. Ein Grund dafür ist auch, dass die politischen Zusammenhänge immer komplizierter werden. Dazu zählt die stärkere Einflussnahme der Europäischen Union, aber auch die komplizierten kommunalen Strukturen. Es ist gut, wenn viel diskutiert wird und junge Leute sich eine politische Meinung bilden. Es ist aber auch wichtig, die Grundstrukturen unseres politischen Systems zu kennen.

Wenn man an die 70er und 80er Jahre denkt, fällt einem bei Mölln natürlich auch der Name Uwe Barschel ein. Wie haben Sie den hautnah erlebt?

Ich bin quasi mit Uwe Barschel als CDU-Kreisvorsitzendem politisch groß geworden. Ich habe damals den Wechsel vom legendären Gustav Drews zu Uwe Barschel miterlebt. Da war ich gerade in die CDU eingetreten und habe danach seinen Weg miterlebt. Wir waren als Junge Union längst nicht immer mit ihm einer Meinung, aber er hat sich mit uns intensiv beschäftigt. Sein Ende war eine wirklich dramatische Geschichte.

Diese Männer führten den Kreisverband Herzogtum Lauenburg der CDU seit 1956. Keiner von ihnen war so lange im Amt wie Klaus Schlie.

Vor der Art der politischen Auseinandersetzung war das aber auch ein ganz anderer Stil und eine intensivere Streitkultur als heute, oder?

Das waren damals härteste Auseinandersetzungen, weil auch die politischen Konfrontationen zwischen den unterschiedlichen Positionen ungeheuer hart ausgetragen wurden. Dabei ging es auch um sehr grundsätzliche Fragen. Das war in einer Phase der Bundesrepublik Deutschland, in der sich diese in der Überwindung der Restauration befand. Die Aufbruchstimmung der 68er-Generation, der Wandel der Mitbestimmung oder die Frauenbewegung haben sich natürlich auch in der Diskussion auf örtlicher Ebene niedergeschlagen. Da gab es völlig konträre Denkweisen. Oftmals waren im politischen Bereich diejenigen tätig, die der Kriegs- oder Nachkriegsgeneration entstammten. Das war eine harte und konfrontative Zeit, wie ich sie in der Härte auch später in der Landespolitik nicht wieder erlebt habe.

Politik ist auch immer Netzwerkarbeit. Wenn man 20 Jahre in dieser Position im Geschäft ist, müsste das doch gigantisch sein, oder?

Natürlich ist das Netzwerk groß, auch auf Landesebene. Davon lebt Politik letztendlich auch. Ein Netzwerk zu haben in die gesellschaftlichen und kommunalen Bereiche hinein, davon zehre ich in meiner täglichen Arbeit. Im Wirtschaftsbereich und auf Landesebene ist das das Gleiche. Davon lebt letztendlich auch die Gestaltungsmöglichkeit, die man selbst hat. Man ist Anlaufstelle und zentraler Punkt. In den Parteien sind das auch unterschiedliche Persönlichkeiten. Und das ist gut so. Dadurch, dass man selbst eingebunden ist in die Gesellschaftsstruktur im Kreis auch durch die Tätigkeit in der Stiftung und meine Arbeit im wirtschaftlichen Bereich, habe ich ein richtig gutes Netzwerk und Verbindungen. Ich bin überall so davor, dass ich die Leute anrufen und ein Problem erörtern kann. Aber viel wichtiger ist, dass die mich auch jederzeit anrufen können. Und das tun sie auch.

Was bedeutet solch ein Netzwerk konkret für Mölln und die Region?

Solche Netzwerke sind unentbehrlich, um Dinge gestalterisch voranzubringen und Probleme zu lösen. Wenn es darum geht, dass ein Bürgermeister oder eine Gemeinde eine bestimmte Sache voranbringen will, dann muss man seine Möglichkeiten, die man über sein Netzwerk hat, auch bis oben hin deutlich machen. Bei Infrastrukturprojekten kann es darum gehen, mit Fakten auch Einfluss auf bestimmte Entwicklungen zu nehmen, damit Dinge eine Richtung nehmen, von der man meint, dass sie insgesamt in den Kreis passt. Bestes Beispiel ist das Duvenseer Moor. Es ist ja nicht so, dass Robert Habeck an dem Abend vor Ort sich dieses Modellprojekt hat einfallen lassen. Das haben wir lange vorher besprochen und uns dazu ausgetauscht. Solche Dinge können nur über Netzwerkarbeit über alle Parteigrenzen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Grenzen hinweg entwickelt werden.

Wie wichtig ist es, dass so etwas im Hintergrund passiert?

Viele Dinge erreichen nie das Licht der Öffentlichkeit, wenn es darum geht, ein Problem zu lösen. Es ist gerade am Anfang notwendig zu schauen, ob eine Lösung herbeizuführen ist, ohne dass gleich ein öffentlicher Aufreger daraus wird. Die Öffentlichkeit hat allerdings einen Anspruch darauf, Dinge zu erfahren, wenn es um Neuerungen oder Umbrüche geht. Das ist völlig klar. Aber es geht manchmal auch um scheinbare Kleinigkeiten, die dann doch erheblich sind. Die muss man intern regeln können.

Welche Rolle spielen bei solchen Hintergrundverhandlungen die modernen Kommunikationswege, über die es ja inzwischen möglich ist, Informationen sehr schnell zu verbreiten?

Das macht es sicher schwieriger, andererseits auch glaubwürdiger. Aber ich selber habe immer vom persönlichen Gespräch gelebt und bin privat auch gar nicht bei Facebook, Twitter und Co unterwegs. Da muss man mit der persönlichen Verbreitung von Informationen eben schneller sein. Öffentliche Skandalisierung über „soziale Kanäle“ hilft in der Regel nicht weiter, ein Problem zu lösen.

Ein Projekt, bei dem es lange einen Stillstand gegeben hat, war die ehemalige Bundeswehrverwaltungsschule in Mölln. Wie wird bei so etwas der Knoten durchschlagen?

Indem man mutig anpackt, etwas wirklich konkret entwickelt und nicht Fata-Morgana-Modelle und große Ideen entwirft. Dabei ging es um Ideen wie eine Universität, die Verlagerung der Kreisberufsschule bis zum Krankenhaus oder ein Fünf-Sterne-Hotel. Aber wenn man dann mit verantwortungsbewussten Menschen aus der Region sagt, lass und das mal anpacken und überlegt, was man daraus machen kann, dann funktioniert das. Man muss dann Investoren für das konkrete Projekt finden. So etwas trenne ich immer von meiner politischen Arbeit. Auch wenn das nicht einfach ist, weil ich eine Person bin und dabei natürlich auch immer politisch denke. Als wir im Dezember 2013 das Objekt als Projektentwickler gekauft haben, wussten wir auch noch nicht konkret, was da am Ende alles entsteht. Aber wir hatten natürlich schon Vorgespräche unter anderem mit der Lebenshilfe geführt und die Idee des inklusiven Stadtteils im Hinterkopf. Wenn man dann mit den Leuten vor Ort und dem weiteren Netzwerk arbeitet und gemeinsam anpackt, kann man etwas gestalten – und das ohne einen Cent öffentlicher Gelder. Das ist ein langer, aber erfolgreicher Weg.

Wie nahe geht es einem denn, wenn dann auch mal abfällig von der „Mölln-Mafia“ gesprochen wird?

Das nehmen wir natürlich zur Kenntnis. Aber gegen die Klugschnacker und Neider kann man nichts machen. Das Karstadt-Hertie-Haus wäre ohne unser Engagement wahrscheinlich immer noch eine Bruchbaustelle und das Karstadt-Sporthaus wäre zwischenzeitlich vermutlich zusammengefallen. Da wäre kein Investor eingestiegen. Und bei der Bundeswehrverwaltungsschule wäre die Broken-Windows-Theorie Realität geworden. Dennoch muss man mit solchen Aussagen leben. Es ist eine ausgeprägte Eigenschaft von einigen Deutschen, dass der Faktor Neid sie ihr Leben lang begleitet. Aber sehr viele Menschen sind auch begeistert von dem, was wir in der Region geschaffen haben.

Kommen wir mal zurück zur Politik im Kreis. Was unterscheidet die CDU aus ihren Anfangsjahren im Kreis zu der Kreis-CDU heute?

Das war eine Partei, die sehr stark von einem traditionellen, konservativen Lebensbild geprägt war. Die CDU damals war eine Partei mit wenig Einfluss von Frauen. Solche Persönlichkeiten wie Uwe Barschel haben diese Kreispartei sehr stark geprägt. Und auch sein Vorgänger Gustav Drevs, der nicht umsonst der „Eiserne Gustav“ hieß, hat bestimmt, was Sache ist. Da hat es im Laufe der Jahrzehnte einen ziemlichen Wandel gegeben. Ich habe damals mit der Jungen Union, und aus dieser Zeit sind mit Norbert Brackmann und Michael von Brauchitsch auch noch einige dabei, eine Erneuerung mitgestaltet. Aber alles war an der Sache orientiert, auch wenn es mal harte Auseinandersetzungen gegeben hat. Wir haben auch dem einen oder anderen in persönlichen Dingen zugesetzt. Aber das war nie unter der Gürtellinie. Das war hart in der Sache, aber immer mit offenem Visier. Das nehme ich auch heute noch für mich in Anspruch, wenn man Leuten Unangenehmes sagt. Ich empfinde mich selbst als jemanden, der Führung immer so verstanden hat, dass er argumentativ und von der Sache her andere überzeugt, dass es das Richtige ist. Aber ich lasse mich natürlich auch von anderen Sachverhalten überzeugen, wenn sie argumentativ besser sind.

Die politische Auseinandersetzung wird zunehmend von Populismus aus vielen Richtungen geprägt. In wieweit bereitet Ihnen das Sorgen?

Populismus ist in der Politik ein ungeheuer schlechter Ratgeber und ein irreführendes Leitbild. Populismus gaukelt den Menschen vor, dass Probleme schnell und einfach zu lösen sind. Das ist nicht der Fall. In der Politik, in der Wirtschaft und in den Zusammenhängen zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind Probleme nicht schnell zu lösen. Unsere Politikstrukturen sind komplizierter geworden. Wir können manche Dinge kommunal nicht mehr so entscheiden, wie wir das früher konnten, weil es Abhängigkeiten in die nächsten Ebenen gibt. Wir können Dinge auf Landesebene nicht so entscheiden, wie wir das wollen, weil wir natürlich auch von der Bundesebene abhängig sind. Und wir werden immer abhängiger von europäischer Rechtssetzung. Den Menschen dann zu erklären, warum etwas scheinbar Einfaches nicht auch einfach zu entschieden ist, ist der Unterschied zwischen Populismus und Demokratie. Das ist langwieriger, sicher manchmal umständlicher und meist von Kompromissen geprägt. Aber es gibt in unserer pluralen Gesellschaft eben nicht immer das eine Lösungsziel – das ist Unsinn. Unser demokratisches System garantiert dafür die Freiheitsrechte und Bürgerrechte.

Sie sind nun 65 Jahre als geworden, Sie ziehen sich aus dem Kreisvorstand zurück. Wie geht es weiter?

In der Parteipolitik ist mein aktiver Part damit beendet. Für mich steht fest, dass ich dann nach dem Ende dieser Landtagsperiode als Landtagsabgeordneter aufhören werde. Dann bin ich 68 und finde, das ist genau das richtige Alter um aufzuhören. Ich bedaure diejenigen, die noch meinen, mit über 70 Jahren solche politischen Ämter in Parlamenten oder Regierungen innehaben zu müssen. Für mich ist es wichtig, das selber zu entscheiden.

Es gibt zwei Kandidaten für Ihre Nachfolge. Begrüßen Sie diese Auswahl?

Ja klar. Auswahl ist immer gut. Davon lebt die Demokratie. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich seit Längerem wusste, dass mein Stellvertreter Rasmus Vöge kandidiert. Das hat mich sehr gefreut. Er ist ein Mann mit sehr großer politischer Erfahrung. Er war Landesvorsitzender der Jungen Union, acht Jahre Stellvertreter von Peter Harry Carstensen und zwei Jahre mein Stellvertreter. Dass es jetzt noch einen weiteren Kandidaten gibt, ist in Ordnung. Bei uns entscheiden ja auch die Mitglieder und nicht Delegierte. Dass ich mich von Anfang an besonders über die Bereitschaft von Rasmus Vöge gefreut habe, wird auch keinen verwundern.

Der Politiker Klaus Schlie

Klaus Schlie ist seit 1999 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes und damit so lange im Amt, wie keiner seiner Vorgänger.

1971 trat Schlie als 17-Jähriger in die Junge Union ein. Ein Jahr später wurde er CDU-Mitglied.

1978 zog er erstmals in den Kreistag Herzogtum Lauenburg ein. Im gehörte er 27 Jahre an, also bis 2005. Eine Zeit lang war Schlie Erster Kreisrat und damit stellvertretender Landrat. Von 1986 bis 1990 war Schlie außerdem Mitglied der Ratsversammlung der Stadt Mölln.

1996 wurde Schlie erstmals in den Landtag gewählt. Dort war er von 1997 bis 2000 stellvertretender Vorsitzender des Sonderausschusses „Verfassungsreformen“ und 2000 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender der CDU Landtagsfraktion.

2005 bis 2009 war der Möllner Staatssekretär für Verwaltungsmodernisierung und Entbürokratisierung und von 2009 bis Juni 2012 Innenminister des Landes Schleswig-Holstein.

Von 2012 bis heute ist Schlie Landtagspräsident.

Für Sie ist es der Anfang vom Rückzug aus der Politik. Aber Ihre beiden Söhne engagieren sich in der Politik. Wie finden Sie das?

Das haben beide völlig selbstständig entschieden. Es freut mich sehr, dass sie sich neben ihrer beruflichen Eigenständigkeit politisch betätigen. Wir sind immer schon eine ehrenamtlich sehr engagierte Familie gewesen. Deswegen lag es nicht ganz fern. Natürlich hätten sie sich auch politisch in eine andere Richtung engagieren können. Aber so finde ich das natürlich gut.

Von Holger Marohn

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