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Lauenburg Corona in Aumühler Kita: Kohortenbildung passt nicht zu Montessori
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Corona in Aumühler Kita: Kohortenbildung passt nicht zu Montessori

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18:26 13.11.2020
Die Kita Montessori Kinderhaus in Aumühle ist nach der Infektion einer Betreuerin komplett geschlossen. Betroffen sind nach Angaben des Gesundheitsamtes 54 Kinder und acht Mitarbeitende. Grund für die Komplettschließung ist das Hygienekonzept der Kita, welches anders als bei Fällen in anderen Kitas oder Schulen die Beschränkung auf einzelne Gruppen oder Kohorten nicht ermöglichte. Quelle: Holger Marohn
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Aumühle

Nach dem Corona-Fall im Montessori-Kinderhaus in Aumühle hatte der Kreis Herzogtum Lauenburg von einem fehlenden „wirksamen Hygienekonzept“ gesprochen. Weil alle Kinder durcheinanderlaufen würden und es keine Kohortenbildung gegeben habe, habe man die Kita komplett schließen müssen, hieß es vom Kreis.

Doch dieses Risiko war dem Trägerverein vor Wiederöffnung des Kinderhauses nach der ersten Welle bewusst. „Wir haben vorher auch mit dem Gedanken gespielt, Notgruppen einzurichten“, sagt Sina Rohlwing vom Vorstand des Trägervereines. In Abstimmung mit der Elternschaft und dem Gesundheitsamt habe man dann jedoch entschieden, das offene Konzept im Sinne der Grundhaltungen der Montessori Pädagogik beizubehalten.

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Die Kita Montessori Kinderhaus in Aumühle ist nach der Infektion einer Betreuerin komplett geschlossen,. Betroffen sind 54 Kinder und acht Mitarbeitende. Grund für die Komplettschließung ist das Hygienekonzept der Kita, welches anders als bei Fällen in anderen Kitas oder Schulen die Beschränkung auf einzelne Gruppen oder Kohorten nicht ermöglichte. Quelle: Holger Marohn

Ein Grund sei gewesen, dass das Gesundheitsamt nicht habe garantieren können, dass bei einer bestätigten Infektion nicht doch die gesamte Kita geschlossen und nicht nur eine Gruppe hätte in Quarantäne geschickt werden müssen, so Rohlwing gegenüber den LN. So sei das gesamte Gebäude auf die offene Montessori-Pädagogik ausgelegt und konzipiert.

Gruppenbildung im Konzept nicht vorgesehen

Offen bedeute dabei, dass es keine Gruppenstruktur gebe, sondern Räume, „die liebevoll und mit pädagogischem Sachverstand nach verschiedenen Funktionen ausgestattet sind, um die unterschiedlichen Interessen und Entwicklungsthemen der Kinder anzusprechen“. Die Kinder könnten hier „ganz nach ihrem inneren Bauplan, wie es Maria Montessori sich wünschte, den Dingen, Spielen und Arbeiten zuwenden, die sie für ihren persönlichen Aufbau brauchen“.

Die Kita Montessori Kinderhaus in Aumühle ist nach der Infektion einer Betreuerin komplett geschlossen. Betroffen sind 54 Kinder und acht Mitarbeitende. Grund für die Komplettschließung ist das Hygienekonzept der Kita, welches anders als bei Fällen in anderen Kitas oder Schulen die Beschränkung auf einzelne Gruppen oder Kohorten nicht ermöglichte. Quelle: Holger Marohn

So hätten die einzelnen Räume, darunter der Bewegungsraum, der Arbeitsraum und der Ruheraum, auch nicht jeweils 20 Plätze an Tischen für eine Gruppe, an denen dann auch das Essen eingenommen werden könnte. Neben den Räumlichkeiten seien auch die Arbeitsverträge der Angestellten auf das offene Konzept ausgerichtet. Im Kinderhaus würden drei Vollzeitkräfte einschließlich Leitung und sieben Teilzeitkräfte zum Teil mit freien Tagen in der Einrichtung arbeiten. Hinzu käme eine Auszubildende. Bei einer dieser Mitarbeiterinnen wurde nun am Mittwoch eine Corona-Infektion bekannt.

Elternschaft waren Konzeptrisiken bekannt

Im Montessori-Kinderhaus gebe es einen Hygieneplan und Maßnahmen, die darauf abzielten, das Infektionsrisiko innerhalb der Einrichtung zu minimieren, heißt es vom Trägerverein. Hierzu gehörten danach auch ein Lüftungskonzept, die regelmäßige Desinfektion der Ess- und Sanitärbereiche oder der Türklinken sowie Regeln für externe Menschen, die das Haus betreten wie Handdesinfektions- und Maskenpflicht sowie den Zugang nur nach Absprache.

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Entsprechend sei die Elternschaft vor der Rückkehr in die offene Arbeit auch darüber informiert worden, dass im Falle einer Corona-Infektion die Einrichtung komplett geschlossen werden muss. Von den Eltern würde es größtenteils Verständnis geben. Allerdings hätten einige Eltern auch Bedenken über die Schließung geäußert, weil sie beruflich stark eingebunden seinen und nun die Kinder betreuen müssten, so Rohlwing.

Infektionsgeschehen in Kitas und Schulen Arbeitsschwerpunkt

Das Montessori-Kinderhaus ist die dritte Kita im Kreis, die in den vergangenen 14 Tagen von einem Corona-Fall betroffen war. Im Zwergenstübchen in Gudow war eine Betreuerin positiv getestet worden. In der Schwarzenbeker Kita St. Franziskus war es in einer Gruppe ein Kind, in einer anderen eine Betreuerin. Jeweils mussten nur die entsprechenden Kohorten in Quarantäne geschickt werden.

Für das Gesundheitsamt sind Infektionsgeschehen in Schulen, Kindergärten und weiteren Gemeinschaftseinrichtungen weiterhin Arbeitsschwerpunkt. Innerhalb der letzten 14 Tage verzeichnete das Gesundheitsamt Infektionen in mindestens 18 Schulen, einer Klinik, drei Kindertagesstätten sowie einem Pflegedienst. Insgesamt wurde dabei für Personen als direkte Kontaktpersonen Quarantäne angeordnet. Eine Infektionsübertragung hat es in Kitas und Schulen nach bisherigen Erkenntnissen des Kreisgesundheitsamtes allerdings noch nicht gegeben.

Von Holger Marohn