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Lauenburg Das Hit-Video aus Salems Jugendheim
Lokales Lauenburg Das Hit-Video aus Salems Jugendheim
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12:32 18.02.2014
Carolin Ermer, die als Jim Button auftritt, und ihr Videopartner, der US-Sänger John Hammond. Hinter ihnen warten die Rentner-Statisten im Salemer Jugendheim auf die nächste Kameraeinstellung. Quelle: Fotos: Martin Stein
Salem

Dieser Drehtag war harte Arbeit: Die Popsängerin Carolin Ermer (35) aus Salem, die sich gerade als Jim Button einen Namen macht, will ihren Hit „The Big Breakthrough“ demnächst als Video präsentieren. Die LN waren bei den Aufnahmen im Salemer Jugendheim mit knapp zwei Dutzend Statisten im Rentenalter dabei.

Orangerote Vorhänge trüben das Tageslicht, die Wand an der Stirnseite ist großflächig gelb und rostrot gestrichen. Davor eine schmale Kommode mit Fernsehgerät, rundum gefliester Fußboden. Die Wahl eines Kassenprüfers würde in diesem Ambiente niemanden überraschen — ein Musikvideo schon. Aber die Gastgeberin weiß es besser: „Das war Absicht. Es geht mir nicht um ein typisches MTV-Glamour-Video. Das sollte alles etwas skurril sein.“

Was in dieser Kulisse ins Bild gesetzt wird, ist ein Popsong, der sogar das Publikum jenseits des Großen Teiches aufhorchen lässt. „The Big Breakthrough“ gibt‘s in zwei Versionen. Vor der einen werden die Käufer in Internetläden mit einem „E“ gewarnt. Das heißt „explicit“, weil es im Text freizügiger zugeht. Wie auch immer: Der bekannte US-Musikproduzent Jack Ponti ist von Jim Button so angetan, dass er die junge Frau aus Salem unter Vertrag genommen hat (die LN berichteten).

Beim Drehtag im Jugendheim fungiert ein Eckraum heute als „Maske“. Sofas, Sessel, Stühle, an den Wänden Gemälde, ein Bücherbord gleich daneben. Der Geruch von Haarspray und Kaffee liegt in der Luft.

Jochen Ullrich packt gerade seine Hauslatschen aus und findet beim Schmink- und Make-up-Team sofort Zustimmung: „Die sind genau richtig.“ Der 70-jährige frühere Lehrer aus Seedorf ist einer von 20 Statisten: „Ich fand das interessant, weil so etwas ja mehr in die Großstädte gehört. Und jetzt passiert das hier in dieser Abgeschiedenheit in meinem Nachbardorf. Da dachte ich mir: Da muss man auf jeden Fall mal hin. Die Clownerei liegt mir.“ Der Schalk blitzt ihm aus den Augen.

In Empfang genommen werden Freiwilligen von einem Helferteam, das vor allem aus Freunden der Sängerin besteht. Sally Lindenblatt betätigt sich als Cheforganisatorin. Profis sind Kameramann Dennis Dirksen vom Hamburger Filmer-Kollektiv „FlaPP“ und Beleuchter Björn Lingner. Während die Videoexperten mit Jim Button und dem US-Sänger John Hammond (32) aus Georgia stundenlang den Song in Szene setzen, greifen die Statisten bei Brötchen und Getränken zu. Und sie lassen sich in der Maske auf ihren Auftritt vorbereiten.

Barbara Müller (70) aus Lübeck hat sich auf einem Sessel ausgestreckt. Ute Kreitz, eine Tinktur in der offenen linken Hand, tupft das Gesicht der früheren Pflegedienstleiterin vorsichtig ab. Die Rentnerin freut sich schon auf das, was noch kommen wird: „Ich habe von der Video-Aktion in den Lübecker Nachrichten gelesen“, erzählt sie. „Weil ich von Natur aus neugierig bin, mache ich mit. Bei Filmaufnahmen war ich schon mal in Lübeck dabei.“

Die beiden Hauptdarsteller proben unterdessen auch nach Stunden vor der Kamera weiter, bei Playback-Klängen aus einem tragbaren Abspielgerät. Jim Button und John Hammond stecken in schlabbrigen Hosenanzügen, die sich leicht verorten lassen: Blau, Weiß, Rot, Streifen und Sterne. Die US-Flagge als Kostüm. Die Heizungen sind auf Null gedreht, aber dem Gesangsduo steht der Schweiß auf der Stirn. Die beiden sind nicht die einzigen, die schwitzen. Die Sonne hat das Flachdach fest im Griff, die Beleuchtung treibt das Thermometer nach oben. Die Sängerin zieht in kurzen Pausen immer wieder den Reißverschluss ihrer Kluft auf. Stefanie Jockschat vom Maske-Team tupft die Gesichter der Hauptdarsteller ab.

Jetzt werden die Statisten hereingebeten, nach zweistündiger Wartezeit. Bademäntel, lockere Klamotten. Die Gastgeberin stimmt die Senioren ein: „Ich freue mich wahnsinnig. Sie sehen großartig aus.“

Stimme aus dem Publikum: „Richtig schön alt!“ Jim Button erklärt: „Alle sollen unseren Auftritt erstmal voll doof finden, überhaupt nicht beeindruckt sein. Eine Person ist von Anfang ein Fan, vielleicht eine Frau. Ein Herr soll die ganze Zeit schnarchen.“ Gelächter tönt ihr aus den Stuhlreihen entgegen. „Dann sollen alle langsam anfangen, mit uns zu feiern, zu sagen: Das ist eigentlich ja doch ganz nett.“ Als der Part der Statisten abgedreht ist, machen sich die Laienspieler auf den Heimweg. Rainer Beers aus Dargow: „Das war für mich schon interessant, weil ich so etwas bisher noch nicht mitgemacht hatte. Alles gut und originell, alles professionell abgewickelt. Und ich habe einige Leute aus dem Dorf kennen gelernt, mit denen ich bisher noch nichts zu tun hatte.“

Geradezu begeistert hört sich die Sängerin an: „Das hat mich total umgehauen, wie alle mitgemacht haben.“ Der Tag war allerdings „megaanstrengend“. Um 7.30 Uhr ging‘s los mit dem Make-up, ab 8.30 Uhr im Jugendheim, bis 18 Uhr gedreht und noch zwei Stunden abgebaut. Hat sich‘s gelohnt? „Das ist richtig gut geworden“, zeigt sich Carolin Ermer nach dem Blick auf erste Bilder sicher: „Es kann sein, dass das Video schon in einigen Tagen zu sehen ist. Leicht zu finden bei Youtube, Stichwort Jim Button und The Big Breakthrough.“ Die Statisten, die sogar bis aus Scharbeutz nach Salem angereist waren, können es kaum erwarten.

Verkauf im Internet
Drei Minuten und 51 Sekunden lang ist der Song „The Big Breakthrough“ von Jim Button. Wer sich die Aufnahme beschaffen möchte, findet das Lied
problemlos im Internet zum Beispiel bei Amazon oder im „iTunes store“ von Apple für 99 Cent.



Neuigkeiten über die Sängerin aus Salem gibt es aus erster Hand auf der „Facebook“-Seite von Carolin Ermer
alias Jim Button.

Martin Stein

Hier können Sie den Song "The Big Breakthrough" kostenlos hören: