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Lauenburg Das „Spiel“ mit dem Feuer
Lokales Lauenburg Das „Spiel“ mit dem Feuer
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21:26 01.08.2018
Die Perspektive durch das Teleobjektiv ist etwas verzerrt. Allerdings lässt sich die Furcht der Anwohner erahnen, wenn sie diese Strohmassen in nächster Nähe zu ihrem Haus wissen.
Brunsmark

Angesichts der zahlreichen Feld- und Waldbrände, die sich bei den derzeit hohen Sommertemperaturen häufen, und speziell durch das Feuer, das am vergangenen Freitag den Futtervorrat eines Biohofs im südlauenburgischen Krukow vernichtete, sind die Brunsmarker derzeit sehr „sensibel“. Bürgermeister Iain Macnab: „Das Dorf ist in heller Aufregung. Gerade das Wohngebiet an der Haidkoppel ist sehr eng. Da stehen 40 Häuser, die sind nur einen Steinwurf von der Hofanlage entfernt. Und die Strohballen liegen quasi vor ihrer Haustür.“

Die Angst geht um in Brunsmark. Dorfbewohner und Bürgermeister fürchten eine Bedrohung für ihr Leben und Eigentum, sollte ein Feuer an den Strohballenlagern des Großbäckers von Allwörden ausbrechen. Verteilt auf drei Standorte liegen hier 3500 Ballen – in unmittelbarer Nähe zu den Häusern.

Auf sein Drängen kam es am Dienstagmorgen zu einem Ortstermin auf dem ehemaligen Hof Schulte, den der Möllner Großbäcker Manfred von Allwörden schon seit Jahren gepachtet hat, um dort unter anderem Futter für seine Springpferdezucht (Hauptsitz in Grönwohld bei Trittau in Stormarn) zu lagern. Neben Macnab waren anwesend von Allwördens Gestütsleiter Michael Möller, der Leiter des Amts Lauenburgische Seen, Werner Rütz, und sein Ordnungsamtschef Sascha Bolbach sowie Gemeindewehrführer Ralf Filter.

„Wir hatten hier schon 2012 einen Vorgang“, erinnerte sich Rütz. Daraufhin habe man sich auf klare Absprachen bei der Lagerung der Strohballen und Mieten auf dem Hofgelände geeinigt. „Daran hat sich der Betrieb nicht gehalten“, bestätigte Rütz. Möller habe aber zugesagt, wirksame Maßnahmen zum Brandschutz zu ergreifen. Und tatsächlich, so Rütz, wurde noch am Vormittag damit begonnen, die Reihen der Ballen zu lichten.

Leider habe man „eine schwierige Rechtslage in Schleswig-Holstein“, sagte der Amtschef. Von Allwördens Pferdezucht sei ein privilegierter landwirtschaftlicher Betrieb, bei dem es zulässig sei, Streu und Futter zu lagern. Wie dies zu geschehen habe, dazu gebe es bislang noch keine Landesverordnung, die das regelt. „Wir müssen uns ersatzweise Empfehlungen aus anderen Bundesländern zu Hilfe nehmen.

Letztendlich ist es Gefahrenabwehr.“

Dafür habe man vor sechs Jahren Lösungen verabredet wie Löschgassen zwischen einzelnen aufgetürmten Strohballenlagern mit klaren Abständen. „Diese Abstände werden in den nächsten Tagen hergestellt“, so Rütz. Damit sei schon begonnen worden. Bei einem weiteren Ortstermin Ende der Woche wolle er dies überprüfen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen anordnen.

Würden die Auflagen eingehalten, sei alles in Ordnung. Die Abstände zur Siedlung Haidkoppel seien eingehalten worden. „Die subjektive Wahrnehmung ist da sicherlich unterschiedlich“, so Rütz weiter.

„Aber Haus- und Grundstückseigentümer haben kein Recht auf freie Sicht.“

Manfred von Allwörden erklärte, man wolle schnell Abhilfe schaffen. Eigentlich wären die Mindestabstände laut damaliger Verabredung zu den nächsten Grundstücken von zwölf Metern sogar um drei auf 15 Metern erhöht worden. Der Mindestabstand zu Häusern sollte bei 25 Metern liegen. Daran halte man sich. In diesem Fall aber sei die Fahrgasse zwischen den Mieten für ein Feuerwehrauto nicht breit genug gewesen. Auch soll die Feuerwehr die Möglichkeit haben, bei einem Brand von beiden Seiten der Ballenreihe löschen zu können. „Das ist nicht so gut gewesen, aber wird jetzt sofort erledigt.“

Drei bis vier Tage veranschlagt von Allwörden für die Umräumarbeiten. Verständnis äußerte er für die Sorgen der Brunsmarker Einwohner. „Ich will hier auf keinen Fall eine Gefährdung.“

Die sieht Gemeindewehrführer Ralf Filter dennoch. „Die Leute können sich mit den aktuellen Maßnahmen etwas sicherer fühlen. Für uns als Feuerwehr ist es aber bei den Massen an Stroh – mit 3500 Ballen eine riesige Dimension – gar nicht möglich, das zu löschen. Wir können nur sehen, dass wir das Stroh kontrolliert abbrennen lassen und die angrenzenden Häuser evakuieren“. Für die Feuerwehr und ihn als Gemeindewehrführer sei es wichtig, „dass das Land Schleswig-Holstein endlich eine rechtsverbindliche Regelung schafft, wie solche Massen an Stroh, Heu und Futter ordnungsgemäß gelagert werden müssen“. Er habe diesbezüglich eine Eingabe (siehe Beistück) an den Landesverband gemacht.

Brandschutz in Brandenburg

Das Landwirtschaftsministerium von Brandenburg hat im Juni 2016 ein fünfseitiges Papier zum Brandschutz in der Landwirtschaft veröffentlicht. In der geht es um „die wichtigsten Grenzwerte, Empfehlungen und Hinweise zum landwirtschaftlichen Brandschutz sowie zur qualitätsgerechten Lagerung landwirtschaftlicher Schütt- und Stapelgüter“. So werden entsprechende Temperatur- und Feuchtigkeitsgrenzen bei der Unterdachlagerung von Getreide und Saatgut festgestellt.

Zum Thema Stroh- und Heulagerplätze heißt es, sie gehörten „zu den besonders brandgefährdeten und unfallträchtigen Arealen“. Zu beachten sei, dass die Lagergrundfläche nicht größer als 2000 qm, das Volumen nicht höher als 10000 Kubikmeter und die Masse nicht höher als 1000 Tonnen ist.

Langjährig durchgeführte Recherchen „ergaben, dass eine Selbsterhitzung bzw. Selbstentzündung von Stroh und Heu nicht nur bei einer Lagerung unter Dach, sondern auch im Freien auftreten kann“. Aus diesem Grund sei eine Temperaturkontrolle oder eine Begutachtung notwendig. Eine Lagerung unter Dach oder auf dem Betriebsgelände im Freien innerhalb einer Ortschaft wird demnach in die Brandgefährdungskategorie 1 eingestuft. Weitere Maßnahmen (unter anderen) dazu: Abstand zum nächsten Strohlagerplatz – 100 Meter; Abstand zu Wohn-, Geschäfts- und Gewerbegebäuden – mindestens 100, besser 150 Meter; mindestens 75 Meter zu öffentlichen Verkehrswegen; Kinder und Unbefugte dürfen Mietenplatz nicht betreten (Hinweisschilder).

Quelle: „Brandschutz in der

Landwirtschaft – ISIP“

Joachim Strunk