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Lauenburg Das zweite Leben der alten Scheunen
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18:14 20.07.2018
Jakob Wagener, Mitarbeiter der 2002 gegründeten Schmiede in Groß Disnack, bearbeitet hier ein Stück Metall, das er vorher in der Glut der Esse erhitzt hat. Nun lässt es sich verformen. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Groß Disnack

Besitzer des Anwesens ist Peter Eingrüber. Der war vor gut zwei Jahrzehnten auf der Suche nach einer Schmiede im Kreis Herzogtum Lauenburg, die er übernehmen konnte. Da er nichts Passendes fand, beschloss er, sich selbst ein solches Haus zu bauen – aber nicht aus neuem, sondern aus altem Material. Diese Vorgehensweise sei aus ökologischen Gründen sinnvoll, jedoch nicht aus finanziellen, sagt Eingrüber. „Wenn ich hier einen Neubau hingestellt hätte, wäre das billiger geworden“, erzählt er.

Mit dem Bau der Schmiede im Dörfchen Groß Disnack wurde 1998 begonnen, fertig war das Gebäude vier Jahre später. Da kann man natürlich fragen, was dieses Haus in unserer Serie „Hinter alten Mauern“ zu suchen hat. Die Antwort ist einfach: Die Mauern sind alt.

In Groß Grönau, Groß Disnack und in Lüchow fand er schließlich drei alte Scheunen, die abgerissen werden sollten. Die Verhandlungen zogen sich über zwei Jahre hin, wie sich Eingrüber erinnert: „Als die Landwirte merkten, das da jemand Interesse zeigt, wurden ihre morschen Scheunen plötzlich sehr wertvoll.“

Irgendwann einigte man sich aber auf einen akzeptablen Preis. Die Ziegel, Dachpfannen, Balken, Türen, Fenster und sonstigen Teile der ehemaligen Gebäude wurden sortiert und auf ihre Recycling-Eignung geprüft. Es zeigte sich, dass sehr viel von dem zum Zeitpunkt des Abbruchs 100 bis 120 Jahre alten Scheunen noch zu gebrauchen war. So ist etwa 95 Prozent des hölzernen Fachwerks, das jetzt in den Wänden der Schmiede steckt, schon einmal verbaut worden. Der kleine Rest stammt von Fichten, die Peter Eingrüber in der Nähe von Groß Disnack selbst gefällt und entsprechend zugesägt hat.

Kunstschmied – ein seltener Beruf

„Handwerklich bin ich recht geschickt“, sagt er. Vielleicht schlug Eingrüber deshalb trotz des begonnenen Jura-Studiums einen völlig anderen Berufsweg ein. „Ich bekam kein Bafög, musste mir in den Semesterferien etwas dazuverdienen und stand dann in der Werkstatt“, erzählt er. Die Tätigkeit brachte ihm viel Freude, also ließ er sich zum Kunstschmied und Restaurator ausbilden.

Kunstschmied – das ist ein extrem seltener Beruf geworden. „Echte Schmieden wie unsere in Groß Disnack findet man kaum noch. In Norddeutschland gibt es noch drei ernstzunehmende Betriebe“, klagt Eingrüber. Entsprechend schwierig sei es, Mitarbeiter zu finden: „Eine unserer Gesellenstellen war eineinhalb Jahre lang europaweit ausgeschrieben, bis ich einen Kollegen einstellen konnte.“ Seine Schmiede sei auch einer der letzten Ausbildungsbetriebe in diesem Beruf weit und breit.

Dabei gibt es viel zu tun. Eingrüber und sein Team haben sich vor allem auf Restaurierungsarbeiten spezialisiert. Alle Maueranker an der Fassade des Ratzeburger Doms, die Wetterfahne auf der Schiffergesellschaft in Lübeck, Bronzeplastiken in Hamburg – all das und viel mehr ist in der neuen alten Schmiede in Groß Disnack bearbeitet werden. An Kunden, privaten wie öffentlichen, mangelt es nicht. „Für 2018 sind unsere Auftragsbücher voll, auch für 2019 haben wir schon einiges eingeplant“, erzählt der Schmied stolz.

Gearbeitet wird übrigens nicht nur in der Schmiede selbst, sondern auch schräg gegenüber in einer Schlosserei, die um 1930 erbaut wurde und einmal ein Kuhstall war. Auch deren Umbau hat Peter Eingrüber selbst vorgenommen. Handwerkliches Geschick ist immer vonVorteil.

Mehr als 1200 Grad

Schmieden existierten früher in fast jedem Dorf. Immer gab es dort die Esse, in der glühende Schmiedekohle mit Hilfe eines Blasebalgs auf eine Temperatur von mehr als 1200 Grad gebracht wird.

Damit lässt sich das zu bearbeitende Werkstück aus Metall so erhitzen, dass es dann auf dem Amboss leicht in die gewünschte Form gebogen oder gehämmert werden kann. Der Schmied hat dafür ein breites Spektrum an Werkzeugen zur Verfügung.

Norbert Dreessen

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