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Lauenburg David VSG hängt beim schnellen Internet die Branchen-Goliaths ab
Lokales Lauenburg David VSG hängt beim schnellen Internet die Branchen-Goliaths ab
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17:03 20.08.2014
„Wir bekommen keinen staatlichen Zuschuss. Wir haben gut gewirtschaftet.“  Heinz Grothkopp, Stadtwerke
„Wir bekommen keinen staatlichen Zuschuss. Wir haben gut gewirtschaftet.“ Heinz Grothkopp, Stadtwerke
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Ratzeburg

Die kleine Stadtwerkegemeinschaft von Ratzeburg, Mölln und Bad Oldesloe, die 2001 gegründet wurde, zeigt den „Riesen“ der (Multimedia-) Branche wie Eon oder der Telekom, was eine Harke ist. In den beiden Nachbarkreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn, lange Zeit „Zonenrandgebiet“ und weißer Fleck auf der Internet-Landkarte, sorgt die ehemals Vereinigte Stadtwerke Ortsnetz (2009), seit 2012 Vereinigte Stadtwerke Media, für eine so schnelle Datenverbindung ins World Wide Web, wie man sie sonst nur aus Hamburg, Berlin oder München kennt.

Auf dem Lande liegen oder lagen noch die alten Kupferkabel der Post/Telekom, die aber auf längeren Strecken stark an Leistung verlieren. Auch das Funksystem hat sich als zu anfällig erwiesen. „Wir haben demnächst in Gudow eine Verbindung mit einer Leistung von bis zu 100 Megabit im Download und guten 70 Mbit für Uploads. Mehr geht aktuell nicht“, schwärmt Stephan Rakowski, IT-Systemberater der Firma CSN-Solutions aus Gudow, dessen Unternehmen die Server für die Kunden bislang in Frankfurt und Düsseldorf angemietet hatte. Wenn alles gut läuft, ist Rakowskis CSN bereits im Herbst an die High-Speed-Datenautobahn angeschlossen.

„Die Grundstruktur steht“, gibt sich Heinz Grothkopp, Chef der Vereinigten Stadtwerke und (gemeinsam mit Marius Lembicz) Geschäftsführer des Tochterunternehmens VS Media, betont unaufgeregt. Das habe man sich bisher 55 Millionen Euro kosten lassen — „ohne einen einzigen Cent staatlichen Zuschuss“, wie er deutlich macht. Bei einem jährlichen Etat von zehn bis 15 Millionen Euro „haben wir ganz gut gewirtschaftet“.

Der Bedarf ist groß. Viele große Gewerbebetriebe, mittelständische Firmen oder auch Alleinunternehmer, die lieber von der „grünen Wiese“ aus arbeiten, haben dieses Angebot lang herbei gesehnt. „Wir hatten vorher eine acht-Mbit-Leitung von Vodafone, die uns aber nichts Besseres liefern konnten. So sind wir zur VSG gegangen, die uns als Großkunden bevorzugt Ende 2013 angeschlossen haben“, erzählt Lothar Siel vom Seniorenwohnsitz Ratzeburg. Mit den 100 Mbit sei man „sehr zufrieden. Das System läuft stabil — auch beim Anschluss der Röpersbergklinik“.

Ausgangspunkt der gesamten Unternehmung war ein Pilotprojekt in den Gemeinden Bälau, Breitenfelde und Woltersdorf im Frühjahr 2009. Voraussetzung für das Engagement der Stadtwerke in den Bereichen Planung, Bau und Betrieb von Kommunikationsnetzen war eine Mindestanschlussquote von mehr als der Hälfte der Haushalte in der jeweiligen Kommune.

Diese Bedingung gilt noch immer: Erst wenn sich 55 Prozent der Haushalte für einen Anschluss entscheiden, rollen die Bagger an. Das wird dann aber günstig für die Endkunden. Die bekommen den Anschluss nämlich kostenfrei bis ins Haus gelegt. Ein späterer Anschluss wird mit 800 Euro berechnet.

Vor allem die großen Landkreise und Ämter schreckten Eon, Telekom und Co. von einem Engagement in der Fläche ab. Diese Chance nahm die VSG dagegen wahr. Grothkopp: „Wir sind ein regionales Unternehmen und bleiben auch in der Region, wo wir schon mit Gas, Wasser und Strom tätig sind. Nach Flensburg oder Bayern zieht es uns nicht.“

Mittlerweile hängen bereits 54 Gemeinden in beiden Kreisen am VSG-Netz. Dabei arbeiten sich die VSG‘ler aus der Mitte nach außen. Weitere 50 Kommunen sollen bis 2018 hinzu kommen. Für das nächste Jahr stehen neben etwas mehr als 40 Kommunen in Stormarn auch die folgenden Gemeinden im Herzogtum Lauenburg auf dem Ausbauplan, die — sofern die Quote erreicht wird — bis Ende 2015 ebenfalls Mitglied der Glasfaser-Community werden: Kankelau, Wotersen, Roseburg, Neu Güster, Güster, Siebeneichen und Fitzen. „Dann fehlen eigentlich nur noch Elmenhorst/Lbg. und Fuhlenhagen“, sagt Petra Grimm aus dem VSMedia-Vertrieb in Nusse.

Die Eon-Hanse-Gruppe versorgt im gesamten Kreis Herzogtum Lauenburg bislang nur die Gemeinden Bröthen, Büchen (teilweise), Klein Pampau, Langenlehsten, Müssen, Schulendorf und Witzeeze im Amt Büchen.

„In der Gemeinde Büchen streben wir weiterhin eine Ausweitung unseres Netzes an. Hierzu bedarf es einer ausreichenden Mindestanschlussquote, die derzeit noch nicht erreicht wird. Auch in den übrigen von uns erschlossenen Gemeinden werden künftig Netzerweiterungen (bei Neubaugebieten) durchgeführt“, erklärt Eon-Hanse-Sprecher Volker Mielisch. Die Eon-Hanse-Gruppe sehe sich jedoch „weiterhin gezwungen, im Kontext der Vergabe von Wegenutzungsverträgen (Strom- und Gasnetzkonzessionen) strikt auf Zusagen zur Breitbanderschließung zu verzichten, da es gesetzlich verboten ist, Konzessionsvergaben und Zusagen zur Breitbanderschließung aneinander zu koppeln“, ergänzt Mielisch.

Zeitplan für die Breitbandversorgung
Zum Fristende 15. Juli 2014 haben die Gemeinden Harmsdorf und Kulpin die erforderlichen Quoten für den Breitbandanschluss durch die VSG erreicht. In wenigen Wochen wird dann erstmals gebuddelt.

Nach Fertigstellung der Tiefbauarbeiten und der Hausanschlüsse bedarf es für das Spleißen der Glasfasern in den Muffen und das so genannte Patchen noch knapp drei Monate.

Joachim Strunk