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Lauenburg Der Neue von Groß Grönau sucht die gute Nachbarschaft zu Lübeck
Lokales Lauenburg Der Neue von Groß Grönau sucht die gute Nachbarschaft zu Lübeck
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23:10 17.07.2013
Ehrenamt: Der Bürgermeister von Groß Grönau, Eckhard Graf, neben einem ehemaligen Grenzstein vor der Gemeindeverwaltung. Quelle: Fotos: jki, dor
Groß Grönau

Die konstituierende Sitzung am 18. Juni der Gemeinde Groß Grönau endete mit einer kleinen Sensation. Nicht Abonnements-Bürgermeister Hans-Georg Weißkichel (CDU) wurde im Amt bestätigt, sondern sein Herausforderer Eckhard Graf (SPD) im zweiten Wahlgang zum neuen, ehrenamtlichen Verwaltungschef gekürt. Zu Lübeck hat Graf eine besondere Beziehung. Nicht nur, dass er in der Hansestadt geboren wurde. Hier verdient er auch seinen Lebensunterhalt — als Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Groß Grönau und Lübeck — das war in den letzten Jahren keine Liebesbeziehung. Es gab Konflikte um Baugebiete und die Finanzierung von Buslinien. Vor allem aber gab und gibt es die Auseinandersetzung um den Flughafen Lübeck. Groß Grönau klagt gegen den Ausbau, die Lübecker Politik will mehrheitlich einen größeren Airport. „Unsere Rechtsposition wird sich nicht ändern“, kündigt Eckhard Graf an, „aus meiner Sicht liegt Lübecks Flughafen in Hamburg- Fuhlsbüttel. Das sehe ich wie mein Vorgänger.“ Mit dem derzeitigen Zustand seien die meisten Bürger in der kleinen Gemeinde zufrieden, schätzt Graf. Der Linienflugverkehr habe immerhin dafür gesorgt, dass es keine Fallschirmsprünge mehr in Blankensee gibt. Der 47-jährige Diplom-Verwaltungswirt: „Die Alt-Grönauer werden sich noch erinnern, dass bei schönem Wetter ganze Wochenenden Maschinen mit den Springern starteten und erheblichen Lärm verursachten.“

Bei allen Konflikten — Graf will ein „neues Kapitel nachbarschaftlicher Zusammenarbeit auch mit Lübeck eröffnen.“ Mit Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) habe er bereits eine Sprachregelung gefunden, erzählt der neue Grönauer Bürgermeister. „Tagsüber ist er mein Mitarbeiter und abends oder an Wochenenden der Kollege einer Nachbargemeinde“, erklärt Saxe die Regelung: „Seine Doppelfunktion ist für uns kein Problem.“ Konflikte zwischen Kommunen werde es immer geben. Saxe: „Der Umgang mit diesen Konflikten ist entscheidend. Graf und ich werden das entspannt und professionell angehen.“

Ruhig und ausgeglichen wirkt der große, kräftige Mann, der sich als volkstümlich bezeichnet, aber kein Selbstdarsteller sein will und nur ganz selten mal mit der „flachen Hand auf den Tisch haut“.

Seine direkte Vorgesetzte in der Lübecker Verwaltung, Kultursenatorin Annette Borns (SPD), schildert den 47-jährigen Finanzcontroller als „ausgleichend, sehr zuverlässig und dabei doch leidenschaftlich engagiert“. Und er habe einen „großartigen Humor“. Borns: „Ich kenne unter den Kollegen niemanden, der ,Ecki‘ nicht sehr mag.“

Aber „Ecki“ weiß genau, was er will. Schon vor fünf Jahren forderte er Weißkichel heraus, unterlag in der Abstimmung. Dieses Mal habe es klare Anzeichen einer Wechselstimmung gegeben, erklärt Graf:

„Das spürte man in den Vereinen.“ Außerdem holte die SPD fünf von neun Direktmandaten. Graf: „Früher haben wir nur einen Sitz in der Gemeindevertretung direkt geholt.“

Sein Vorgänger Weißkichel, der ganz aus der Kommunalpolitik ausgeschieden ist, habe unbestreitbare Verdienste um Groß Grönau, erkennt Nachfolger Graf an. Auf den 47-jährigen SPD-Politiker und die Gemeindevertretung warten neue Herausforderungen. „Die Kita wird um drei Gruppen erweitert, und die Sanierung der Waldschule wird fortgesetzt.“ Beide Vorhaben kosten zusammen gut vier Millionen Euro.

Auch am Sportlerheim, im Feuerwehrgerätehaus und bei der Wasserversorgung stünden Investitionen an.

Groß, kräftig und braungebrannt
Seit 1967 wohnt Eckhard Graf in Groß Grönau. Geboren wurde der 47-Jährige in Lübeck. Er lernte an der Fachhochschule Maschinenschlosser, sattelte beim Kreis Herzogtum Lauenburg eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt drauf und arbeitet seit langem in der Lübecker Verwaltung. Graf war in der Bauverwaltung, in der Kämmerei und ist seit 2001 Controller im Fachbereich Kultur und Bildung. Seit 1987 ist er SPD-Mitglied, seit 15 Jahren in der Grönauer Gemeindevertretung. Zehn Jahre lang war er stellvertretender Vorsitzender des Landesjugendrings. Graf ist leidenschaftlicher Segler, hilft auf der Travemünder Woche, ist verheiratet und hat ein Kind. Seine gesunde Gesichtsfarbe verdanke er dem Segeln, nicht dem Solarium.

Kai Dordowsky