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Lauenburg Die Alt-Möllner Meister der Kuvertiermaschinen
Lokales Lauenburg Die Alt-Möllner Meister der Kuvertiermaschinen
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20:10 12.09.2014
Eindrucksvoll: das Sortiment an Ersatzteilen, das bei Gibag vorgehalten wird. Manche Teile werden extrem selten benötigt — aber wenn es Bedarf gibt, müssen sie schnell zur Hand sein. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Alt-Mölln

„Zugegeben, sieht aus wie Schrott. Aber das kriegen wir wieder hin“, sagt Nicholas Wessel, Chef der Firma Gibag in Alt-Mölln. Er deutet auf eine sichtlich betagte Kuvertiermaschine. Daneben steht ein ähnliches Gerät, nur blitzblank und in einem Zustand wie frisch aus dem Herstellerwerk. „Die Maschine sah auch mal so aus wie die andere“, erklärt Wessel nicht ohne Stolz. Genau diese Art Aufarbeitung ist es, auf die sich sein Unternehmen konzentriert.

Kuvertiermaschinen stecken, vereinfacht ausgedrückt, blitzschnell Briefe in Umschläge und kleben sie dann zu. Große Firmen, die jeden Tag tausende Prospekte, Rechnungen oder Angebote verschicken, sind auf solche Technik angewiesen, denn per Hand würde das Falten und Eintüten bei Massensendungen viel zu lange dauern.

Der große Nachteil dieser Maschinen: Sie sind sehr teuer. Bis zu 350 000 Euro muss man auf den Tisch legen. Vor einer solchen Investition scheuen viele Firmen verständlicherweise zurück. Und da kommt Gibag ins Spiel. Die Abkürzung bedeutet übrigens „Geräte für innovative Betriebsabläufe Anlagenbau Global Finishing“.

So funktioniert das Global Finishing: Wessel und sein Team kaufen europaweit gebrauchte Kuvertiermaschinen auf. Die Geräte werden bis ins kleinste Detail generalüberholt, aufgearbeitet und sind anschließend nach den Worten des Gibag-Chefs „wie neu“. Preislich aber liegen sie weit unter dem ursprünglichen Listenpreis, und das macht sie so attraktiv.

Gibag hat sich auf mechanische Anlagen spezialisiert. Die sind nicht so hochkomplex wie moderne elektronische, vor allem aber sind sie sehr haltbar.

„35 Jahre ist eine Maschine schon mal alt, wenn wir sie bekommen“, sagt Wessel, „doch wenn wir sie erneuert haben, hält sie noch mal viele Jahre.“ Nicht ganz leicht sei es allerdings, immer die passenden Ersatzteile zu finden — vom Zahnriemen bis zur kleinsten Verdrahtung.

Dank internationaler Kontakte wissen die Gibag-Leute zwar oft, wo sie noch was ergattern können. Vieles ist auch in Alt-Mölln vorrätig, anderes aber ist schlicht nicht mehr zu haben. Zum Glück gibt es aber die Firmen Budik im nahen Breitenfelde, und die fertigt auf Wunsch auch Einzelteile jeder Art aus Metall nach.

Und noch jemand ergänzt das Gibag-Team, nämlich die Werkstatt des Lebenshilfewerks in Mölln. Die dort beschäftigten Menschen mit Behinderung übernehmen vor allem das Reinigen, Sandstrahlen und Lackieren der Blechteile. „Erstklassige Arbeit“ bescheinigt ihnen Nicholas Wessel. Die werde auch bei seinen Kunden in ganz Deutschland und etlichen Nachbarländern anerkannt. Gibag liefert allerdings nicht nur aufgearbeitete Kuvertiermaschinen, man ist auch Spezialist für Reparaturen vor Ort. „Früher haben wir von hier aus feste Mitarbeiter losgeschickt, die dann zu den Firmen fuhren. Das war zu umständlich und dauerte zu lange“, erläutert der Firmengründer. Inzwischen hat Gibag ein Netz von externen Fachleuten aufgebaut, die auf kurzem Wege zu den Kunden fahren und die Maschinen wieder in Gang bringen — meistens sehr zügig. Wessel: „Das ist auch nötig, denn ein Produktionsausfall kostet die Firmen richtig Geld.“

Eins spürt man im Gespräch mit dem Gibag-Chef sehr schnell: Der Mann hat eine echte Nische entdeckt und versteht was von seinem Geschäft. Kein Wunder, denn der heute 65-Jährige, gelernter Im- und Exportkaufmann, war zwar zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn im Textil-Export tätig, wechselte dann aber rasch zu den Kuvertiermaschinen. Mit denen beschäftigt er sich nun seit vier Jahrzehnten, und in dieser sehr speziellen Materie macht ihm keiner was vor. Er sei eben „ein Fachidiot“, kommentiert Wessel diese Tatsache. Da aber irrt er gewaltig: Ein Idiot ist dieser clevere Kaufmann ganz bestimmt nicht.

7000 Briefe pro Stunde
Auch in Zeiten des Internets und der E-Mail sind Kuvertiermaschinen in vielen Bereichen unentbehrlich. Ob es Werbeprospekte, Bankauszüge oder Abrechnungen von Ärzten sind — jeden Tag werden in Deutschland Millionen solcher Briefe verschickt, und ein großer Anteil davon wird maschinell in den Umschlag gesteckt.



Mechanische Maschinen, auf die sich die Firma Gibag spezialisiert hat, schaffen etwa 7000 bis 8000 Kuvertierungen pro Stunde. So viele Umschläge können sie also füllen und verschließen. Inzwischen gibt es allerdings elektronische Geräte, die noch schneller sind und es auf bis zu 30 000 Kuvertierungen in der Stunde bringen.
Steckbrief
Name: Gibag Deutschland mbH

Adresse: Bundesstraße 9, 23881 Alt-Mölln, Tel. 0 45 42/85 66 80

Gegründet: 2005 in Alt-Mölln

Mitarbeiter: drei in Alt-Mölln, zusätzliche Monteure und Kundendienstmitarbeiter werden auftragsweise in ganz Deutschland beschäftigt

Auszubildende: keine

Internet: www.gibag-deutschland.de

Norbert Dreessen

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