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Lauenburg Die „Gentlemen’s Racer“ strahlen wieder
Lokales Lauenburg Die „Gentlemen’s Racer“ strahlen wieder
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21:29 11.05.2018
Bootsbaumeister David Konz (links) und sein Mitarbeiter Jacob Schwarz haben gerade begonnen, eines der beiden Tenderboote zu restaurieren. Es gibt für sie noch viel zu tun. Quelle: Fotos: Norbert Dreessen
Alt-Mölln

Es handelt sich um schnittige schnelle Motorboote, die zwischen 25 und 37 Jahre alt sind. Sie gehörten zuletzt einem reichen Hamburger Reeder, der sie 15 Jahre in einer großen Garage aufbewahrt hatte. Schon als sie damals das Wasser verließen, waren sie nicht mehr gut in Schuss, die lange Lagerung bekam ihnen dann gar nicht.

Wer noch Zweifel daran hatte, ob Motorboote aus Holz schöner sind als solche aus Kunststoff, der sollte in diesen Tagen mal die Davidswerft in Alt-Mölln besuchen. Alte Holzboote zu restaurieren, ist eine der Spezialitäten dieses am Elbe-Lübeck-Kanal gelegenen Betriebs. Derzeit werden hier drei besonders attraktive Exemplare in ihren ursprünglichen eleganten Zustand zurückversetzt.

Editha Cordes, gemeinsam mit dem Bootsbaumeister David Konz Geschäftsführerin der Davidswerft, spricht von einem „desolaten Zustand“, in dem die Boote per Trailer aus Hamburg anrollten. Man verfüge aber „über umfassendes handwerkliches Know-how, um auch Booten, die manchmal jahrzehntelang irgendwo auf dem Trockenen gelagert wurden, wieder zu hohem Wert, Glanz und Funktion zu verhelfen“. Genau das geschieht nun.

Die beiden größeren Boote vom Typ „Gentleman’s Racer“, je 7,10 Meter lang, stammen von einer außerhalb des Landes nahezu unbekannten schwedischen Werft und wurden einmal als Tenderboote gebaut.

Sie sollten zum Übersetzen der Passagiere von einer riesigen Yacht zu Stegen an Land dienen. Beide verfügen über 250-PS- Motoren, mit denen sie wahrlich flott auf dem Wasser unterwegs sein können. 40 PS weniger weist ein aus der Schweiz stammendes Holzboot der Marke Boesch auf, das aber mit 5,30 Metern kleiner und leichter als die Tenderboote und damit mindestens ebenso schnell ist.

Das Boesch-Boot, nach den Worten von David Konz „ein echter Klassiker“, ist bereits fast fertig und sieht wieder aus wie am Tag des ersten Stapellaufs, eigentlich noch besser. Die Totalrestaurierung habe ihm große Freude bereitet, sagt der Werft-Chef: „Wir haben zum Beispiel Rumpf und Spiegel neu in Mahagoni furniert und die Sonnenliegefläche mit einem Mahagoni-Unterbau ausgestattet.“ Die vorher nicht so ansehnliche Sperrholz-Abdeckung wurde mit einem Teakholz-Belag in Stabdeck-Optik versehen.

Dass der maritime Renner heute blitzt und blinkt wie vor fast 40 Jahren, hat zwei Gründe: Der Rumpf bekam jetzt gleich 17 Lackschichten, die Armaturen wurden hochglanzpoliert oder komplett neu verchromt. Der Achtzylindermotor wurde in einem Fachbetrieb generalüberholt. So eine Restaurierung dauert: „Mindestens 300 Arbeitsstunden“ stecken nach Konz’ Worten in diesem Exemplar. Die Tenderboote aus Schweden werden nicht weniger Arbeit erfordern. Das siebenköpfige Team der Alt-Möllner- Werft hat gerade begonnen, auch ihnen ein „Total-Refit“, wie das fachmännisch heißt, zukommen zu lassen. Fest steht schon, dass die Rumpfseiten beider Boote neu furniert werden müssen.

Wenn alles erledigt ist, sollen die neuen alten Holzboote verkauft werden. Die Preise werden, verglichen mit Autos, zwischen gut ausgestatteten Mittelklasse- und Oberklassemodellen liegen.

Begeisterter Bootsbauer

David Konz, Chef der Davidswerft, kam mit dem Bootsbau erstmals als Schüler in Kontakt, als er im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Waldorfschule ein Kanu aus Zedernholz baute. Die Begeisterung ließ ihn nie wieder los. Er absolvierte seine Ausbildung bei einer Hamburger Yachtwerft und übernahm später in Siebenbäumen die Bootsbaufirma von Klaus- Werner Doehring. Die dortigen Räume wurden aber zu klein, vor zwei Jahren zog die Werft nach Alt-Mölln um.

 Norbert Dreessen